FRANKFURT/MAIN (inn) – Etwa 300 Menschen haben am Sonntagnachmittag in Frankfurt am Main an einer Kundgebung gegen Antisemitismus und Israelhass teilgenommen. Anlass war eine pro-palästinensische Demonstration vom 18. Juli. Sie hatte unter dem Titel gestanden: „Widerstand ist Völkerrecht; Palästina darf sich wehren – auch mit Steinen und Gewehren!“
Während der knapp zweistündigen Veranstaltung auf dem Römerberg skandierten Teilnehmer einer Gegenkundgebung lautstark pro-palästinensische Parolen wie: „Freiheit für Palästina“. Auch der englische Slogan „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee), der bereits zur Demonstration im Juli gehört hatte, war zu hören.
Dezernenten: Jüdisches Leben gehört in Öffentlichkeit
Auf der Bühne der Veranstaltung gegen Antisemitismus sprachen zwei neue Mitglieder des Frankfurter Stadtrates drei Tage nach Amtsantritt: Die CDU-Politiker Martin-Benedikt Schäfer und Yannick Schwander. Schäfer ist seit Donnerstag Dezernent für Ordnung, Sicherheit, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz. Er betonte, dass jüdisches Leben in Frankfurt in die Öffentlichkeit gehöre, nicht nur in Synagogen und an Gedenkstätten.
Diesen Gedanken griff Verkehrsdezernent Schwander auf: Als katholischer Christ trage er eine Kette mit einem Kreuz. „Jeder Jude muss eine Davidstern-Kette tragen dürfen.“ Die jüdische Gemeinde bat er um Entschuldigung für eine späte Reaktion auf den wachsenden Judenhass: „Wir haben zu lange weggeschaut.“ Er nahm auch Bezug auf die wenige Hundert Meter entfernte Gegenkundgebung: „Nicht, wer am lautesten schreit, hat recht.“
Sacha Stawski vom Verein „Honestly Concerned“ kritisierte das Motto der pro-palästinensischen Demonstration vom Juli: „Wer Mord rechtfertigt, übt keine gerechtfertigte Kritik an israelischer Politik.“ Er forderte eine Überprüfung der Förderung von Organisationen, die möglicherweise anti-israelische oder antisemitische Bestrebungen unterstützten. Demonstrativ setzte er seine Kippa auf, um deutlich als Jude in der Öffentlichkeit zu erscheinen.
Simone Hofmann von der Initiative „Starke Stimme für jüdisches Leben, für Israel, gegen Antisemitismus“ begrüßte erfreut iranische Teilnehmer der Kundgebung. Mehrere alte Iranflaggen mit dem Löwen wurden geschwenkt. Das Verbot des Vereins „Palästina e.V.“ durch die hessische Regierung lobte Hofmann als „Signal, das ganz viel Hoffnung macht“. Mit Bezug auf den Gazastreifen forderte sie: „Die Hamas muss entwaffnet und entmachtet werden.“ Die Initiative organisierte die Kundgebung mit dem Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
„Dann gäbe es kein Israel mehr“
Auch die ehemalige Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Bündnis 90/Die Grünen), die aus dem Iran stammt, forderte, Terrorgruppen nicht zu unterstützen. Sie nannte die Hamas, die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen.
Während von der anderen Seite des Platzes eine Gleichsetzung von Zionisten und Nationalsozialisten zu hören war, äußerte sie Kritik an der ebenfalls dort geäußerten Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“. Denn wenn ein palästinensischer Staat auf dem gesamten Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer entstünde, „gäbe es kein Israel mehr“.
Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, stellte sich als „stolzer Jude, Zionist und Deutscher“ vor. Er sei nicht bereit, eine der drei Identitäten einzuschränken, um irgendwelchen Leuten zu gefallen. Auch sei er nicht bereit, den Rechtsstaat aufzugeben und ihn den pro-palästinensischen Demonstranten zu überlassen.
Auf der Veranstaltung sprach auch der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker (CDU). Er äußerte die Hoffnung, der hessische Gesetzesvorschlag zur Bestrafung anti-israelischer Äußerungen werde im Bundestag nicht auf ein „Ja, aber“ stoßen, sondern angenommen. Im Hinblick auf die Gegenkundgebung fragte er, wo die Proteste gegen die Ermordung von Regimegegnern durch die Hamas im Gazastreifen blieben.
Als spontane Rednerin trat die die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökologische Linke) auf die Bühne. Die Soziologin gehörte 1980 zu den Mitbegründerinnen der „Grünen“, trat aber 1991 aus der Partei aus. Ditfurth äußerte den Wunsch, freiwillige Helfer würden eine Schallmauer gegen die lautstarke Demonstration am anderen Ende des Platzes errichten. Wie ihre Vorredner betonte sie, dass Antisemitismus aus unterschiedlichen Richtungen des Meinungsspektrums komme – und sie alle Formen ablehne.
Viele Polizisten waren zum Schutz der Veranstaltung auf den Römerberg gekommen. Ein Teilnehmer machte Israelnetz darauf aufmerksam, dass bei mehreren Fahrzeugen die Kennzeichen verhüllt waren. Das sei aus Sicherheitsgründen geschehen.
Gegenkundgebung: Arabischer Staat auf israelischem Gebiet
Die Kundgebung schloss mit jüdischen Gebeten und der israelischen Nationalhymne, übertönt von den pro-palästinensischen Rufen. Diese setzten sich noch eine Weile fort.
Ein Plakat der Gegenkundgebung zog eine Verbindung zur Jüdin Anne Frank, die als Jugendliche im nationalsozialistischen Konzentrationslager Bergen-Belsen umkam. Auf einem Schild stand „Staatsräson tötet“ – damit kritisierten die Demonstranten die Aussage der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Israels Sicherheit sei „deutsche Staatsräson“.
Eine Teilnehmerin wusste auf die direkte Frage, in welchen Grenzen der palästinensische Staat gegründet werden solle, keine Antwort. Es gehe um das „historische Palästina“. Eine Organisatorin klärte auf: Gewünscht sei ein arabischer Staat zwischen Jordan und Mittelmeer, in dem „Juden willkommen sind“.
24 Kommentare
Ein arabischer Staat, „in dem Juden willkommen sind „Is klar. Wie in Tunesien, Algerien, Marokko, Ägypten, Irak,Yémen….Was für ein dummes Pack ! Von nix ne Ahnung, aber ne feste Meinung.
Antonia, dumm sind die nicht,sonst könnten die nich teinen solchen Spökes abziehen geschweige denn einen organisieren, aber Geschichte und Religion haben die in der Schule wohl nicht gehabt, und Israel und den übrigen Nahen Osten kennen die auch nur aus den Social Media. Doch gefährlich sind sie, daß man die Kfz-Schilder abdecken muss, beweist es, es sei denn man fordert antisemitischen Besuch an der eigenen Haustüre heraus.
SHALOM
S
Wurde am Samstag auf unserem Wochenmarkt von BUNTEn+OMAs als „Anhänger der Nazi-Partei“ massiv beschimpft, weil mich am nahen AfD-Stand eine jahrzehntelang gute, liebe Bekannte begrüßte und umarmte.
Meine Frage, ob mit dieser Bezeichnung nicht die Taten der Nazi´s verharmlost werden, wurde mit weiteren Beschimpfungen beantwortet. Ein sachliches Gespräch war nicht möglich.
Vor etlichen Wochen haben einige BUNTE+OMAs an einer pro-Palästina-Demo teilgenommen auf der auch eine, angeblich, israelische Rednerin auftrat.
Das heutige Deutschland………
@manfred westphal
Passen Sie gut auf sich auf, Manfred. Wer sich israelfreundlich zeigt, braucht ein dickes Fell.
Ansonsten ist Simone Hofmann von der Initiative „Starke Stimme für jüdisches Leben“ ganz meiner Meinung. Die Hamas muss entwaffnet und entmachtet werden!
Diese Pro-palästinensischen Demo-Besucher können auf der Landkarte nicht mal Palästina zeigen, aber mit großem Maul verkünden: Juden sollen in solch einem Staat willkommen sein. Noch nix von der Charta gehört?
@Antonia, du hast vollkommen Recht: Von nix ne Ahnung, aber Klappe aufreißen.
@manfred westphal
Ich würde auch an jeden Stand gehen wollen, vielleicht mit einer Checkliste und auch kritischen Hinterfragungen –
bei allen dort.
Hauptpunkte wären u. a. die Einstellung zu Israel (historisch und aktuell), dem 7. Oktober und der allseits hochgejubelten Zweistaatenlösung.
Was die OMAs … angeht. Bei denen wollte ich kein Enkel sein.
Aber genauso fängt die Untergrabung der Meinungsfreiheit an. Gelegenheit macht Diebe.
Ich schließe mich @Ella an:
Passen Sie gut auf sich auf.
Viele Polizisten waren zum Schutz der Veranstaltung auf dem Römerberg nötig. Ist Frankfurt am Main verloren? Die 300 Menschen, die am Sonntagnachmittag gegen Antisemitismus und Israelhass aufstanden, sind eine kleine Hoffnung.
Es ist eine Lüge. Wir können nicht mehr überall unseren Stern tragen.
Ohne Text: Sanchez/ Spanien gießt wieder Feuer gegen IL in Ceuta. Russia und Israel würden falsch berichten. Dieser Sozialist ist zerfressen an Judenhass. Unfähig die Schuldigen, Marokko, zu benennen. Sorry, musste es los werden. Shalom
@Am Israel chai
Sanchez/Spanien, Restle/Deutschland noch schlimmer: WDR nimmt den Journalisten Georg Restle, der permanent gegen Israel hetzt, in Schutz. Jüdische Allgemeine 11.08.2026.
Danke, Alberto. Die Gestörten, Irren, nehmen zu.
300 ! So ist es nun mal! Im letzten Jahr marschierten 15000 Antisemiten in Frankfurt auf. Natürlich ist alles was auf ‚Jude‘ in Bekleidung und Schmuck hindeutet in Frankfurt ein Risiko. Das jeder für sich abwägen muss.
Bitte nicht kleinreden ! Wer für Israel demonstriert , braucht Mut. Wer für die Gazaouis , also für Hamas, demonstriert , braucht nur ein leeres Hirn. Davon gibt es halt mehr .
Ja Frau Antonia, die wenigen Aufrechten sind zu schätzen. Möchte das nicht kleinreden, im Gegenteil.
Natürlich sollte jeder Mensch jüdischen Glaubens offen eine David-Stern-Kette auf offener Straße tragen dürfen. Leider ist dies nicht der Fall. Das offene Tragen von christlichen Symbolen ist in Deutschland in einen Gegenden gefährlich. Nur das offene Zeigen von muslimischer Religionszugehörigkeit wird in Deutschland mittlerweile offen toleriert.
Ute Engels @ ich habe an meiner Handtasche einen Anhänger aus Jerusalem, auf der einen Seite eine Taube, auf der anderen ein Davidsstern. Das hat mir kürzlich eine Schimpftirade einer verschleierten Frau eingetragen. Ich habe zurück geschimpft, auf deutsch. Das hat sie aus der Fassung gebracht 🤣🤣🤣
Antonia, wer versucht, mir aggressiv an den Davidstern zu gehen, wird mit gebrochenen Fingern seine Anzeige erstatten dürfen, die juristischen Folgen nehme ich hin. Das ist schon mal geschehen, aber ich hatte Glück in Form eines neutralen Richters.
SHALOM
Der Richter hatte Gott sei Dank einen gesunden Menschenverstand bzw. eine gesunde Einstellung.
Ute Engels, ob der Richter einen gesunden Menschenverstand hatte kann ich nicht sagen, aber der Typ, der an meinen Stern wollte, hat sich bei der Aussage verplappert und in Widersprüche verstrickt. Möglicherweise hat dem Richter auch der knorrige alte Sack imponiert, der einen um die Hälfte jüngeren Shmock die Griffel geknickt hat bei dessen antisemitischer Attacke.
Ich weiß es nicht.
SHALOM
Die verschleierte Frau war wirklich arrogant und am besten noch der Ansicht, möglichst viele Leute, vor allem Frauen sollen zum Islam konvertieren, damit sie genauso leben müssen wie sie. Ich selbst habe 2008 kurz in einer tuerkischen Firma gearbeitet und das war die reinste islamische Parallelwelt. Das Unternehmen war ein Obst- und Gemuesehandel und durch eine streng islamische Unternehmenskultur geprägt.
Ich wünsche Frankfurt am Main und Hessen viel Erfolg, dass die Rechte Jüdischen Lebens in Deutschland wieder gestärkt werden. Momentan ist alles bitter in Deutschland, weil es zuviele Pro-„Palästina“-Fans gibt aus weiten Teilen der deutschen Gesellschaft. Ich glaube, dass Hessen ein Hoffnungsschwimmer zeigt, auch Bayern und BW sind positiv zu sehen, andere Gegenden in D sind noch viel schlimmer. Der Judenhass nimmt immer weiter zu.
Wer lauthals schreit, dass ein Land, ein Volk vernichtet werden soll, nämlich Israel, hat für mich überhaupt kein Anrecht den Mund aufzumachen und sich zu beschweren. Für mich sind diese Menschen Demonstranten, die zum Massenmord aufrufen.
Und WIEDER eine pro-israelische Veranstaltung, von der ich als (gebürtiger) Frankfurter im Vorfeld rein gar nichts gehört habe und somit auch nicht zur Verstärkung hingehen konnte. Ich glaube, es liegt wirklich an der mangelnden Kommunikation solcher Demo-Termine durch die Israel-Freunde, dass die pro-israelische Seite oft nur so einen kleinen Kreis von Leuten zu versammeln hat. Die Gegenseite ist da mit der „Werbung“ für ihre Sache viel breiter aufgestellt, viel offensiver und weitaus besser vernetzt.
Wie soll das weitergehen, wenn viele Freunde Israels und zumindest Leute, die sich gegen Antisemitismus, Islamismus und linken Judenhass aussprechen wollen, gar nicht wissen, wann und wo eine solche Veranstaltung stattfindet?
@ Chris (Chrissen)
Du hast so recht, die Israelhasser sind weitaus besser organisiert und vernetzt als wir Israelfreunde.
Ein kleiner Tipp: Geh doch mal auf die Seite von „Sacha Stawski – Welcome to my private Website“.
Von dort aus findest du Links zu „Honestly Concerned“ oder „I like Israel“. Dort kannst du dich durchklicken, da gibt es u.a. auch Veranstaltungshinweise. (allerdings nicht immer auf dem neuesten Stand).
Besser noch ist vielleicht, ihn direkt anzuschreiben. Er ist auf allen Frankfurter Veranstaltungen rund um Israel gewesen, teilweise Mitorganisator. Möglicherweise kann er dir dazu verhelfen, zukünftig besser auf dem Laufenden zu sein. Viel Erfolg!
Mensch, Caja, herzlichen Dank an dich für diese Hinweise!
Wenn ich mich recht erinnere, kommst du ja auch aus Frankfurt, lebst aber inzwischen im Umland. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann einmal auf einer Demo, ohne zu wissen, wer man ist. 😉
@ Chris (Chrissen)
Ja, vielleicht treffen wir uns ja mal bei einer Veranstaltung, würde mich sehr freuen! Und wenn ich demnächst mal wieder etwas erfahren sollte, schreibe ich dir über IN. Bis dahin liebe Grüße!