Studenten ziehen nachts durch die Stadt …
Studenten ziehen nachts durch die Stadt …
…um den Schnee zu feiern.
…um den Schnee zu feiern.
Ansonsten laufen nur vereinzelt Menschen…
Ansonsten laufen nur vereinzelt Menschen…
…durch die leeren Straßen.
…durch die leeren Straßen.
Das gefürchtete Verkehrschaos…
Das gefürchtete Verkehrschaos…
…soll durch verstärkten Polizeieinsatz geregelt werden.
…soll durch verstärkten Polizeieinsatz geregelt werden.

Befürchteter Schneesturm milder als erwartet

Eine Woche lang war er in Jerusalem Gesprächsthema Nummer eins: Der Schneesturm, der am Mittwoch losbrechen sollte. Die Stadtverwaltung hatte Vorkehrungen getroffen, Bewohner ihre Kühlschränke und Wasservorräte aufgefüllt.

Parallel dazu hatten in den vergangenen Tagen Ladenbesitzer immer wieder ein „Frohes Fest“ gewünscht und den verständnislosen Kunden erklärt: „Na, es wird doch ein Schneefest geben.“

Hagel und Schneeregen

Am Mittwochmittag war es dann soweit: Inmitten heftiger Sturmböen prasselte Hagel auf die Jerusalemer Innenstadt, die wenigen geöffneten Geschäfte schlossen nach und nach. Studenten, die als Kellner in einem Restaurant auf dem jüdischen Markt „Mahane Jehuda“ arbeiten, tanzten zwischen den leeren Tischen und freuten sich auf einen freien Tag. Einzelne Passanten kämpften sich durch die einsamen Straßen, ein Mann brüllte in der Fußgängerzone: „Schnee. Es gibt Schnee!“.

Schnee gab es dann tatsächlich im Laufe des Nachmittags. Er wechselte sich mit Hagelschauern und Regen bis in die späte Nacht ab. Am Mittwochabend kam es landesweit in etwa 17.000 Haushalten zu Stromausfällen. Doch in Jerusalem war der Schaden viel geringer als erwartet, es fielen nur fünf Zentimeter Schnee. Im nördlichen Golangebirge lag der Schnee meterhoch. Die Regenfälle der vergangenen Tage ließen den Wasserspiegel des Sees Genezareth um sieben Zentimeter ansteigen.

Am Mittwoch waren die Zugangsstraßen nach Jerusalem vorsorglich gesperrt, sämtliche Veranstaltungen sowie private Verabredungen wurden abgesagt. Universitäten und Schulen blieben geschlossen, ebenso die meisten Geschäfte. Wer konnte, verlegte seine Büroarbeit nach Hause. Nur zu gut sind wohl die Ereignisse vom Dezember 2013 im Gedächtnis, als heftige Schneefälle dafür sorgten, Jerusalem für anderthalb Tage von der Außenwelt abzuschneiden.

Geteilte Reaktionen

Während einzelne Jerusalemer am Mittwochmorgen zu Verwandten an die Küste fuhren, um dem gefürchteten Chaos zu entkommen, gab es andere, die den Schnee gern erlebt hätten, wie beispielsweise Ido: „Schon letztes Jahr war ich nicht in Jerusalem und heute Abend heiratet mein Cousin in Tel Aviv. Ich werde also wieder keinen Schnee erleben.“ Der junge Lehrer war enttäuscht: „Um den Schnee zu sehen, würde ich am liebsten auf die Hochzeit verzichten, aber das würde meine Verwandtschaft mir übelnehmen.“

Maajan, eine 25-jährige Studentin aus der Küstenstadt Jaffa, erlebte zum ersten Mal Schnee in ihrem Heimatland und war begeistert: „Die Gelegenheit müssen wir nutzen. Überall gibt es Parties in der Stadt, für die ganze Nacht sind Veranstaltungen geplant.“

Haggai war von einem Jerusalemer Außenort in die Stadt gekommen, um sich bei Freunden einzuquartieren. Der Mittdreißiger sagte bestgelaunt: „Hier wird überall gefeiert, das will ich mir nicht entgehen lassen.“ Er hatte Gemüse eingekauft und wollte mit Freunden kochen.

Hadas, eine Jerusalemer Sozialarbeiterin, hatte für die Partys wenig Verständnis: „Schnee bringt solchen Zauber mit sich und ich bin es nicht gewohnt, abends bei solchem Wetter rauszugehen. Stattdessen bleibe ich zu Hause, koche einen Kakao und schaue Filme. Bei Schnee geht man nur morgens auf die Straße.“

Am Donnerstagmorgen war von dem Zauber freilich nur noch wenig zu spüren: Der Schnee hatte sich in Matsch verwandelt, Regen peitschte den Fußgängern ins Gesicht. Universitäten blieben geschlossen, doch Jerusalemer Schüler mussten wieder zum Unterricht.

Auch Haggai packte seine Sachen: „Ich fahre zurück nach Hause. Das war es jetzt mit dem Schneespaß. Nun beginnt der Alltag wieder. Es lag zwar nicht viel Schnee, aber wenigstens haben wir genug Essensvorräte für die nächsten zwei Wochen.“

Von: mh

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