Israel als Stein des Anstoßes

Mit Gesten des Protestes tritt die irische Fußball-Nationalmannschaft gegen Israel an. Vorher war unklar, ob die Partie überhaupt stattfindet.
Von Israelnetz
Schwarze Binde und gesenkte Köpfe: Die Iren bekundeten bei der Partie gegen Israel ihren Protest

DEBRECEN (inn) – Die Fußballer der irischen Nationalmannschaft haben am Sonntag ihre Ankündigung wahrgemacht: Bei dem Nations-League-Spiel gegen Israel im ungarischen Debrecen bekundeten sie mit mehreren Gesten ihren Widerwillen gegen die Partie. Stein des Anstoßes ist Israels Vorgehen im Gazastreifen, der Vorwurf lautet „Genozid“.

Lange war offen, ob das Spiel überhaupt stattfinden würde. Schließlich stimmten die Spieler dafür, anzutreten; einzig Torhüter Gavin Bazunu entschied sich zum Boykott. Die Übrigen legten sich eine schwarze Armbinde an, um auf die Todesopfer im Gazastreifen hinzuweisen. Bei der israelischen Nationalhymne senkten sie die Köpfe, einen Handschlag mit den Israelis verweigerten sie.

Nach dem Spiel erklärte der israelische Kapitän Manor Solomon zu den Gesten der Iren: „Das interessiert mich nicht. Unser Land ist zehnmal besser als ihres, stärker als ihres. Wir haben ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Wir sind stolz darauf, das israelische Nationaltrikot zu tragen, stolz, Israelis zu sein, stolz auf unsere Soldaten.“

Trainer: Spieler unter immensem Druck

Vor dem Spiel hatte der Trainer der Iren, Heimir Hallgrimsson, für Empörung bei den Israelis gesorgt. Er betonte, sein Team spiele „nicht mit, sondern gegen den Genozid“. Der israelische Fußballverband warf Hallgrimsson daraufhin „Dummheit, Unwissen und Heuchelei“ vor.

Später behauptete der 59-jährige Isländer, seine Wortwahl sei falsch gewesen. Er habe damit auf eine Kampagne reagiert, die eine Absage des Spiels forderte mit der Begründung, nicht „mit dem Genozid“ zu spielen.

Weiter erklärte Hallgrimsson, die Spieler stünden unter immensem Druck aus der Bevölkerung und wollten „nichts Falsches tun“. Er stellte klar, dass ein Antritt beim Spiel nicht bedeute, dass die Mannschaft das unterstütze, „was in Gaza passiert“. Das Team halte sich lediglich an die Turnierregeln.

Ein Ire mit israelischen Wurzeln

Dass es keine hitzige Partie wurde, dürfte auch an der Kulisse gelegen haben: Nur etwas mehr als 300 Zuschauer verfolgten die Partie im Stadion.

Außerdem versuchte der israelische Innenverteidiger Ras Schlomo vor dem Spiel freundlich, aber bestimmt, dem Duell Schärfe zu nehmen: Wenn die Iren keinen Handschlag wollten, sei dies deren Entscheidung, sagte er bei der Pressekonferenz. Die Israelis würden die Hand anbieten. Zugleich sei den irischen Spielern anzuraten, einmal Israel zu besuchen, bevor sie sich so ein starkes Urteil über den jüdischen Staat erlaubten.

Immerhin hatte Israel eine Stimme innerhalb der irischen Mannschaft: Finn Azaz weist israelische Wurzeln auf. Sein Großvater mütterlicherseits war der israelische Skulpteur Nechemia Azaz (1923–2008). Medienberichten zufolge versuchte der 26-Jährige, seinen Mitspielern die israelische Perspektive zu vermitteln. Unklar ist, welches Gewicht seine Worte bei der Entscheidung des Teams für die Partie hatten.

Vorwurf der Heuchelei

Einige pro-israelische Stimmen hatten den Iren zuvor Heuchelei vorgeworfen: Wenn es um andere Länder gehe, wo es Dinge zu beanstanden gäbe, erfolge kein Protest. So habe die Cricket-Nationalmannschaft im Sommer mehrmals gegen Afghanistan gespielt, ohne auf die Lage der Frauen und Mädchen dort hinzuweisen.

Am 28. Mai absolvierte die irische Fußball-Nationalmannschaft in Dublin ein Freundschaftsspiel gegen Katar. Die Partei wurde wegen Fanprotesten zweimal unterbrochen – Proteste gegen Israel, nicht etwa gegen Katar, das enge Verbindungen zur Terror-Organisation Hamas aufweist.

Andere kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass von Irland große Mengen Aluminium nach Russland gehen und das Material im Krieg gegen die Ukraine zum Einsatz kommt. Im ersten Quartal betrug der russische Exportanteil der Aluminiumhütten von Aughinish Alumina bei Limerick 80 Prozent. Aughinish Alumina befindet sich im Besitz des russischen Unternehmens Rusal.

Baldiges Rückspiel

Das Spiel am Sonntagabend ging 3:0 für Irland aus, alle Tore fielen bereits in der ersten Halbzeit. Der israelische Torhüter Daniel Perez entschuldigte sich nach dem Spiel bei den Anhängern für die erste Halbzeit. Er schäme sich, sagte er und ergänzte: „Das waren nicht wir.“ In den kommenden Spielen werde die Mannschaft besser auftreten.

Das Rückspiel gegen Irland erfolgt bereits am kommenden Sonntag. Auf dem Papier ist es ein Heimspiel für Irland, es findet jedoch im serbischen Bačka Topola statt. Zuvor spielt Israel am Donnerstag gegen den Kosovo.

Irland gehört traditionell zu den Ländern mit der schärfsten Haltung gegen Israel. Seit dem 23. Juli ist dort ein Gesetz zum Boykott von Siedlungsprodukten in Kraft. Das Land verweigert zudem zum zweiten Mal in Folge die Teilnahme am Eurovision Song Contest wegen Israel. 2024 erkannte Irland gemeinsam mit Norwegen und Spanien einen palästinensischen Staat an; den Schritt wertete Israel als Belohnung für das Terrormassaker vom 7. Oktober. (df)

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19 Kommentare

    1. @ Antonia, dem schließe ich mich an. Alles Gute und liebe Genesungswünsche an die Schwägerin weiterhin.

      1. Vielen Dank für Deine Anteilnahme ! OT: zu den Iren : auf einem Internetportal ist ein Video zu sehen von einem Spiel der Iren gegen Deutschland 1938 in Berlin. Was machen da die lieben Iren ? Genau, den Hitlergruss. Gut ich weiss, den haben auch die französischen Athleten bei den Olympischen Spielen 1936 gemacht…

  1. Schurkenstaat Irland gehört zu den Ländern mit der schärfsten Haltung gegen Israel.

  2. Die Iren! Töteten sich Jahrzehntelang. Tausende Tote unter Christen. Heute machen sie auf Moral, obwohl in Belfast noch Trennungslinie ist. Verblödete Fussballspieler mit Trainer. Sorry, Redaktion.
    Frage? Sind Iren plötzlich Muslime? Hamas Mörder Anhänger? Ironie off.

  3. Da ist für mich eine Grenze überschritten, warum Deutschland überhaupt diese EU aikzeptiert. Ein kleiner Teil der Europäischen Länder wäre besser, aber Deutschland zahlt ja auch für Irland mit in der EU.
    Ich bin erschüttert, was für ein Israel-feindliches Europa wir haben und warum wir nicht neue Lösungen finden. Irland ist Feindesland, wir müssen handeln…

  4. Ach ja, das so „kluge“ Irland, das aufgrund seiner so ungemein „moralischen Haltung“ Flugzeuge ohne israelischen Nebelschutz erwarb.

    Aber schweigen zur brutalstmöglichen Unterdrückung von Frauen in Afghanistan, zum Massenmord im Iran.
    Größtmögliche Verlogenheit, eine Schande, dass es diese üble widerliche Heuchelei im Europa des 21. Jahrhunderts immer noch (bzw. wieder) gibt.

  5. Wenn Irland das Spiel cancelt und ein 0:3 am Grünen Tisch in Kauf nimmt wäre das wenigstens konsequent. So wird die Heuchelei aber noch größer.

    1. Tertullian @ soweit geht die Solidarität mit den Gazanern dann doch nicht : ) Für nicht gespielte Matchs gibt es ja auch kein Geld…

  6. Es wundert mich sehr, dass derartig unsportliche und schäbige Verhaltensweisen nicht von der FiFA sanktioniert werden. Das Reglement dafür gibt es.

    1. Bin der gleichen Meinung. So ein Verhalten ist absolut inakzeptabel, und an die Iren: man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.

  7. So schön diese Gegend auch ist, ich werde sie nie wieder besuchen, was ich früher manchmal getan habe.
    Allerdings erstreckt sich mein Protest nicht auf irische Produkte, die können schließlich nichts dafür.
    SHALOM

  8. eigentlich könnte man schreiben „mir fehlen die Worte….“ für so ein unsägliches unsportliches Verhalten… aber die letzten Jahre haben uns verdeutlicht. wie die Gedanken, die Gesinnungen des Teufels mehr und mehr Raum in unserer Umgebung…ekelig und abartig. Wir müssen dem begegnen auf göttlicher Art und Weise und uns auch selbst davor schützen, nicht abzugleiten, abzurutschen in diese perversen oft abartigen Gedankengänge des Feindes, was nicht gleichzusetzen ist…das man Unrecht nicht Unrecht nennen soll. GOTT behüte und beschütze ISRAEL und die Juden auf der ganzen Welt….gerade auch in meinem Land Deutschland und bewahre Sie vor dem Bösen….

  9. Kapitän Menora Solomon fand die richtigen Worte!
    Trainer Hallgrimsson: die irischen Spieler stehen unter Druck, wollen nichts falsch machen? Die Armen. Geht an ihnen vorbei, lächelt und winkt ihnen zu.

  10. Fußball und Politik gemischt. Das geht schon für sich genommen immer in die Hosen. Und wer es selbst schon einmal erlebt, wie es aussieht, wenn es in die Hosen geht, der weiß: ziemlich BRAUN!
    Genau so kommen mir die Iren jetzt vor. Um BRAUN zu sein, muss man weder Hitler zujubeln noch Deutscher sein. Es genügt schon, wenn man Israel verteufelt. Brauner geht es nicht, auch wenn man noch so grün oder rot ist!

  11. Mit solch unsportlicher Gesinnung könnten entsprechende Sportveranstaltungen auch ganz entfallen. Sie dienen so damit nur, weiteren Israel- und Judenhass zu fördern und zu normalisieren. „Wir die Anständigen – Ihr die Unanständigen“. Israel lässt sich ohrfeigen, macht weiter mit und zeigt damit moralische Größe.
    Es würde mich nicht wundern, wenn diese ganzen miesen Gestiken nicht auch deshalb ganz bewusst eingesetzt werden, um den Gegner zu demütigen, zu verunsichern und sich damit einen Wettkampfsvorteil zu erhoffen.

  12. Einfach nur fürchterlich und unsportlich!
    Warum wird nicht gegen andere Länder protestiert oder diese ausgeschlossen, die ein ganzes Volk vernichten wollen einfach nur hinterf……

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