Ben-Gvirs Tempelberg-Besuch Thema im Sicherheitsrat

In einer Dringlichkeitssitzung berät der UN-Sicherheitsrat über den Besuch des israelischen Ministers Ben-Gvir auf dem Tempelberg. Der Tenor: Solche Aktionen gefährdeten den Status quo und die Sicherheit.
Von Israelnetz

Foto: UN Photo/Eskinder Debebe

In der Sitzung kritisierten Vertreter mehrerer Länder den Tempelberg-Besuch des israelischen Sicherheitsministers

NEW YORK (inn) – Der Weltsicherheitsrat hat sich mit dem Tempelberg-Besuch des israelischen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, vom Dienstag befasst. In einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstag in New York äußerten Vertreter mehrere Länder Kritik an dem 13-minütigen Aufenthalt des Vorsitzenden der Partei „Otzma Jehudit“ auf dem Gelände in der Jerusalemer Altstadt. Eine offizielle Erklärung oder Resolution gab es jedoch nicht.

Kritik von den Emiraten und Jordanien

Die Sondersitzung hatten China und die Vereinigten Arabische Emirate, der aktuelle Repräsentant der Arabischen Liga im Rat, beantragt. Sie taten dies im Namen der palästinensischen und der jordanischen Mission, die keine Mitglieder im Sicherheitsrat sind.

Zum Auftakt der Sitzung sagte der emiratische Vertreter Mohamed Abuschahab, sein Land „verurteilt das Stürmen des Al-Aqsa-Moschee-Geländes durch einen israelischen Minister“. Der Besuch zeige einen „Mangel an Verpflichtung gegenüber dem historischen und rechtlichen Status quo der heiligen Stätten in Jerusalem und destabilisiert weiter die zerbrechliche Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten“. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten im September 2020 ein Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet.

Der im Grundsatz seit 1967 geltende Status quo besagt: Muslime dürfen mit wenigen Einschränkungen das Gelände betreten und dort beten. Juden ist dies nur in bestimmten Zeitfenstern durch einen einzigen Zugang möglich, dabei müssen sie unter Polizeischutz eine festgelegte Route nehmen. Offen beten dürfen Juden und andere Nicht-Muslime auf dem Platz, wo einst die beiden jüdischen Tempel standen, nicht.

Jordanien schloss sich der emiratischen Kritik an, wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet. Das Land übt mittels der islamischen Behörde Waqf die Verwaltung über den Tempelberg aus.

Erdan: Jüdischer Minister hat Recht auf Tempelberg-Besuch

Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan bezeichnete die Sitzung als „absurd“ und „heuchlerisch“: „Wir diskutieren hier über den friedlichen 13-minütigen Besuch eines jüdischen Ministers an der heiligsten jüdischen Stätte unter der Souveränität der liberalen Demokratie Israels.“ Der Diplomat bemängelte, dass es nicht ähnliche Sitzungen zu russischen Aktionen in der Ukraine, palästinensischem Terror oder iranischen Angriffen auf internationale Schiffe gebe.

Der Tempelplatz sei aus jüdischer Sicht „das Zentrum unseres Universums“, fügte Erdan hinzu. Israel habe irrtümlicherweise nach dem Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 dem Status quo zugestimmt, um den Konflikt zu mildern. Die Palästinenser versuchten, jegliche jüdische Verbindung zu der Stätte zu leugnen.

Diese Auffassung verträten mitunter auch die Vereinten Nationen, sagte Erdan. Erst am 31. Dezember hatte die Generalversammlung eine Resolution verabschiedet, die den Internationalen Gerichtshof in Den Haag auffordert, „israelische Praktiken in den besetzten Gebieten“ zu überprüfen. Darin erscheint der Tempelberg ausschließlich mit seinem arabischen Namen, Haram al-Scharif (das ehrwürdige Heiligtum). Dass das Gelände auch für Juden heilig ist, wird damit – wie bereits in früheren Resolutionen – unterschlagen.

Erdan sagte weiter: „Leider bevorzugt die Palästinensische Terrorbehörde Gewalt gegenüber Toleranz. Sie ist so intolerant, dass sie nicht nur jüdisches Gebet auf dem Tempelberg verbieten will, sondern auch jüdische Besucher. Reiner Antisemitismus.“ Er selbst habe 2017 als Polizeiminister ebenfalls den Tempelberg besucht. „Der Besuch von Ben-Gvir neulich auf dem Tempelberg war kein feindlicher Einfall in die Al-Aqsa-Moschee oder eine andere Lüge.“ Der Minister habe im Einklang mit dem Status quo gehandelt. Die Fokussierung der UN auf das Thema „legitimiert das Gift und die Lügen der Palästinenser“.

Der palästinensische Gesandte Rijad Mansur warnte vor Gewalt: „Unser Volk verliert die Geduld, und die Mäßigung und der Sinn für Verantwortung, die wir zeigen, sollten nie als Schwäche gedeutet werden. Die Erfahrung zeigt, dass Israels Beharren auf diesem Pfad nicht zu Unterwerfung führt, sondern zu Aufstand.“ Die Stätte könnte das „Epizentrum des religiösen Konfliktes“ werden.

Mansur rief den Sicherheitsrat auf, gegen Israel vorzugehen. „Haram al-Scharif ist in besetztem palästinensischem Gebiet. Israel hat keinen Anspruch und keine Souveränität über besetztes palästinensisches Gebiet, einschließlich Ostjerusalem, und damit kein Recht auf Haram al-Scharif.“ Der Palästinenser fragte: „Welche rote Linie muss Israel überschreiten, damit der Sicherheitsrat endlich sagt: ‚Genug ist genug‘?“ Die neue israelische Regierung sei „irre“ und übe eine „koloniale Herrschaft“ und Kriegsverbrechen aus.

US-Botschafter äußert Besorgnis

Der Vertreter der USA in der Sitzung, Robert A. Wood, sagte: „Wir sind besorgt über jegliche einseitige Akte, die Spannungen verschärfen oder die Lebensfähigkeit der Zwei-Staaten-Lösung untergraben. Die USA unterstützen sehr die Einhaltung des historischen Status quo mit Respekt für die heiligen Stätten in Jerusalem, vor allem auf dem Haram al-Scharif – Tempelberg.“ Diese Auffassung verträten sowohl Präsident Joe Biden als auch Außenminister Antony Blinken.

Wood ergänzte, die USA stellten fest, dass auch die Regierung von Benjamin Netanjahu (Likud) zum Erhalt des Status quo aufrufe. „Wir erwarten, dass die israelische Regierung dieser Verpflichtung nachkommt.“ Die Bedeutung des Status quo betonten zudem Großbritannien, Russland und China. (eh)

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24 Antworten

  1. Die UN zeigt ihr ehrliches Gesicht, die UN sind „Handlanger“ der Mächte der Finsternis, die Gottes Eigentumsvolk vernichten und vertreiben wollen. Auch der „christliche“ Westen, die EU und die USA zeigen mit ihrer „deutlichen“ Reaktion, was sie von Gottes Wort halten und das Gottlosigkeit letztendlich ihre Triebfeder ist. Israel sollte daraus lernen, dass es keine Hilfe von den Nationen erhalten wird, nicht von den „alten“ Freunden und auch nicht von den „neuen“ Freunden (Abraham Abkommen). Auch die deutsche Staatsräson wird sich in den noch kommenden Schwierigkeiten schnell verflüchtigen. Israel wird schmerzhaft erfahren und lernen müssen, dass seine Hilfe alleine vom allgewaltigen Gott kommen kann und wird. Der lebendige Gott wartet sehnsüchtig auf sein Volk, denn sein Gesprächsangebot in Jesus Christus besteht noch immer. Schon Jesaja schrieb davon Jes. 1, 18ff.
    Lieber Gruß, Martin

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  2. Wie viele Anschläge auf Juden muss es noch geben, bis dieser „Unrechts-Weltrat“ die PA zur Verantwortung zieht?

    Wie oft muss Abbas noch seine Jugendlichen aufhetzen und behaupten die Al Aksa wäre in Gefahr, bis dieser „Unrechts-Weltrat“ in Den Haag vor Gericht stellt?

    Wie viele Sommercamps der Hamas muss es noch geben, bis dieser „Unrechts-Weltrat“ diese Camps verurteilt?

    Wie viele „Flüchtlinge“ muss die UNRWA noch produzieren, bis dieser „Unrechts-Weltrat“ endlich diese Terroristen unterstützende UN-Organisation abschafft? 750.000 Flüchtlinge gab es 1949. Und heute? Wir stehen bei etwa 5, Mio. Da sollte selbst dem Dümmsten klar sein, dass hier etwas nicht passen kann. Beim Rechnen scheint die UN genauso große Probleme haben wie der, bei dem 2022 minus 1967 74 ergibt.

    Abbas hat nichts anderes zu tun als das Feuer zu schüren und er braucht das Feuer, denn er will ja weiter regieren, auch wenn er sich im 17. Jahr seiner 4-jährigen Amtszeit befindet. Und sein Volk ihn nicht mehr will. Und beim Schüren helfen die, die die zielgenaue Bombardierung auf Tel Aviv fordern und jeden toten Juden bejubeln.

    An dem Status Quo auf dem Tempelberg wurde in den letzten Jahrzehnten nicht geändert. Und das, obwohl die PA dies mind. 5 x im Jahr behauptet. Da hätte man bei der UN mal das Gehirn einschalten können und nachdenken, bevor man immer in die Hetze mit einstimmt.

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  3. Morde an unschuldigen Juden verfolgt der Westen nicht, aber dafür den harmlosen Besuch eines Politikers auf dem Tempelberg.
    An Verlogenheit reicht es!

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  4. Wer sind die Unwissenden im Weltsicherheitsrat?
    15 Min. friedlich am Berg….und schon drehen sie durch. Das ist mehr als lächerlich.
    Wieso verhafteten sie Assad nicht oder jetzt Putin, bzw. die Mullahs? Mörder!

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    1. Ja, bei Israel, dem Eigentumsvolk Gottes, ist alles anders. Wenn Israel wieder erkennen kann, wer seine Hilfe ist, ein gigantisches Vorrecht – denn der gewaltige Gott und Vater, sorgt hervorragend für alle seine Kinder.
      L.G. Martin

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  5. Dazu fällt mir ein: Der Text von Psalm 2. Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Warum toben die Heiden, und die Völker reden so vergeblich? Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten…
    Sie werden immer etwas zu toben haben, denn im Grunde geht der K(r)ampf nicht gegen Israel allein, sondern gegen G“tt selbst. Also, nichts Neues unter der Sonne…

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    1. Endlich sehe ich mal wieder Deinen (Entschuldigung, so sag ich halt jetzt) Namen! Es spitzt sich alles zu. Jerusalem, der Lastein für die Völker! Möge Yeshua uns allen Geduld und Ausdauer verleihen! LG! Christa

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  6. Israel arbeitet hart an seiner Lieblingsrolle, Pariah der internationalen Gemeinschaft zu sein, denn das gibt ihm die Gelegenheit, seine probate – nur mittlerweile vom exzessiven Gebrauch völlig abgenutzte – Allzweckwaffe, den ungerechtfertigten Antisemitismusvorwurf, auszupacken und einzusetzen. Das Tragische dabei ist, dass diese „Waffe“ von niemandem mehr ernstgenommen wird.

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    1. Es könnte aber auch sein, dass Antisemiten sich gar nicht als solche sehen oder sehen wollen. Ein Alkoholiker streitet es ja häufigig auch trotz höchster Alkoholsucht ab, ein solcher zu sein. Das hat mit der Selbstwahrnehmung zu tun.

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    2. Ach ja, einem Juden verbieten, einen Platz in Israel zu betreten, ist Apartheid. Zumindest werfen judenhassende Zeitgenossen mit dem Begriff exzessiv herum. Diese setzen ihre abgenutzte Lieblingsallzweckwaffe ein, um den ungerechtfertigten Apartheidsvorwurf einzusetzen. Tragisch, dass es immer noch Mitläufer für diesen Schwachsinn gibt.

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      1. Haben sie von Herrn Luley etwa erwartet er würde einen Politiker das gleiche Recht zugestehen, wie anderen Nichtmuslimen. Ich sehe kein Problem damit, dass ein Politiker über den für Nichtmuslime vorgeschriebenen Weg der Brücke beim Misttor durch die Zugangskontrollen geht und sich wie viele Touristen auf dem Gelände bewegt. Solange er dort nicht öffentlich betet und politische Reden hält, dürfte das gar kein Problem sein.

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    3. Bjoern, beinahe unerträglich, dass Sie Ihre eigene Lieblingsrolle nie in Frage stellen – prüfen, sagt man dem – ein Unterschied zum verbissen Recht haben wollen!

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    4. Herr Lulay,
      es scheint, dass Sie zu dem Kreis von Personen gehören, die Schaum vor den Mund bekommen, wenn es um Israel geht. Schade, ich hätte von einem Mann Ihres beruflichen Kalibers mehr sachlichen Umgang mit diesem Thema erwartet ! Aber ich weiss, Sie sind nicht allein, vor allem nicht in Deutschland.
      Hass findet immer seinen Weg ! Wie gesagt, schade !

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  7. Also wenn 2100 Terroranschläge gegen Juden in diesem Jahr nicht ernstgenommen werden dann macht Israel Alles richtig. Wenn die unermessliche Freude und Feier bei jeden toten Juden kein Antisemitismus ist dann Herr Luley war die Vernichtung von 4 Generationen meiner Familie in Auschwitz auch kein Antisemitismus. Ich würde vorschlagen, dass Sie sich endlich mehr der echten ethnischen Säuberung von 16 Millionen Deutschen mehr widmen und die Juden in Ruhe lassen. Sogar ich habe einen vertriebenen Ausweis. Bei den Deutschen ist viel mehr nachzuholen als bei den Arabern glaube Sie mir.

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  8. Naja, entweder man liebt die Kinder Jacobs, oder eben nicht.
    Gott selbst sagt; nicht weil du besser oder edler usw. wie die Andern bist, wende ich mich dir zu,
    sondern weil ich dich geliebt habe.
    Und sollte ich nicht dasselbe tun.

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  9. Das kommt mir bekannt vor, im Gegensatz zum Tempelberg wurden Montags-Spaziergänger in der BRD durch die Polizei halb tot geschlagen. Von einer Verurteilung des UNrechtsrats war da nichts zu hören.

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  10. Die EU hat sich aufgeregt über die beiden im Iran hingerichteten Männer. Warum ruft die EU nicht den Weltsicherheitsrat und und beantragt eine Sondersitzung?

    Ist ein iranisches Menschenleben weniger wert als ein Kurzbesuch auf dem Tempelberg, ein Besuch der übrigens gestattet war, denn auch ein Jude darf zu bestimmten Zeiten den Tempelberg betreten.

    EU? Dieses Verhalten zeigt mal wieder die Heuchelei dieser Organisation.

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  11. Nun, wir wiedergeborene Christen „aus den Nationen“ sind, wie es in der Bibel heißt, durch Jesus Christus (Jeschua Ha’Maschiach) eins (bzw. „ein Volk“) mit den Juden. So empfand ich eine Rede von Benjamin Netanjahu ein, zwei Jahre vor seiner letzten Abwahl wunderbar, als er bei einer Veranstaltung in Israel vor bibeltreuen Christen aus aller Welt davon sprach, daß (wahr bekehrte) Christen wohl die einzigen wirklichen Freunde Israels in der Welt seien. Tja, ich als Christ weiß: Jerusalem war jüdisch, ist jüdisch und bleibt jüdisch. Dort stand der Tempel des heiligen und lebendigen Schöpfergottes JHWH, an den auch ich „aus den Nationen“ glaube – und dieser Tempel stand schon da, als es noch Jahrhunderte dauern sollte, bis der Feldherr Mohamed in der Weltgeschichte auftaucht oder dieses so genannte Volk in den 1960er Jahren erfunden wurde. Insofern haben israelische Politiker alle Rechte, diesen Ort zu besuchen und zu begehen, nicht die Ungläubigen.

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