Mandat für Beobachtermission in Hebron nicht verlängert

Die internationale Beobachtermission muss Hebron verlassen. Israel verlängert deren Mandat nach Vorfällen im vergangenen Jahr nicht mehr. Die Palästinensische Autonomiebehörde kritisiert das scharf.
Die Mitarbeiter der internationalen Beobachtermission (TIPH) sind demnächst nicht mehr in Hebron unterwegs

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen

Die Mitarbeiter der internationalen Beobachtermission (TIPH) sind demnächst nicht mehr in Hebron unterwegs

JERUSALEM / HEBRON (inn) – Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wird nicht das Mandat der internationalen Beobachtermission in Hebron (TIPH) verlängern. Wie die Tageszeitung „Jerusalem Post“ berichtet, hat er am Montag das Aussetzen des diesbezüglichen Abkommens verkündet, das seit 1997 bei der Aufteilung der Stadt zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) half.

Das Mandat wurde für gewöhnlich zweimal im Jahr von beiden Seiten verlängert. Ende Januar wäre das wieder der Fall gewesen. Laut der Zeitung ist Netanjahus Vorhaben ein Zugeständnis an den Wahlkampf wegen des Drucks durch rechtsgerichtete Politiker. Auch habe er bei der Entscheidung die jüdische Bevölkerung in Hebron im Blick gehabt.

„Keine Kraft erlauben, die gegen uns agiert“

„Wir werden keiner internationalen Kraft erlauben, gegen uns zu agieren“, sagte Netanjahu. Die jüdische Gemeinde der Stadt bedankte sich bei ihm: „Gemeinsam haben wir gezeigt, dass es möglich ist, der Ungerechtigkeit und dem Unsinn ein Ende zu bereiten, der seit vielen Jahren andauerte.“

Die TIPH besteht in Hebron aktuell aus 64 internationalen Beobachtern aus Italien, Norwegen, Schweden, Dänemark, der Türkei und der Schweiz. Die Beobachtermission agiert hauptsächlich in dem Teil der Stadt, der unter israelischer Militärkontrolle steht. 80 Prozent von Hebron werden von der PA kontrolliert. 220.000 Palästinenser kommen in Hebron nach TIPH-Angaben auf 500 bis 800 Juden, die in stark geschützten Gebäuden leben.

Die Beobachtermission verfasste Berichte über mutmaßliche Misshandlungen von Palästinensern durch Israelis. Mit ihren Patrouillen wollte die TIPH den Palästinensern „ein Gefühl von Sicherheit vermitteln“. Die Mission wurde 1994 eingerichtet, nachdem der jüdische Siedler Baruch Goldstein 29 Palästinenser in Hebron ermordet hatte.

Sicherheitsminister Gilad Erdan hatte am Montag der Beobachtermission vorgeworfen, die Arbeit des israelischen Militärs und der Polizei zu behindern. Auch warf er ihr vor, Spannungen mit Siedlern zu schaffen und mit „extremistischen linksgerichteten Organisationen“ zusammenzuarbeiten, welche sich für die Delegitimierung Israels einsetzten.

Prominente Videos im Fokus

Im Mittelpunkt eines Berichts über TIPH, den Erdan Netanjahu vorgelegt hat, sollen zwei Vorfälle stehen, die auch auf Video festgehalten wurden. Im ersten Video schlägt laut der Zeitung ein Rechtsberater der Beobachtermission ein zehnjähriges jüdisches Kind. Im anderen Video schlitze einer der Beobachter einen Reifen eines Autos auf, das einem jüdischen Anwohner gehört. TIPH schloss die beiden Mitarbeiter nach einer internen Überprüfung von der Arbeit aus.

Der PA-Pressesprecher Nabil Abu Rudeine kritisierte Netanjahus Vorstoß scharf: „Die Entscheidung der israelischen Regierung bedeutet das Abrücken von der Umsetzung der Abkommen, die unter internationaler Aufsicht unterzeichnet wurden. Sie gibt die Verpflichtungen dieser Abkommen auf.“ Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Israel zu machen, damit die Mission fortgesetzt werden kann.

Von: mm

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