Abkommen zementierte die Teilung der Erzväterstadt

Die geteilte Stadt Hebron ist immer wieder wegen Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern in den Schlagzeilen. Das Abkommen, das die Aufteilung der Sicherheitszuständigkeit regeln soll, wurde vor 25 Jahren unterzeichnet.
Von Israelnetz
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Foto: Israelnetz/mh

Wer die Patriarchengräber in Hebron besuchen will, wird kontrolliert

Hebron ist die einzige Stadt im Westjordanland, in der Israelis und Palästinenser leben. Und sie ist umstritten, weil sie sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist. Vor 25 Jahren sollte ein israelisch-palästinensisches Abkommen, das sogenannte Hebron-Protokoll, den teils gewaltsamen Auseinandersetzungen ein Ende bereiten. Es regelt, wer in welchen Stadtteilen die Verantwortung für die Sicherheit trägt. Doch die Atmosphäre bleibt angespannt.

In der Bibel wird Hebron zum ersten Mal in 1. Mose 13,18 erwähnt: „Und Abram zog weiter mit seinem Zelt und kam und wohnte im Hain Mamre, der bei Hebron ist, und baute dort dem HERRN einen Altar.“ Zehn Kapitel später begräbt Abraham, wie er mittlerweile heißt, seine Frau Sara „in der Höhle des Ackers in Machpela östlich von Mamre, das ist Hebron, im Lande Kanaan“ (23,19). Den Acker hat er zuvor für 400 Schekel Silber vom Hetiter Efron gekauft (23,3–18). Auch Abraham wurde später dort beigesetzt.

Die Höhle mit den Gräbern von den Erzvätern und -müttern Abraham, Sara, Isaak, Rebekka, Jakob und Lea ist seit langer Zeit eine heilige Stätte. Die erste Ummauerung entstand auf Befehl von König Herodes dem Großen (37–4 vor Christus). Im 6. Jahrhundert wurden erste Erweiterungen vorgenommen – auch, um christliche und jüdische Pilger voneinander zu trennen. Denn schon damals gab es Streit um das Heiligtum.

Mittlerweile enthält das Gebäude über den Gräbern eine Synagoge und eine Moschee. Sie wurden strikt voneinander getrennt, nachdem 1994 der Jude Baruch Goldstein an der Stätte 29 Muslime ermordet und 150 verletzt hatte. Drei Jahre später, am 14. Januar 1997, unterzeichneten Israelis und Palästinenser das „Protokoll zur Umstrukturierung in Hebron“. Für Israel tat dies General Dan Schomrom, für die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) Chefunterhändler Saeb Erekat (Fatah). Israelischer Premierminister war damals Benjamin Netanjahu (Likud).

Bis zu 400 palästinensische Polizisten

Das Abkommen regelt die Aufteilung der Stadt in zwei Verwaltungszonen: H1 und H2. In dem Protokoll heißt es zum Thema Sicherheit: „Die palästinensische Polizei wird die Verantwortung in der Zone H1 aufnehmen, ähnlich wie in anderen Städten im Westjordanland.“ H1 umfasst etwa 80 Prozent des Stadtgebietes. Israel übernehme alle Verantwortung für innere Sicherheit und öffentliche Ordnung in Zone H2. „Zusätzlich behält Israel die Verantwortung für die allgemeine Sicherheit von Israelis.“

In Zone H1 sollten bis zu 400 palästinensische Polizisten stationiert werden. Hinzu kamen 20 Fahrzeuge, 200 Pistolen und 100 Gewehre. Letztere waren nur für besondere Einsatzteams vorgesehen, damit sie in besonderen Sicherheitsfällen schnell reagieren konnten. Die palästinensische Polizei ist auch für vier jüdische heilige Stätten verantwortlich, die sich in H1 befinden.

Besucher dieser Stätten sollen von einer „Gemeinsamen mobilen Einheit“ begleitet werden. Diese bestehen aus israelischen und palästinensischen Sicherheitskräften mit gleichwertiger Bewaffnung. Das Protokoll legt auch fest, dass jeder Polizist darauf überprüft wird, ob er sich für den Dienst in Hebron eignet.

Vereinbart wurde ferner eine Vorübergehende Internationale Präsenz (TIPH). Deren Mandat wurde im Januar 2019 erstmals von der israelischen Regierung unter Netanjahu nicht verlängert.

Derzeit leben in Hebron etwa 200.000 Palästinenser und etwas weniger als 1.000 Juden. Die Teilung ist durch das Abkommen zementiert worden. Drehkreuze mit Ausweiskontrollen sollen verhindern, dass Palästinenser in den israelischen oder Israelis (außer Soldaten) in den palästinensischen Teil der Stadt gelangen. Wer weder Israeli noch Palästinenser, weder Jude noch Muslim ist, kann sowohl den Synagogen- als auch den Moscheebereich der Machpela-Höhle besuchen. (eh)


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5 Antworten

  1. Und doch wird immer noch abgelehnt, dass auch ein jüdischer Teil in der Machpela existiert. Man hat es bewusst getrennt und das ist auch gut. So kann jede Seite in ihrem Teil machen was sie wollen. Aber leider sehen dies nicht alle ein. Denken wir nur ein paar Wochen zurück, als Herzog eine Chanukka-Kerze im jüdischen Teil entzündete. Da hetzten gewisse Zeitgenossen, er habe die Moschee geschändet.

    Mit welchem Recht behauptet die arabische Seite, dass Hebron und die Machpela nur mit ihnen zu tun hat?
    In der Machpela ist Abraham begraben. Der Stammvater beide Seiten und doch behauptet die arabische Seite, dass die Juden nichts damit zu tun haben. Die jüdische Seite hat dies noch nie bestritten.

  2. Sie haben vergessen zu erwähnen, wie viele Polizisten auf jüdischer Seite stationiert werden. Wie viele Fahrzeuge, Pistolen Drohnen, Kameras, Gewehre..

    1. ja, stimmt. Technischer Fehler, vielleicht auch ideologisch fundiert. Aber eigentlich geht es doch um die Ergebnisse: Seit Inkrafttreten des Abkommens sollten wohl die Aggressionen von seiten der Araber deutlich überwogen haben gegenüber denen der jüdischen Seite? Ich kann mich an Berichte erinnern, wo die arabischen Polizisten sogar “geholfen” haben bei der Aggression.

      1. Nicht nur arabische Polizisten. Mehrfach haben Palästinenser Juden vor dem Lynchmord gerettet, indem sie sie in ihr Haus gezogen haben. Und seither selbst mit dem Tod bedroht sind.

    2. Den bösen jüdischen Polizisten mit ihren “vielen Fahrzeugen, Pistolen Drohnen, Kameras, Gewehren..” ,
      stehen die lieben mittellosen palästinensischen Polizisten gegenüber.

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