Juden mit einer Torah-Rolle: An „Simchat Torah“ bringen Juden ihre besondere Freude über Gottes Lehre zum Ausdruck
Juden mit einer Torah-Rolle: An „Simchat Torah“ bringen Juden ihre besondere Freude über Gottes Lehre zum Ausdruck

Juden feiern Torah

JERUSALEM (inn) – Am jüdischen Fest der Freude über Gottes Lehre endet die jährliche Torah-Lesung – und nimmt mit dem 1. Buch Mose erneut ihren Anfang. Das Fest „Simchat Torah“ beginnt in Israel am Sonntagabend.

Am Abend des letzten Laubhüttenfesttages fängt mit Sonnenuntergang das Fest „Schmini Atzeret“, der „achte Tag der Versammlung“ (3. Mose 23,36), an. Nach jüdischer Zeitrechnung fällt dieser Tag auf den 22. Tag des Monats Tischrei, der in diesem Jahr am Abend des 4. Oktober beginnt. Obwohl dieser Tag direkt auf Sukkot folgt, ist er doch ein eigenständiger Feiertag. Für ihn gilt das Gebot, in Laubhütten zu sitzen, nicht mehr. Auch der Strauß der „vier Arten“ wird nicht getragen.

Simchat Torah, das Fest der Freude über die Torah, ist kein Fest, das in der Bibel geboten wurde. Die Zusammenlegung mit dem auf das Laubhüttenfest folgenden Schmini Atzeret wurde erst im 17. Jahrhundert endgültig festgelegt. Juden in der Diaspora feiern Simchat Torah erst am Tag nach Schmini Atzeret, also am kommenden Dienstag.

Die Synagogengottesdienste folgen einem „Bibelleseplan“, der einmal im Jahr durch die gesamte Torah, die fünf Bücher Mose, führt. Dazu wurde die Torah in 54 Wochenabschnitte, die so genannten „Paraschot HaSchawua“, eingeteilt. An Schmini Atzeret schließt sich dieser Kreis: Der letzte Abschnitt des 5. Buches Mose wird gelesen und gleich darauf der erste Abschnitt aus dem 1. Buch Mose.

Tanz mit den Torah-Rollen

Den letzten Abschnitt der Torah vorzulesen, gilt als besondere Ehre. Wem sie zuteil wird, der wird zum „Bräutigam der Torah“. Wer dann die ersten Worte der Heiligen Schrift – „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ...“ – lesen darf, wird zum „Bräutigam des Anfangs“. Dadurch kommt auch zum Ausdruck, dass die Beziehung eines Juden zur Torah nicht erblich ist. Immer wieder neu muss sich der gläubige Jude dem Wort Gottes „anverloben“.

Aus Freude darüber, dass Gott seinem Volk die Torah, sein Wort, anvertraut hat, holen die jüdischen Gläubigen am Vorabend dieses Festes alle Torah-Rollen aus dem Schrein ihrer Synagoge. Mit den kostbaren Torah-Rollen im Arm tanzen und singen die Männer dann in einer langen Prozession in der Synagoge. In religiösen Vierteln kann sich dieses Freudenfest über mehrere Stunden ausdehnen und die Feiern werden auf der Straße fortgesetzt. Deshalb ist dieser Tag auch als „Freudenfest der Torah“, „Simchat Torah“, bekannt. Zu Ehren der Torah soll es, so die Bestimmung der jüdischen Weisen, auch ein Festmahl geben.

In den Synagogen gedenkt man an diesem Tag der Verstorbenen und bittet um reichen Regen für den kommenden Winter. (jg)

Von: Johannes Gerloff

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