NAZARETH (inn) – Bei den diesjährigen Knessetwahlen tritt eine neue arabisch-jüdische Partei an. Sie wurde am Dienstag in Nazareth gegründet. Der Name heißt übersetzt: „Ein Ort für uns alle“.
„Dieser Ort ist unser aller Zuhause“, ist auf der zweisprachigen Website der Partei mit Bezug auf Israel zu lesen. „Juden und Araber, die dieses Land lieben, weigern sich, darauf zu verzichten. Sie glauben, dass es darin einen Ort für uns alle gibt.“ Der hebräische Name lautet „Makom LeKulanu“, der arabische „LaKulina Makan“. Auch die englische Bezeichnung „A Place for Us All“ wird verwendet.
Gegen Netanjahus Regierung
Hauptziel der Partei ist es nach eigener Aussage, die aktuelle Regierung zu stürzen. Bei der Gründungsversammlung erwähnten die beiden Vorsitzenden explizit Premier Benjamin Netanjahu (Likud), Polizeiminister Itamar Ben-Gvir (Jüdische Stärke) und Finanzminister Bezalel Smotritsch (Religiöser Zionismus).
Die arabische Vorsitzende Rola Daud sagte: „Nicht nur werden wir Teil des Kampfes sein, um Netanjahu, Ben-Gvir und Smotritsch zu ersetzen. Wir werden auch den Kampf für israelisch-palästinensischen Frieden, nationale und zivile Gleichheit sowie soziale Gerechtigkeit anführen.“ Der jüdische Ko-Vorsitzende Alon-Lee Green erklärte, „Makom LeKulanu“ werde die „Bemühung stärken, Ben-Gvir, Smotritsch und Netanjahu von der Macht zu entfernen“.
Im Gespräch mit der Nachrichtenseite „Times of Israel“ äußerte er, die Partei wolle ein Modell einer jüdisch-arabischen Partnerschaft anbieten, das weitgehend in der israelischen Politik fehle: „Es ist Zeit für eine wirklich gleiche jüdisch-arabische Partnerschaft. Ich denke nicht, dass das bedeutet: ein arabischer Vertreter in einer jüdischen Partei oder ein jüdischer Vertreter in einer arabischen Partei. Jüdisch-arabische Partnerschaft kann in derselben politischen Partei beginnen.“
Derzeit reserviert etwa die arabisch geprägte Hadasch-Partei einen Sitz auf ihrer Liste für einen jüdischen Kandidaten; bei den anstehenden Wahlen tritt sie gemeinsam mit Ta’al und Balad an. Jüdisch dominierte Parteien wie etwa „Die Demokraten“ stellen einen Listenplatz für einen arabischen Kandidaten zur Verfügung. Beim Likud wiederum ist ein drusischer Bewerber gesetzt.
„Zukunft zurückgewinnen“
Die Frage, warum sie für die Knesset kandidiere, beantwortet die Partei auf der Website so: „Weil wir unsere Zukunft verlieren und sie wieder zurückgewinnen wollen!“ Der Ort für das gemeinsame Leben, also Israel, sei in Gefahr „von ewiger Besatzung und Krieg, von wütendem Verbrechen und Gewalt, die direkt von der Regierung kommt, und von Preisgabe und Gleichgültigkeit gegenüber unseren Nöten“.
Weiter heißt es: „Aber wir wissen, dass die Zukunft dieses Ortes eine gemeinsame ist, dass Friede Sicherheit bringt, dass volle Gleichheit unsere Gesellschaft nach vorne bringen wird und dass soziale Gerechtigkeit ein Grundrecht von uns allen ist.“ Gelder müssten in Städte, Bildung und Gesundheit investiert werden, statt in Siedlungen und „überflüssige Kriege“.
Die Gründer stammen aus der jüdisch-arabischen Bewegung „Standing Together“ (Zusammenstehen), die 2015 entstand und nach eigenen Angaben mehr als 7.000 zahlende Mitglieder hat. Manche israelische Juden werfen ihr „Verrat“ vor; Palästinenser hingegen kritisieren, dass sie „Zionismus normalisieren“ wolle.
Engagement für Bewohner in Gaza und gegen Krieg
Rola Daud wird auf der Partei-Website als eine der „herausragendsten politischen und feministischen Aktivistinnen der vergangenen Jahre in der arabischen Gesellschaft“ bezeichnet. Sie ist seit 2017 politisch aktiv, ihr Engagement begann mit dem Kampf gegen das Nationalstaatsgesetz. Seit 2019 bildet sie mit Green die Doppelspitze von „Standing Together“.
Unter anderem leitete sie eine Kampagne, um Lebensmittel für Bewohner im Gazastreifen zu sammeln. Weitere Themen sind der Einsatz gegen Gewalt gegen Frauen sowie allgemein gegen Gewalt und Verbrechen in der arabischen Gesellschaft.
Alon-Lee Green gehört zu den Gründern von „Standing Together“. Bereits als Schüler wurde er aktiv, damit erstmals Betriebsräte für Angestellte in der Gastronomie gegründet werden konnten. Im Sommer 2011 führte er die Sozialproteste an. Er war parlamentarischer Berater des jüdischen Hadasch-Abgeordneten Dov Chenin. Die Partei sieht ihn als „einen der herausragenden jüdischen Aktivisten gegen Besatzung und Krieg“.
Auch bei „Makom LeKulanu“ bilden Daud und Green eine Doppelspitze. Ihre Ämter bei „Standing Together“ wollen sie ruhen lassen. Ein Sprecher betonte, die Partei sei völlig unabhängig von der Organisation.
„Der letzte Augenblick, um unsere Gesellschaft zu retten“.
Daud sei „die erste palästinensische Frau, die in Israel eine nationale Partei führt“, heißt es laut der „Times of Israel“. Bei der Gründung in Nazareth propagierte sie in einer Mischung aus Arabisch und Hebräisch, es sei „der letzte Augenblick, um unsere Gesellschaft zu retten“. Sie fügte an: „Wir werden im Stich gelassen, ermordet, unsere Zukunft wird verbrannt.“
Das Verfahren für die Erstellung der Kandidatenliste ist unterdessen nicht bekannt. Green sagte der Nachrichtenseite, die Entscheidungen würden „demokratisch“ getroffen.
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Weitere arabische Kandidaten sind die Stadträtin Sally Abed aus Haifa und die Aktivistin Ghadir Hani. Zu den Juden in der Partei gehören der Aktivist Itamar Avneri und Yonatan Zeigen. Seine Mutter Vivian Silver, eine kanadisch-israelische Friedensaktivistin, wurde beim Terrormassaker am 7. Oktober 2023 von der Hamas ermordet.
Parteiangaben zufolge käme „Makom LeKulanu“ nach einer eigens in Auftrag gegebenen Umfrage auf drei Sitze im Parlament. Für den Einzug in die Knesset sind aber vier Mandate nötig. Green gab sich dennoch zuversichtlich: Sie hofften, durch eine Wahlkampagne vor allem Frauen und junge Erwachsene in der arabischen Gesellschaft zu erreichen. Diese Gruppen hätten „ein besonders hohes Niveau der Begeisterung“ gezeigt.
Der Wahltermin steht noch nicht fest. Der spätestmögliche Zeitpunkt ist der 27. Oktober. (eh)
17 Kommentare
Arabisch-jüdische Partei, muss auch mal geben. Ihr wichtigstes Ziel: der Sturz der Regierung Netanjahu.
Gibt es nichts Wichtigeres?
Shalom,-Albert Nola@-Ja es gibt noch wichtigere Dinge.Jedoch dieses Ziel(Sturz der Regierung) gehört auch zu den wichtigen Dingen.Und es wird auch so kommen!!! Jerusalem
Mir gefällt die Idee einer Partei, die sich als echte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Juden und Arabern versteht und ihre politischen Botschaften in beiden Sprachen vermittelt.
Auch ihre Ziele begrüße ich, wie zum Beispiel:
– Gleichberechtigung
– den Friedensprozess
– die Bekämpfung der grassierenden Kriminalität, die Senkung der Lebenshaltungskosten und Investitionen in Bildung und Wohnungsbau statt in Siedlungen.
Auch wenn meine Stimme nach wie vor bei Yesh Atid liegt, wünsche ich dieser neuen Partei viel Erfolg und hoffe, dass sie bald den Einzug in die Knesset schafft.
Zitat: „es sei ‚der letzte Augenblick, um unsere Gesellschaft zu retten´.“.
Achtung: Der Umkehrschluss davon heißt: Wählt uns. Wir retten Euch.
Politische Heilands-Phantasien! Davon hatten wir genug – egal ob braun, rot oder grün. Gott behüte Israel vor falschen Heilanden!
Diese neue Partei, deren erstes Ziel ist, Bibi zu stürzen, werden die geforderten Stimmen und Mandate eher nicht erhalten. Damit helfen diese indirekt Netanyahu und seiner Koalition, eine Regierung zu bilden. Es wird spannend. Warten wir’s ab.
Die Idee, eine Arabisch-Jüdische Partei in Israel zu realisieren, ist auf jeden Fall gut.
Wie dann praktische Politik funktionieren wird und in welchen Koalitionen diese Partei dann teilhaben kann, wird die Zukunft zeigen.
Ich bete für eine konstruktive und charismatische Erneuerung des Landes Israel mit vielen guten Ideen und einem gesundem Sinn für Realismus!!! *SHALOM
Ps 104,30
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.
Für Netanyahu sollte, erst recht nach diesem sehr guten Deal, das Ende absehbar und das Gefängnis in Aussicht sein.
Ich wünsche der arabisch-jüdischen Partei viel Erfolg!
Die normale Mitte könnte für Israel vielversprechender sein als eine radikal rechte(sowieso) oder radikal linke Regierung.
Da blubbern ja ganz neue Töne !
„Ein Ort für uns alle“ – Menschen werden mit diesem Wunsch scheitern – das ist menschliche Weisheit, die sich jedoch als Torheit erweisen muss. Wenn König Jesus die Nationen aus Jerusalem regieren wird, dann wird es ein Ort für alle sein – Für alle, die gerecht gewaschen sind, durch das Blut Jesu. Da werden dann auch Palästinenser dabei sein – und die Liebe Gottes ist das gemeinsame Erkennungszeichen – das ist dann herrlich. Der Mensch muss jedoch vorher noch scheitern.
Lieber Gruß Martin
@Untertan
König Jesus, ein Monarchist (Gebt Caesar, was des Caesars ist) wie unser Bischof und meine Ehefrau.
Lieber Albert, Ihre Kommentare haben oft so eine lästerliche Note, finde ich „etwas traurig“, irgendwie, ziehen Sie meine Kommentare magisch an – oder?
Lieber Gruß Martin
Lieber Untertan,
unser Bischof, bester Bibelkenner von allen, findet Ihre Kommentare sehr gut, meine Ehefrau nicht, ich stehe dazwischen und denke, vielleicht hat unser Bischof Recht.
@Albert Nola
Bitte Jesus nicht ins lächerliche ziehen. Das ist zu ernst.
@Manu
Jesus ist nicht so nachtragend wie Untertan.
Mit Netanjahu hat Israel seine Zukunft zurückgewonnen. Jetzt braucht es Leute und Vereinigungen, die darauf aufbauen. Sonst reißt man das Geschaffene wieder nieder und am Ende wird es viel schwieriger, das jetzt Erreichte wieder zurück zu gewinnen. Diese Dummheiten mögen dem Volk Israel erspart bleiben! Auch müssen die Völker rings umher verstehen, dass eine Zukunft im Frieden nur ohne Terror und ohne die Absichtserklärung der Aberkennung und Vernichtung des Staats Israels erfolgen kann. Mit all solchen Strömungen kann nie Frieden geschlossen werden, auch nicht von Frankreich oder Spanien aus.
Zu Beginn des Artikels war ich recht angetan von den Ideen und Zielen. Aber später stellte sich bei mir Skepsis ein, denn
„ewiger Besatzung und Krieg, von wütendem Verbrechen und Gewalt, die direkt von der Regierung kommt“ und
„Gelder müssten in Städte, Bildung und Gesundheit investiert werden, statt in Siedlungen und „überflüssige Kriege“.“
Deswegen die Regierung zu stürzen finde ich hanebüchen. Sie sollten die Forderungen an die richten, die Israel und die Juden vernichten wollen.
Hinweis: ich bin kein Freund der aktuellen Regierung. Aber alleine sie für den Sch…rott verantwortlich zu machen geht am Ziel vorbei. Schade.