Die Hochkulturen vor 3.200 Jahren gingen allesamt unter, weil sie miteinander verknüpft waren, meint der Historiker und Archäologe Eric Cline.
Die Hochkulturen vor 3.200 Jahren gingen allesamt unter, weil sie miteinander verknüpft waren, meint der Historiker und Archäologe Eric Cline.

Untergang der Hochkulturen

Im Jahr 1177 vor Christus, mit dem Ende der Bronzezeit, sind die Hochkulturen dieser biblischen Zeit auf einen Schlag untergegangen. Wissenschaftler rätseln über die Ursache. War das eine weltumfassende Naturkatastrophe oder menschliches Versagen?

Die hethitische Hauptstadt Hattusa zerstört, zeitgleich mit Hatzor und Megiddo. Die Küstenstädte Israels, darunter Akko, Jaffa, Aschkelon und Gaza, gingen ebenso unter wie die minoische Kultur. Der blühende Handel zwischen Griechenland, Ägypten und Mesopotamien stoppte plötzlich. Pharao Ramses III. verherrlichte auf Reliefs seines Grabes noch den Sieg über die Medinat Habbu, die sogenannten Seevölker, doch danach versank das Land am Nil in eine Art „finsteres Mittelalter“. Auch die in der Iliade beschriebene Zerstörung von Troja könnte in dieser Zeit passiert sein. Wissenschaftler rätseln, weshalb alle großen Kulturen der damaligen Zeit wie Dominosteine umfielen und untergingen.

Eric Cline, Professor für Anthropologie und Direktor des „Capitol Archaeological Institute“ an der George Washington-Universität, glaubt, einen Schlüssel für das Rätsel auf dem Relief im Grab des Ramses III. gefunden zu haben. Das berichtet die Zeitung „Ha‘aretz“. Zu sehen sind die „Seevölker“, wobei jede abgebildete Figur eine andere Kopfbedeckung trägt. Zudem sieht man eine Seeschlacht. Doch die Schiffe sind voll mit Frauen, Kindern und Wagen. Was haben diese bei einer Seeschlacht auf Schiffen zu suchen? Der Pharao siegte bei der Schlacht, doch in schneller Folge kam der Untergang in der gesamten damaligen Welt rund um das Mittelmeer und bis nach Mesopotamien.

In seinem Bestseller-Buch „1177 vor Christus, Das Jahr, in dem die Zivilisation zusammenbrach“ stellt Cline fest, dass alle betroffenen Länder eng „vernetzt“ waren, wie man das heute nennen würde. Es gab Handel, diplomatische Kontakte und Ehen zwischen den verschiedenen Herrscherfamilien. Besonders wichtig waren die Rohstoffe für das damals wichtigste Metall, die Bronze. Kupfer kam aus Zypern und Zinn aus Afghanistan. Gold kam zudem aus Ägypten.

Die plötzlich auftauchenden Seevölker, die nicht einmal eine Schrift hatten und deren Herkunft unbekannt ist, bedeuteten zwar eine Gefahr für die etablierten Kulturen. Doch konnte man sie besiegen.

Eine Untersuchung von zeitgenössischen Pflanzensamen aus der Gegend des Sees Genezareth, analysiert von Dafna Langgut und Israel Finkelstein von der Tel Aviver Universität sowie Thomas Litt aus Bonn, bezeugte, dass die Jahre zwischen 1250 und 1100 vor Christus die extremste Trockenperiode der gesamten Bronze- und Eisenzeit waren. Das entsprach auch Berichten auf Tontafeln, die man in Afek in Israel, Hattusa in der Türkei, in Emar in Mesopotamien und Ugarit in Syrien gefunden hatte. Zudem gibt es archäologische Hinweise auf Erdbeben, interne Rebellionen, Klimawechsel und Hungersnot wegen der Dürre. Jede einzelne Katastrophe hätte von den Hochkulturen bewältigt werden können. Doch scheint es, als ob in den 50 Jahren zwischen 1225 und 1175 gleich mehrere schlimme Ereignisse in kurzer Zeit aufeinander folgten. Und weil die Kulturen derart miteinander verknüpft waren, waren alle betroffen und fielen um wie Dominosteine.

Bronze war damals so wichtig, wie heute das Erdöl, schreibt Cline mit dem Hinweis, dass der Untergang aller Hochkulturen vor 3.200 Jahren heute genauso passieren könnte. Es müssten nur mehrere Faktoren wie Klimawandel, Rohstoffknappheit und eine bewaffnete Rebellion zusammenfallen. Dann könnten sogar Supermächte untergehen, wie damals Ägypten, Griechenland und Mesopotamien.

Parallelen zur heutigen Welt

Laut Cline sollte die Schuld nicht allein auf die „Seevölker“ abgeschoben werden, jene unbekannten Invasoren aus „Übersee“. Denn auch sie dürften vor etwas geflohen sein, vielleicht Dürre und Hungersnot. Die Seevölker seien nicht die Ursache, sondern eher das Symptom für den Kollaps der Kulturen gewesen.

Cline sieht durchaus Parallelen zu unserer heutigen, ähnlich vernetzten Welt. Er erwähnt die zusammengebrochene Wirtschaft in Griechenland und die Rebellionen in Libyen, Ägypten und Syrien. Die Türkei und Israel seien in Panik. Jordanien sei mit Flüchtlingen überschwemmt, der Iran gebe sich kriegerisch, während im Irak Chaos herrsche. Weiter erwähnt er den „gescheiterten Staat Somalien“, dessen Söhne als Piraten den internationalen Schiffsverkehr am Horn von Afrika verunsichern.

Cline behauptet noch in seinem Weltuntergangsszenario, dass in der heutigen Zeit allein die ominösen „Seevölker“ fehlten, um den Vergleich mit dem Ende der Bronzezeit perfekt zu machen.

Doch auch die gibt es inzwischen. Der „Islamische Staat“, vor etwa zwei Jahren aus dem „Nichts“ entstanden, bemächtigt sich inzwischen mit Hilfe von Tausenden zugereisten Fremden der ganzen Region vom Irak über Syrien bis zur ägyptischen Sinai-Halbinsel. Das alte Staatensystem, von Briten und Franzosen während des Ersten Weltkriegs künstlich geschaffen, droht zu zerfallen, während manche Länder wie Syrien, Irak, Jemen und Libyen gar nicht mehr wirklich existieren. Im Libanon und im Gazastreifen zum Beispiel haben nicht mehr Polizei oder Militär das Gewaltmonopol, sondern die „bewaffneten Arme“ politischer Parteien. Diese Milizen, Hamas oder Hisbollah, spielen sich auf wie Regierungen, etwa indem sie auf eigene Faust Krieg führen, ohne die Verantwortung einer Regierung zu tragen. (uws)

Von: Ulrich W. Sahm

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