Zunächst fand die israelische Delegation in Derbent herzliche Aufnahme.
Zunächst fand die israelische Delegation in Derbent herzliche Aufnahme.

Trotz Einladung: Feier in Dagestan ohne israelische Gesandtschaft

DERBENT (inn) – Eine israelische Delegation ist aus der russischen Kaukasusrepublik Dagestan ausgewiesen worden. Sie sollte dort das 2.000-jährige Bestehen der Stadt Derbent mitfeiern. Die genauen Umstände des Vorfalles sind unklar.

In der nordisraelischen Stadt Hadera nahe des Mittelmeeres leben etwa 15.000 Juden aus Derbent, das zur russischen Kaukasusrepublik Dagestan gehört. Hadera und Derbent sind Partnerstädte. Deshalb war eine sechsköpfige israelische Gesandtschaft zur 2.000-Jahr-Feier nach Dagestan eingeladen, angeführt von Bürgermeister Zvika Gendelman. Allerdings musste sie unerwartet die Stadt verlassen, bevor die offizielle Zeremonie begann. Daran sollte auch der Präsident von Dagestan, Ramasan Abdulatipow, teilnehmen.

„Soweit wir es verstanden haben, begann der Zwischenfall, als der Präsident der Republik in die Stadt kommen sollte“, sagte Gendelman der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Bis dahin hatten wir einen herzlichen Empfang genossen. Aber in einem einzigen Augenblick veränderte sich die Beziehung gegenüber der israelischen Gesandtschaft von vorne bis hinten.“ Unerwartet wurden demnach die fünf anderen Mitglieder der Delegation ausgeladen und ihre Einreisegenehmigungen für ungültig erklärt. Ihr Gepäck hätten die Israelis vor ihren Hotelzimmern vorgefunden, die sie nicht mehr betreten konnten.

Beschwerde bei Botschaft in Moskau

Gendelman wurde gebeten, allein zu der zentralen Veranstaltung am Sonntag zu kommen. Dies lehnte er jedoch ab. Auch der stellvertretende Bürgermeister von Derbent, der Jude Savi Hanukajew, boykottierte daraufhin die Zeremonie. Er war offiziell für die Aufnahme der israelischen Gesandtschaft verantwortlich. Gendelman verließ zornig die Stadt und flog nach Moskau, wo er sich bei der israelischen Botschaft beschwerte.

Die diplomatische Vertretung war jedoch vor allem damit beschäftigt, das für Montagnachmittag geplante Treffen zwischen Israels Premier Benjamin Netanjahu und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorzubereiten. Aus der Delegation kam Kritik an der Botschaft, der es nicht gelungen war, den Zwischenfall zu verhindern. Politische Beobachter vermuten laut „Yediot Aharonot“ allerdings keine Israelfeindschaft hinter dem Vorfall, sondern eher einen internen Konflikt, in den die Gäste geraten sein könnten.

Das israelische Außenministerium ließ verlauten: „Wir bedauern den Vorfall, welcher der Ehre des Bürgermeisters von Hadera und der Mitglieder seiner Delegation geschadet hat. Eine vorherige Abstimmung mit der israelischen Botschaft in Moskau hätte den Störfall verhindern können.“ Gleichzeitig lobte das Ministerium die Zusammenarbeit zwischen israelischen Städten und Städten weltweit Diese wirke sich positiv auf Israels Image und seine Beziehungen mit der Welt aus.

Präsident lobte Juden zum Passahfest

Auf der offiziellen Website der Stadt Hadera findet der unangenehme Zwischenfall keine Erwähnung. Dort heißt es nur, Gendelman sei zu der 2.000-Jahr-Feier in Derbent eingeladen gewesen. Die Gesandtschaft habe „viel Ehre und warmherzige Umarmung von der jüdischen Gemeinde und von den Führern der Stadt“ erfahren. Der Bürgermeister habe bei dem Treffen mit seinem Amtskollegen betont, dass die kaukasische Gemeinschaft viel zur Entwicklung von Hadera beitrage. Derbent hat auf seiner russischen Website einen Bericht über die Begegnungen zwischen Vertretern der Partnerstädte und entsprechende Bilder veröffentlicht.

Präsident Abdulatipow wiederum hatte im vorigen Jahr die Juden in der Republik vor Pessach gegrüßt: „Ich gratuliere den Juden herzlich am hellen Passahfest“, zitiert die Onlinezeitung „Times of Israel“ aus der Grußbotschaft. „Viele Jahre lang war das Judentum eine der traditionellen Religionen von Dagestan und bleibt es auch. Die jüdische Gemeinschaft von Dagestan bringt einen bedeutsamen Beitrag zur Stärkung des interethnischen und interkonfessionellen Dialogs im Land und zur Konsolidierung der jahrhundertealten Freundschaft seiner Völker, wobei sie die Grundsätze von Moral und Menschlichkeit in unserer Gesellschaft fördert.“

Derbent liegt am Kaspischen Meer, nördlich der Grenze zu Aserbaidschan. Es gilt als älteste Stadt Russlands und ist Weltkulturerbe der UNESCO. 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung der Stadt sind nach Israel eingewandert und haben sich in Hadera niedergelassen. Einige dieser Immigranten waren jetzt Mitglieder der Delegation, etwa der stellvertretende Bürgermeister von Hadera, Roman Gischer. (eh)

Von: eh

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