DEBRECEN (inn) – Die Fußballer der irischen Nationalmannschaft haben am Sonntag ihre Ankündigung wahrgemacht: Bei dem Nations-League-Spiel gegen Israel im ungarischen Debrecen bekundeten sie mit mehreren Gesten ihren Widerwillen gegen die Partie. Stein des Anstoßes ist Israels Vorgehen im Gazastreifen, der Vorwurf lautet „Genozid“.
Lange war offen, ob das Spiel überhaupt stattfinden würde. Schließlich stimmten die Spieler dafür, anzutreten; einzig Torhüter Gavin Bazunu entschied sich zum Boykott. Die Übrigen legten sich eine schwarze Armbinde an, um auf die Todesopfer im Gazastreifen hinzuweisen. Bei der israelischen Nationalhymne senkten sie die Köpfe, einen Handschlag mit den Israelis verweigerten sie.
IRELAND DID NOT LOOK UP.
— CUPID FC (@CUPID_FC) September 27, 2026
Heads lowered through Israel’s anthem.
Black armbands on.
A silent protest — clear, deliberate, noticed.
Ireland 3-0 Israel.#ISRIRL #NationsLeague https://t.co/LyvhOx92TX pic.twitter.com/3HAoiL0KUZ
Nach dem Spiel erklärte der israelische Kapitän Manor Solomon zu den Gesten der Iren: „Das interessiert mich nicht. Unser Land ist zehnmal besser als ihres, stärker als ihres. Wir haben ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Wir sind stolz darauf, das israelische Nationaltrikot zu tragen, stolz, Israelis zu sein, stolz auf unsere Soldaten.“
Trainer: Spieler unter immensem Druck
Vor dem Spiel hatte der Trainer der Iren, Heimir Hallgrimsson, für Empörung bei den Israelis gesorgt. Er betonte, sein Team spiele „nicht mit, sondern gegen den Genozid“. Der israelische Fußballverband warf Hallgrimsson daraufhin „Dummheit, Unwissen und Heuchelei“ vor.
Später behauptete der 59-jährige Isländer, seine Wortwahl sei falsch gewesen. Er habe damit auf eine Kampagne reagiert, die eine Absage des Spiels forderte mit der Begründung, nicht „mit dem Genozid“ zu spielen.
Weiter erklärte Hallgrimsson, die Spieler stünden unter immensem Druck aus der Bevölkerung und wollten „nichts Falsches tun“. Er stellte klar, dass ein Antritt beim Spiel nicht bedeute, dass die Mannschaft das unterstütze, „was in Gaza passiert“. Das Team halte sich lediglich an die Turnierregeln.
Ein Ire mit israelischen Wurzeln
Dass es keine hitzige Partie wurde, dürfte auch an der Kulisse gelegen haben: Nur etwas mehr als 300 Zuschauer verfolgten die Partie im Stadion.
Außerdem versuchte der israelische Innenverteidiger Ras Schlomo vor dem Spiel freundlich, aber bestimmt, dem Duell Schärfe zu nehmen: Wenn die Iren keinen Handschlag wollten, sei dies deren Entscheidung, sagte er bei der Pressekonferenz. Die Israelis würden die Hand anbieten. Zugleich sei den irischen Spielern anzuraten, einmal Israel zu besuchen, bevor sie sich so ein starkes Urteil über den jüdischen Staat erlaubten.
Immerhin hatte Israel eine Stimme innerhalb der irischen Mannschaft: Finn Azaz weist israelische Wurzeln auf. Sein Großvater mütterlicherseits war der israelische Skulpteur Nechemia Azaz (1923–2008). Medienberichten zufolge versuchte der 26-Jährige, seinen Mitspielern die israelische Perspektive zu vermitteln. Unklar ist, welches Gewicht seine Worte bei der Entscheidung des Teams für die Partie hatten.
Vorwurf der Heuchelei
Einige pro-israelische Stimmen hatten den Iren zuvor Heuchelei vorgeworfen: Wenn es um andere Länder gehe, wo es Dinge zu beanstanden gäbe, erfolge kein Protest. So habe die Cricket-Nationalmannschaft im Sommer mehrmals gegen Afghanistan gespielt, ohne auf die Lage der Frauen und Mädchen dort hinzuweisen.
Am 28. Mai absolvierte die irische Fußball-Nationalmannschaft in Dublin ein Freundschaftsspiel gegen Katar. Die Partei wurde wegen Fanprotesten zweimal unterbrochen – Proteste gegen Israel, nicht etwa gegen Katar, das enge Verbindungen zur Terror-Organisation Hamas aufweist.
Andere kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass von Irland große Mengen Aluminium nach Russland gehen und das Material im Krieg gegen die Ukraine zum Einsatz kommt. Im ersten Quartal betrug der russische Exportanteil der Aluminiumhütten von Aughinish Alumina bei Limerick 80 Prozent. Aughinish Alumina befindet sich im Besitz des russischen Unternehmens Rusal.
Baldiges Rückspiel
Das Spiel am Sonntagabend ging 3:0 für Irland aus, alle Tore fielen bereits in der ersten Halbzeit. Der israelische Torhüter Daniel Perez entschuldigte sich nach dem Spiel bei den Anhängern für die erste Halbzeit. Er schäme sich, sagte er und ergänzte: „Das waren nicht wir.“ In den kommenden Spielen werde die Mannschaft besser auftreten.
Das Rückspiel gegen Irland erfolgt bereits am kommenden Sonntag. Auf dem Papier ist es ein Heimspiel für Irland, es findet jedoch im serbischen Bačka Topola statt. Zuvor spielt Israel am Donnerstag gegen den Kosovo.
Irland gehört traditionell zu den Ländern mit der schärfsten Haltung gegen Israel. Seit dem 23. Juli ist dort ein Gesetz zum Boykott von Siedlungsprodukten in Kraft. Das Land verweigert zudem zum zweiten Mal in Folge die Teilnahme am Eurovision Song Contest wegen Israel. 2024 erkannte Irland gemeinsam mit Norwegen und Spanien einen palästinensischen Staat an; den Schritt wertete Israel als Belohnung für das Terrormassaker vom 7. Oktober. (df)
2 Kommentare
Mies, erbärmlich, unsportlich, lächerlich, dumm ….
Schurkenstaat Irland gehört zu den Ländern mit der schärfsten Haltung gegen Israel.