JERUSALEM (inn) – Für die israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober haben die Parteien insgesamt 38 Listen beim Zentralen Wahlkomitee eingereicht. Die Bewerbungsfrist endete am Dienstagabend. Zwei der gerade erst gegründeten Parteien strichen angesichts der Umfragewerte die Segel.
Wie die Nachrichtenseite „Times of Israel“ beobachtet, sind Frauen bei einem großen Teil der Parteien unterrepräsentiert. Der Likud von Regierungschef Benjamin Netanjahu etwa führt 30 Namen an, unter diesen Kandidaten sind vier Frauen. Die Vorsitzenden sind durchweg Männer. Die ultra-orthodoxen Parteien Schass und Vereinigtes Tora-Judentum, die aktuell der Regierung angehören, stellen traditionell keine Frauen auf.
In der Opposition hingegen teilen Jaschar von Gadi Eisenkot, BeJachad von dem früheren Premier Naftali Bennett und die Demokraten unter der Führung von Jair Golan ihre ersten zehn Listenplätze gleichmäßig zwischen Männern und Frauen auf. Die Pro-Netanjahu-Partei „Volk Israel“ wiederum hat drei Kandidatinnen auf den ersten fünf Positionen.
Ihre Bewerbung zurückgezogen hat die Einheitspartei der ehemaligen Likud-Minister Gilad Erdan und Juli Edelstein. Sie war Anfang August vorgestellt worden. Der Slogan lautete: „Rechtsgerichtet. Einberufung. Einheit.“ Auch die im Juni gegründete jüdisch-arabische Partei „Ein Ort für uns alle“ tritt nicht bei den Wahlen an. Sie stieg kurz vor Fristablauf angesichts schlechter Umfragewerte aus dem Rennen aus.
Die 38 Parteien in der Reihenfolge der Registrierung
BeJachad (Gemeinsam): Vorsitzender ist Naftali Bennett, er kandidiert mit „Jesch Atid” von Jair Lapid. Bennett bezeichnete den Zusammenschluss als „zionistischen und patriotischen“ Akt.
Jaschar (Geradeaus): Der ehemalige Armeechef und Abgeordnete des Bündnisses „Staatslager“, Gadi Eisenkot, gründete die Partei im September 2025. In aktuellen Umfragen führt sie vor dem Likud.
Scharshar – für Liebe und Nationale Einheit: Parteichef Eitan Schvili tritt unter dem Namen „Scharschar“ auf und betrachtet sich als „König“. Bei der Registrierung erschien er mit Krone und royalem Gewand.
Teilhabe für jeden: Den Vorsitz hat der Bürgermeister der Beduinenstadt Rahat im Negev, Talal Alkernawi.
Die Piraten: Die Partei wurde 2012 gegründet und setzt sich für mehr direkte Teilhabe an politischen Entscheidungen mittels Technologie ein. Bei der ersten Wahlteilnahme 2013 erhielt sie mit etwa 2.000 Stimmen ihr bislang bestes Ergebnis.
Amcha Israel (Dein Volk Israel): eine rechtsgerichtete Partei, die Ofer Winter Ende August vorstellte.
Israel tchila (Israel zuerst): Den Vorsitz hat die Gründerin und frühere Außenministerin Sharren Haskel. Sie trat im Juni von ihrem Amt zurück und verließ die Partei „Neue Hoffnung“. Bis 2020 war sie Mitglied beim Likud.
Gan Eden (Garten Eden): Der Parteichef nennt sich Jeschua Ben-David, also „Jesus, Sohn Davids“. Er will nach eigener Aussage Israel politisch erneuern und retten. Zudem träume er von einem Priesterdienst im Dritten Tempel und betrachte die Knesset als eine Art Sanhedrin (Hohen Rat).
Stimme der Frauen: Die Partei will darauf aufmerksam machen, dass Frauen im Parlament unterrepräsentiert sind.
Gemeinsam werden wir Erfolg haben: Die jüdisch-arabische Partei hat der Geschäftsmann und ehemalige Abgeordnete der Arbeitspartei Avi Schaked gegründet.
Israel Beiteinu: Vorsitzender der Oppositionspartei ist der frühere Außenminister Avigdor Lieberman.
Chok Zedek (Gerechtes Gesetz): Der Kleinstpartei werden geringe Chancen eingeräumt, die 3,25-Prozent-Hürde zu überschreiten.
Schma (Höre): Die Partei setzt sich für eine gerechtere Gesellschaft ein.
Ozma Jehudit (Jüdische Stärke): Den Vorsitz der Regierungspartei hat Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.
Seder Chadasch (Neue Ordnung): Die kleine Partei dürfte an der Prozentklausel scheitern.
Die Reservisten: Joav Hendel gründete die Partei im vergangenen Jahr. Der Fokus liegt nach eigenen Angaben auf Reservisten, verwundeten Soldaten und Opferfamilien.
Die Demokraten: Die Partei unter dem Vorsitz von Jair Golan entstand durch einen Zusammenschluss von Arbeitspartei und Merez. Bei der Gründung im Juni 2024 war in einer gemeinsamen Erklärung die Rede von einem „historischen Prozess, der endlich eine große und vereinigte Partei erzeugt hat“.
Ra’am: Die islamistisch geprägte Partei wird von Mansur Abbas geführt. Mit Joav Segalovitz hat sie erstmals einen Juden als Kandidaten.
Schass: Die ultra-orthodoxe sephardische Partei, angeführt von Arje Deri, gehört der aktuellen Regierung an. Der Major der Reserve Dror Amos findet sich auf dem sechsten Platz. In der scheidenden Regierung wandte sich die Partei gegen den Militärdienst für ultra-orthodoxe Juden.
Die haredische Öffentlichkeit: Die neue ultra-orthodoxe Partei wurde im Juli gegründet. Vorsitzender ist der stellvertretende Bürgermeister von Beit Schemesch, Moti Leitner.
Du und ich, die israelische Volkspartei: eine kleine Partei ohne reelle Chancen auf den Einzug in die Knesset.
Ewiger Bund: Die Partei unter Omer Lifschiz wurde 2005 gegründet.
Das Wahl- und Regierungssystem reparieren: eine der kleinen Parteien.
Der Bibelblock: Die jüdisch-christliche Partei besteht seit 2019.
Soziale Sicherheit: eine der kleinen Parteien.
Dämmerlicht, eine Partei für jeden: eine kleine Partei ohne Aussicht auf Einzug in die Knesset.
Persönliche Sicherheit: eine weitere kleine Partei.
Die Farbe Schwarz, die Welt der Tora bewahren: eine religiöse Partei.
Likud: Mit Regierungschef Benjamin Netanjahu tritt die Partei erneut in den Ring.
Blau-Weiß: Die Partei von Benny Gantz musste in den vergangenen Monaten Federn lassen. Die Fraktion schrumpfte von acht auf drei Mandate, weil mehrere Abgeordnete zu Jaschar oder BeJachad wechselten. Nun nimmt die ehemalige Integrationsministerin Pnina Tamano-Schata den zweiten Listenplatz ein. Auf sie folgt die frühere Bürgermeisterin von Beit Schemesch, Alisa Bloch. Sie war zuerst der Einheitspartei der ehemaligen Likud-Minister Erdan und Edelstein beigetreten. Weil diese ihre Kandidatur zurückzog, wechselte die Politikerin noch am Montag zu Blau-Weiß.
Religiöser Zionismus-Sehut: Vorsitzender ist Finanzminister Bezalel Smotritsch. Er tritt gemeinsam mit der Partei Sehut (Identität) von Mosche Feiglin an. Siedlungsministerin Orit Strock findet sich ebenso auf der Liste wie der Vorsitzende des Ausschusses für Verfassung, Recht und Justiz, Simcha Rothman. Zvi Sukkot wird auf dem sechsten Platz vom Religiösen Zionismus geführt, dürfte aber durch die Zusammenführung mit Sehut noch nach unten sinken.
Die Ahi-Bewegung: Das hebräische Akronym „Ahi“ steht für „Land, Gesellschaft, Judentum“.
Die Haus-Israel-Kreuzung: Sie gehört zu den kleinen Parteien.
Erlösung: ebenfalls eine kleine Partei.
Vereinigte Liste: Die drei arabischen Parteien Hadasch, Ta’al und Balad kandidieren gemeinsam. Vor der Bewerbung gab es Streit um die Verteilung der Listenplätze. Bei den Wahlen 2022 trat Balad ohne die beiden anderen Parteien an und verpasste die Prozenthürde. Jussef Dschabarin von Hadasch führt das Bündnis an.
HaKahal (Die Gemeinde): eine pan-haredische Partei.
Vereinigtes Tora-Judentum: ultra-orthodoxe Partei mit derzeitiger Regierungsbeteiligung unter Ja’akov Ascher.
Noam (Wohlgefallen): rechtsgerichtete Kleinstpartei.