„Jeder Jude muss eine Davidstern-Kette tragen dürfen“

Auf einer Kundgebung in Frankfurt am Main prangern Redner Antisemitismus und Israelhass an. Eine pro-palästinensische Gegenkundgebung fällt vor allem durch Lautstärke auf.
Von Elisabeth Hausen

FRANKFURT/MAIN (inn) – Etwa 300 Menschen haben am Sonntagnachmittag in Frankfurt am Main an einer Kundgebung gegen Antisemitismus und Israelhass teilgenommen. Anlass war eine pro-palästinensische Demonstration vom 18. Juli. Sie hatte unter dem Titel gestanden: „Widerstand ist Völkerrecht; Palästina darf sich wehren – auch mit Steinen und Gewehren!“

Während der knapp zweistündigen Veranstaltung auf dem Römerberg skandierten Teilnehmer einer Gegenkundgebung lautstark pro-palästinensische Parolen wie: „Freiheit für Palästina“. Auch der englische Slogan „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee), der bereits zur Demonstration im Juli gehört hatte, war zu hören.

Dezernenten: Jüdisches Leben gehört in Öffentlichkeit

Auf der Bühne der Veranstaltung gegen Antisemitismus sprachen zwei neue Mitglieder des Frankfurter Stadtrates drei Tage nach Amtsantritt: Die CDU-Politiker Martin-Benedikt Schäfer und Yannick Schwander. Schäfer ist seit Donnerstag Dezernent für Ordnung, Sicherheit, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz. Er betonte, dass jüdisches Leben in Frankfurt in die Öffentlichkeit gehöre, nicht nur in Synagogen und an Gedenkstätten.

Diesen Gedanken griff Verkehrsdezernent Schwander auf: Als katholischer Christ trage er eine Kette mit einem Kreuz. „Jeder Jude muss eine Davidstern-Kette tragen dürfen.“ Die jüdische Gemeinde bat er um Entschuldigung für eine späte Reaktion auf den wachsenden Judenhass: „Wir haben zu lange weggeschaut.“ Er nahm auch Bezug auf die wenige Hundert Meter entfernte Gegenkundgebung: „Nicht, wer am lautesten schreit, hat recht.“

Sacha Stawski vom Verein „Honestly Concerned“ kritisierte das Motto der pro-palästinensischen Demonstration vom Juli: „Wer Mord rechtfertigt, übt keine gerechtfertigte Kritik an israelischer Politik.“ Er forderte eine Überprüfung der Förderung von Organisationen, die möglicherweise anti-israelische oder antisemitische Bestrebungen unterstützten. Demonstrativ setzte er seine Kippa auf, um deutlich als Jude in der Öffentlichkeit zu erscheinen.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Sacha Stawski trug demonstrativ seine Kippa

Simone Hofmann von der Initiative „Starke Stimme für jüdisches Leben, für Israel, gegen Antisemitismus“ begrüßte erfreut iranische Teilnehmer der Kundgebung. Mehrere alte Iranflaggen mit dem Löwen wurden geschwenkt. Das Verbot des Vereins „Palästina e.V.“ durch die hessische Regierung lobte Hofmann als „Signal, das ganz viel Hoffnung macht“. Mit Bezug auf den Gazastreifen forderte sie: „Die Hamas muss entwaffnet und entmachtet werden.“ Die Initiative organisierte die Kundgebung mit dem Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

„Dann gäbe es kein Israel mehr“

Auch die ehemalige Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Bündnis 90/Die Grünen), die aus dem Iran stammt, forderte, Terrorgruppen nicht zu unterstützen. Sie nannte die Hamas, die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen.

Während von der anderen Seite des Platzes eine Gleichsetzung von Zionisten und Nationalsozialisten zu hören war, äußerte sie Kritik an der ebenfalls dort geäußerten Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“. Denn wenn ein palästinensischer Staat auf dem gesamten Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer entstünde, „gäbe es kein Israel mehr“.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Die Flaggen der USA, des Iran vor der islamischen Revolution und Israels vereint auf einem Stück Stoff

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, stellte sich als „stolzer Jude, Zionist und Deutscher“ vor. Er sei nicht bereit, eine der drei Identitäten einzuschränken, um irgendwelchen Leuten zu gefallen. Auch sei er nicht bereit, den Rechtsstaat aufzugeben und ihn den pro-palästinensischen Demonstranten zu überlassen.

Auf der Veranstaltung sprach auch der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker (CDU). Er äußerte die Hoffnung, der hessische Gesetzesvorschlag zur Bestrafung anti-israelischer Äußerungen werde im Bundestag nicht auf ein „Ja, aber“ stoßen, sondern angenommen. Im Hinblick auf die Gegenkundgebung fragte er, wo die Proteste gegen die Ermordung von Regimegegnern durch die Hamas im Gazastreifen blieben.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Uwe Becker vermisst Proteste gegen von der Hamas ausgeführte Massenmorde

Als spontane Rednerin trat die die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökologische Linke) auf die Bühne. Die Soziologin gehörte 1980 zu den Mitbegründerinnen der „Grünen“, trat aber 1991 aus der Partei aus. Ditfurth äußerte den Wunsch, freiwillige Helfer würden eine Schallmauer gegen die lautstarke Demonstration am anderen Ende des Platzes errichten. Wie ihre Vorredner betonte sie, dass Antisemitismus aus unterschiedlichen Richtungen des Meinungsspektrums komme – und sie alle Formen ablehne.

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Spontan auf der Bühne: Die Stadtverordnete Jutta Ditfurth

Viele Polizisten waren zum Schutz der Veranstaltung auf den Römerberg gekommen. Ein Teilnehmer machte Israelnetz darauf aufmerksam, dass bei mehreren Fahrzeugen die Kennzeichen verhüllt waren. Das sei aus Sicherheitsgründen geschehen.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Verhüllte Autokennzeichen auf dem Römerberg

Gegenkundgebung: Arabischer Staat auf israelischem Gebiet

Die Kundgebung schloss mit jüdischen Gebeten und der israelischen Nationalhymne, übertönt von den pro-palästinensischen Rufen. Diese setzten sich noch eine Weile fort.

Ein Plakat der Gegenkundgebung zog eine Verbindung zur Jüdin Anne Frank, die als Jugendliche im nationalsozialistischen Konzentrationslager Bergen-Belsen umkam. Auf einem Schild stand „Staatsräson tötet“ – damit kritisierten die Demonstranten die Aussage der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Israels Sicherheit sei „deutsche Staatsräson“.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Anne Frank auf einem Transparent der Gegendemonstranten
Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Die Demonstranten sind nicht einverstanden mit Israels Sicherheit als „deutscher Staatsräson“

Eine Teilnehmerin wusste auf die direkte Frage, in welchen Grenzen der palästinensische Staat gegründet werden solle, keine Antwort. Es gehe um das „historische Palästina“. Eine Organisatorin klärte auf: Gewünscht sei ein arabischer Staat zwischen Jordan und Mittelmeer, in dem „Juden willkommen sind“.

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7 Kommentare

  1. Ein arabischer Staat, „in dem Juden willkommen sind „Is klar. Wie in Tunesien, Algerien, Marokko, Ägypten, Irak,Yémen….Was für ein dummes Pack ! Von nix ne Ahnung, aber ne feste Meinung.

  2. Wurde am Samstag auf unserem Wochenmarkt von BUNTEn+OMAs als „Anhänger der Nazi-Partei“ massiv beschimpft, weil mich am nahen AfD-Stand eine jahrzehntelang gute, liebe Bekannte begrüßte und umarmte.
    Meine Frage, ob mit dieser Bezeichnung nicht die Taten der Nazi´s verharmlost werden, wurde mit weiteren Beschimpfungen beantwortet. Ein sachliches Gespräch war nicht möglich.
    Vor etlichen Wochen haben einige BUNTE+OMAs an einer pro-Palästina-Demo teilgenommen auf der auch eine, angeblich, israelische Rednerin auftrat.
    Das heutige Deutschland………

  3. Viele Polizisten waren zum Schutz der Veranstaltung auf dem Römerberg nötig. Ist Frankfurt am Main verloren? Die 300 Menschen, die am Sonntagnachmittag gegen Antisemitismus und Israelhass aufstanden, sind eine kleine Hoffnung.

  4. Es ist eine Lüge. Wir können nicht mehr überall unseren Stern tragen.
    Ohne Text: Sanchez/ Spanien gießt wieder Feuer gegen IL in Ceuta. Russia und Israel würden falsch berichten. Dieser Sozialist ist zerfressen an Judenhass. Unfähig die Schuldigen, Marokko, zu benennen. Sorry, musste es los werden. Shalom

    1. @Am Israel chai
      Sanchez/Spanien, Restle/Deutschland noch schlimmer: WDR nimmt den Journalisten Georg Restle, der permanent gegen Israel hetzt, in Schutz. Jüdische Allgemeine 11.08.2026.

  5. 300 ! So ist es nun mal! Im letzten Jahr marschierten 15000 Antisemiten in Frankfurt auf. Natürlich ist alles was auf ‚Jude‘ in Bekleidung und Schmuck hindeutet in Frankfurt ein Risiko. Das jeder für sich abwägen muss.

  6. Natürlich sollte jeder Mensch jüdischen Glaubens offen eine David-Stern-Kette auf offener Straße tragen dürfen. Leider ist dies nicht der Fall. Das offene Tragen von christlichen Symbolen ist in Deutschland in einen Gegenden gefährlich. Nur das offene Zeigen von muslimischer Religionszugehörigkeit wird in Deutschland mittlerweile offen toleriert.

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