JERUSALEM (inn) – Universitäten dürfen künftig auch in ihren Master- und Doktorstudiengängen geschlechtergetrennte Lehrveranstaltungen anbieten. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete die Knesset am frühen Donnerstagmorgen mit 52 zu 43 Stimmen. Bislang war eine solche Trennung mit Auflagen nur für Bachelor-Studiengänge erlaubt.
Laut der Maßgabe soll die Geschlechtertrennung nur für den Raum oder Saal der Lehrveranstaltung wirksam sein. Sie gilt zudem nur für Studenten, die sich für den Kurs anmelden. Die Geschlechtertrennung soll dann nicht als Diskriminierung angesehen werden.
Rücksicht auf religiöse Vorgaben
Den Gesetzesvorschlag hatte die Abgeordnete Limor Son Har-Melech (Jüdische Stärke) eingebracht. In der Erklärung zum Gesetz heißt es, die Maßnahme solle Menschen ein Studium ermöglichen, die aus religiösen Gründen nicht an gemischten Veranstaltungen teilnehmen können.
Der Rat für Höhere Bildung muss einem jeweiligen Kurs die Genehmigung erteilen. Im Jahr 2020 hat der Oberste Gerichtshof geurteilt, dass dem Rat die Politik der Geschlechtertrennung erlaubt ist. Die Richter verwiesen darauf, dass diese Politik zum Ziel hat, Ultra-Orthodoxen den Zugang zu Bildungsangeboten zu ermöglichen.
Gerichtshof friert Gesetz ein
Das Gesetz ist das jüngste Beispiel für einen auf die Interessen der Ultra-Orthodoxen abgestimmten politischen Kurs. Erst am Montag hatte die Knesset das Tora-Studium als Grundwert des Staates Israel in einem Grundgesetz festgeschrieben. Am Dienstag stimmten die Parlamentarier dafür, die Strafverfolgung von Wehrdienstverweigerern auszusetzen. Zudem stellten sie das Monopol für die Vergabe von Koscher-Zertifikaten wieder her.
Für das Gesetz bezüglich der Wehrpflicht untersagte der Oberste Gerichtshof aber am Mittwoch vorerst die Umsetzung. Infolge einer Reihe von Petitionen ordnete er eine Anhörung an. Er verlangte zudem eine Erklärung der Regierung, warum die Richter das Gesetz nicht kassieren sollten.
Der Gerichtshof verwies dabei auf frühere Urteile. So urteilten die Richter im Juni 2024, dass Ausnahmeregelungen für Ultra-Orthodoxe unzulässig seien.
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Haskel gründet neue Partei
Die stellvertretende Außenministerin Scharen Haskel nahm das Gesetz zum Anlass, um ihren Rücktritt vom Regierungsamt und ihren Austritt aus der Partei „Neue Hoffnung“ anzukündigen. Zugleich gab sie die Gründung der Partei „Israel zuerst“ (Israel tchila) bekannt. Diese soll eine Heimat sein für alle, die sich als national-liberale Zionisten verstehen und die Sicherheit Israels schätzen, also auch den Wehrdienst für alle.
Die Partei „Neue Hoffnung“ hatte bereits im August einen Zusammenschluss mit dem Likud vereinbart, der vor den anstehenden Knessetwahlen vollzogen werden soll. Haskel war im Jahr 2020 aus dem Likud ausgetreten.
Austritte aus dem Likud
Indes mehren sich die Indizien für Unzufriedenheit einiger Likud-Abgeordneter mit ihrer Partei. Am Mittwoch erklärte der Abgeordnete Dan Illus seinen Austritt. Der 40-Jährige beklagte, der Likud sei eine gekaperte Partei. Besonders die Zugeständnisse an Ultra-Orthodoxe bei der Wehrpflicht seien eine „Schande“ und ein Verrat an den eigenen Wählern.
Bereits Anfang Juli hatte der Abgeordnete und frühere Knessetsprecher Juli Edelstein seinen Austritt aus dem Likud angekündigt. Im August 2025 setzten ihn Parteigenossen nach zweieinhalb Jahren als Vorsitzenden des Außen- und Sicherheitsausschusses ab, weil er sich gegen ein Gesetz zu Ausnahmeregelungen für Ultra-Orthodoxe bei der Wehrpflicht stellte. (df)
16 Kommentare
Eieier, womit will man den ultra-orthodoxen noch den Teppich rollen? Ich wüsste jetzt nicht, wie man in einem Hörsaal seine Keuschheit verlieren kann oder sich unsittlich berührt. Die Likud triften ab in die Steinzeit. Sorry, ich will niemandem zu nahe treten, aber die ortho (Richtig), doxa (Glaube) machen ihrem Namen alle Ehre.
@Ella
Der Gesetzesvorschlag von Frau Son Har-Melech ist sicherlich sehr gewagt und realitätsfern, aber als meine Ehefrau und ich selbst vor vielen Jahrzehnten an der Universität an gemischten Veranstaltungen teilnahmen, waren unsere Eltern genauso wie Frau Son Har-Melech sehr besorgt über eine möglich Ablenkung. Ich schaute mir die Kommilitoninnen sehr genau an, meine Ehefrau schaute nur nach mir…
@ Alberto
Schauen ist ja auch erlaubt. Ob´s dem Studieren zuträglich ist oder der Partnerin gefällt, steht auf einem anderen Blatt.
Und nicht vergessen, abends das Licht im Schlafzimmer auszumachen.🙈
@ Ella
😂
@Ella, eine Aufregung hier, wegen einer möglichen Geschlechtertrennung! Über die Zustände in den „wahren“ Demokratien, regen wir uns doch viel weniger auf. Freie Liebe, sexuelle Freizügigkeit, (müssen ja ausprobieren), Pro Familia Aufklärung im Kindergarten, Rückzugsräume f. Kinder im Kindergarten für „Dr.-Spiele“, Heiraten immer weniger, dafür „Ehe für alle“, LGBTQ auf breitem Vormarsch – was für eine Entwicklung – sehr stark gottlos.
Darüber sollten wir „einen Hals bekommen“
Lieber Gruß Martin
Was Untertan sagt, sagt auch unser streng katholischer Bischof, der sich gern mit Frau Son Har-Melech treffen würde um mit ihr, mit einer starken Frau und Mutter über Gott und die Welt zu reden.
Echt jetzt, geht’s noch ? Was wird diesen religiösen Fanatikern noch alles in den Allerwertesten geblasen ? Frauen sind pfui, Soldaten sind pfui, der Staat Israel ist pfui, aber seine Alimente und Subventionen immer gerne ! Ich möchte einen dieser Meschuggenen vor der Mutter eines gefallenen Soldaten sehen und ihr ins Gesicht sagen, dass ihr Sohn nicht rein genug war. Ich habe so einen Hals !!!
Keinen Bock mich noch weiter mit diesen Meshuggim zu befassen. Doch ich hoffe, daß es im Oktober für den Likud ne heftig knallende Maulschelle bei den Wahlen gibt.
SHALOM
Das Schlimme daran ist: Israel wird gespalten, Ultra-Orthodoxe, die nicht bei der IDF kämpfen wollen, werden bevorzugt behandelt. Wann begreift Benjamin Netanjahu, dass er so oder so vor den Richter kommt, seine Zeit ist endlich. Er ruiniert Israel. Statt gegen die Feinde des Jüdischen Volkes zu kämpfen, kämpft er gegen eine gute Moral in der IDF und für die wehrdienstverweigenden Ultra-Orthodoxen.
Egal wie man zur ultraorthodoxen Religiosität steht, es ist gut, dass es in Israel Gericht gibt, das die Kompetenz zum Stoppen unvernünftiger Gesetze hat. Möge das so bleiben!
Geschlechtertrennung, wo, wie und egal aus welchen Gründen, lehne ich kategorisch ab, egal aus welcher religiösen oder weltanschaulichen Gruppierung.! Sie ist rückständig und stärkt die Ideologien von Fanatikern und Extremisten. Zu einem modernen demokratischen Staat passt eine solche Bestrebung nicht!
Caja @ 100% Zustimmung ! Wovor haben diese Superreligiösen eigentlich Angst ? Dass ihnen die Jugend aus dem Ruder läuft ? Dass ein junger Mann eine junge Frau anschaut ? Diese Typen gehen mir auf den Senkel, aber sowas von ! Eine Anekdote ; vor ein paar Jahren auf dem Flughafen Ben Gurion, eine Sar-el-Gruppe kreuzt eine Gruppe von Oberfrommen aus USA. Als sie an uns Frauen vorbeigehen müssen, kneifen sie die Augen zu ! Einer spuckt aus vor einer Kameradin, die einen T-Shirt mit Ausschnitt trägt (kuschelige 35° im Schatten !). Die junge Frau ist die Nichte des damaligen – leider verstorbenen – Grossrabbiners von Paris …
Ich wundere mich, dass wir im 21. Jahrhundert noch immer sexualisierte Argumente bedienen. Gemeinsam lernen, studieren und freie Zeit miteinander verbringen, ist Zusammenleben auf Augenhöhe. Wer das nicht kann, sollte seinen Gedankenhaushalt überprüfen und sich einer Therapie unterziehen. Segregation geht immer zu Lasten der Frauen. Adam und Eva, so wird erzählt, trugen nur ein Feigenblatt. Was mag gemalt wohl alles passiert sein.
Israel war mal ein fortschrittlicher und toleranter Staat. diejenigen, die ihn ablehnen und keinen Militärdienst leisten, sind auf dem besten Weg, das Land mit religiösem Fanatismus zu überziehen. Leider nimmt dieses Phänomen auch in Amerika Fahrt auf und die AFD hat auch so ein eingeschränktes Frauen- und Familienbild.
👍🏻🤗
Die beiden trugen nicht mal ein Feigenblatt, sie waren ja die einzigen, wer hätte denn da Scham empfinden sollen ? Die Pflanzen ? Die Tiere ?
Die Engel ? Oder gar der Ewige ? Blödsinn !!!
Die Scham kam erst nach ihrem Rauswurf ins Spiel, laut der christlichen Bibel hat ER das ja auch deutlich zu verstehen gegeben. Aber daraus eine strikte Geschlechtertrennung zu lesen ist meines Erachtens nach ziemlich vermessen, von religiösen Fanatismus und Eiferertum geprägt . Mir scheint auch, daß es etwas nach Rache an der Erzmutter riecht……. für die verdammte Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Aber nicht Rache durch den Ewigen…….
SHALOM