Netanjahu kritisiert irische Haltung zu Palästinensern

Irland gehört traditionell zu den schärfsten Kritikern Israels in der Europäischen Union. Premier Netanjahu nutzte jetzt den Besuch des irischen Außenministers Coveney in Jerusalem, um die Haltung kritisch zu hinterfragen.
Der neue irische Außenminister Coveney trifft Premier Netanjahu in Jerusalem

Foto: Haim Zach, GPO

Der neue irische Außenminister Coveney trifft Premier Netanjahu in Jerusalem

JERUSALEM (inn) – Der israelische Premier Benjamin Netanjahu hat bei einem Treffen mit dem irischen Außenminister Simon Coveney in Jerusalem die generelle Position Irlands hinsichtlich der Palästinenser hinterfragt. Netanjahu drückte laut des Büros des Premierministers seine Unzufriedenheit mit Irlands traditioneller Haltung im israelisch-palästinensischen Konflikt aus.

„Ihr Land verurteilt Palästinenser nicht für Hetze oder für die Verherrlichung von Terroristen, die Israelis angegriffen haben“, sagte Netanjahu. Er fragte den irischen Außenminister auch, warum Irland Organisationen unterstützt, die zur Zerstörung Israels aufrufen. Es sei unter vielen europäischen Ländern ein Problem, dass sie den Kern des Konflikts übersähen. „Der Kern ist, dass die Palästinenser die Anerkennung des jüdischen Staates ablehnen“, sagte Netanjahu.

Coveney: Natürlich haben wir verschiedene Standpunkte

Laut der irischen Organisation „Monitor“ gibt Irland mit seiner Entwicklungshilfe Millionen Euro direkt und indirekt an Organisationen, die in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen arbeiten. Darunter befinden sich demnach auch linke Gruppen wie „Al-Haq“, das „palästinensische Zentrum für Menschenrechte“, „Jesch Din“ und „Addameer“.

Coveney nannte das Gespräch mit Netanjahu laut der irischen Online-Zeitung „The Journal“ eine „konstruktive Diskussion“. „Natürlich haben wir deutlich verschiedene Standpunkte in einigen Fragen, aber diese Unterschiede sind ehrlich und offen ausgedrückt“, sagte Coveney. Im Gespräch sei es auch um die Siedlungen, die humanitäre Situation im Gazastreifen und den Friedensprozess im Nahen Osten gegangen.

Palästinensische Flaggen über irischen Kreisverwaltungen

Im Vorfeld seiner Nahostreise hatte sich Coveney im irischen Radio kritischer geäußert: „Ich werde die Möglichkeit nutzen, Irlands Besorgnis über die andauernde Besatzung zum Ausdruck zu bringen und die – bei gleichbleibenden Verhältnissen – trüben Aussichten auf einen gemeinsamen Frieden.“ Vier Kreisverwaltungen in Irland haben in den vergangenen Monaten ihre Solidarität mit den Palästinensern ausgedrückt, indem sie für die Hissung der palästinensischen Flagge über den Kreisgebäuden gestimmt haben. Irland gehört für Israel neben Schweden zu den entschiedensten Kritikern Israels in der Europäischen Union.

Der irische Außenminister Coveney, der vor einem Monat sein Amt antrat, befindet sich seit Montag auf einer Nahostreise. Neben Jerusalem besucht er auch Tel Aviv und Ramallah. Den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas trifft er am Donnerstag.

Von: mm

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