Mahmoud Abbas hat das neu geschaffene Amt des palästinensischen Premierministers angenommen. Damit ist er der erste, mit dem PLO-Chef Yasser Arafat seine bisher uneingeschränkte Macht teilen wird - wenn auch weniger, als sich so mancher erhofft hatte.

 

Israel, die USA und die Europäische Union (EU) begrüßten die Ernennung des bisher zweitwichtigsten Mannes der Autonomiebehörde zum ersten palästinensischen Premier. "Abu Mazen ist ein respektierter Anwalt des Friedens. Wir hoffen, daß er und die israelische Regierung bald Schritte gehen, um die Friedensverhandlungen aufzunehmen", sagte der britische Außenminister Jack Straw und nannte den Palästinenser bei seinem Kampfnamen. Nach alter arabischer Tradition trägt Abbas den Namen seines erstgeborenen Sohnes Mazen und ist daher als "Abu Mazen" (Vater des Mazen) bekannt.

 

Die "Schritte in Richtung Friedensverhandlungen" dürften allerdings nicht leicht werden. Über die Sicherheitspolitik wacht noch immer ausschließlich Friedensnobelpreisträger Arafat. Sehr zum Bedauern Israels und der USA war der Palästinenserführer in diesem Bereich nicht zum Teilen seiner Macht bereit. Die radikal-islamischen Gruppen wie Hamas und Jihad al-Islami haben zudem bereits angekündigt, nicht mit Abbas zusammenzuarbeiten, da er der Wunschkandidat von Israel und den USA sei.

 

Eine erste Herausforderung für Abbas wird die Ernennung der Kabinettsminister sein, hierfür hat er längstens fünf Wochen Zeit. Von ihm wird erwartet, daß er Reformen in der Autonomiebehörde vorantreibt sowie gegen Korruption und Terrorgruppen vorgeht. Dazu würde auch gehören, daß er einige Minister der "alteingesessenen Garde" entläßt und mit neuen, reform-orientierten, Mitgliedern "frischen Wind" ins Kabinett bringt.

 

Abbas hatte mehrmals in der Öffentlichkeit den bewaffneten Palästinenseraufstand - die sogenannte "Intifada" - als Fehler bezeichnet. Für die Israelis wäre er ein Verhandlungspartner - im Gegensatz zu Arafat. Unbestätigten Berichten zufolge habe es mehrmals geheime Treffen zwischen ihm und Israels Premierminister Ariel Sharon gegeben. Er war maßgeblich am Abschluß der Osloverträge beteiligt. Auch bei den Verhandlungen in Camp David im Juli 2000 war er dabei. Hier gehörte er allerdings zu denen, die Arafat damals einschränkten. Denn Abbas besteht auf ein Rückkehrrecht aller palästinensischen Flüchtlinge und beansprucht Ostjerusalem als Hauptstadt eines Palästinenserstaates. Dennoch gilt er in den Augen vieler als "gemäßigt".

 

Nach den Osloverträgen war der Palästinenser in die Schlagzeilen geraten: Es war bekannt geworden, daß er 1983 ein Buch mit dem Titel "Die geheimen Verbindungen der Nazis mit den Führern der zionistischen Bewegung" veröffentlicht hatte. Dort leugnet er die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis und bezeichnet die Zahl als "übertrieben und erfunden". Er bestritt zudem die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Als er vom "Simon Wiesenthal Zentrum" aufgefordert wurde, eine klare Stellungnahme zum Holocaust abzugeben, machte er für seine Publikationen die damaligen Umstände verantwortlich: "Damals befanden wir uns im Krieg mit Israel. Heute würde ich so etwas nicht mehr sagen", so der 67jährige in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung "Ma´ariv".

 

Mahmoud Abbas wurde 1935 in der nordisraelischen Stadt Safed geboren. Nach Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges 1948 flüchtete er mit seiner Familie nach Syrien. Dort studierte er in der Hauptstadt Damaskus Rechtswissenschaften. Später promovierte er in Moskau zum Thema "Zionismus". 1959 gründete er zusammen mit Arafat und drei anderen Männern Al-Fatah, die heute größte Fraktion innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die Fatah verübte in den darauffolgenden Jahren zahlreiche Terroranschläge auf israelische Ziele unter der Führung Arafats, um die "Befreiung Palästinas" zu erreichen.

 

Arafat, der auch unter dem Kampfnamen "Abu Ammar" bekannt war, zählte damals zu den gefährlichsten Terroristen der Welt. Seit dieser Zeit gingen Abu Ammar und Abu Mazen gemeinsame Wege. Abbas begleitete Arafat selbst ins Exil nach Jordanien, in den Libanon und nach Tunesien. 1996 wurde er zum Generalsekretär der PLO gewählt und war damit offizieller Stellvertreter Arafats.

 

Heute lebt der Palästinenser in einer luxuriösen Villa in Ramallah, deren Bau Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut werden lassen hat.

Von: Dana Krauße

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