Vor zwanzig Jahren beendete die UN-Resolution 1701 den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah. Für die Bewohner Galiläas bedeutete dies eine längere Phase des Friedens: Ganze 17 Jahre hielt die Waffenruhe, bis sie mit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober ein jähes Ende fand.
Erweiterung des Mandats
Als die Resolution am 14. August 2006 in Kraft trat, war schnell klar, dass ihre Umsetzung schwierig würde. Unter anderem sahen die Bestimmungen die Freilassung zweier israelischer Soldaten, den Rückzug der Hisbollah aus dem Südlibanon und die Entwaffnung aller paramilitärischer Gruppen vor.
Fortan sollte die libanesische Armee dort als alleinige „Hausmacht“ die Kontrolle ausüben. Da die Staatstruppen jedoch als schwach galten, stellten die Vereinten Nationen ihnen UNIFIL-Soldaten an die Seite.
Seit 1978 waren die Blauhelme bereits im Land und sicherten die Demarkationslinie zwischen Israel und dem Libanon. Die Resolution 1701 erweiterte ihr Mandat grundlegend. Die UN-Friedenstruppe sollte nun auch illegale Waffenlieferungen unterbinden und sicherstellen, dass sich keine Terrorgruppen südlich des Litaniflusses aufhalten.
Die Resolution wurde nie vollständig umgesetzt, im Gegenteil: Schon kurz nach Kriegsende rüstete die schiitische Terrormiliz Hisbollah ihr Waffenarsenal massiv auf, mithilfe Syriens und des Irans. Auch die Freilassung der Soldaten ließ auf sich warten. Knapp zwei Jahre später übergab Hisbollah ihre Leichname im Rahmen eines Gefangenenaustauschs.
Trügerische Ruhe
Trotz alledem hielt die Waffenruhe beinahe zwei Jahrzehnte. Zwar kam es immer wieder zu Scharmützeln, wie im August 2021, als die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuerte. Dennoch zogen es beide Seiten vor, den Konflikt nicht weiter zu eskalieren.
Zeitweise schien sogar eine vorsichtige Annäherung möglich. Nachdem eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut mehr als 200 Menschen tötete und über 6.000 Verletzte zurückließ, bot Israel humanitäre und medizinische Hilfe an.
Der damalige israelische Präsident Reuven Rivlin kondolierte. Als Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität mit den Opfern erstrahlte sogar das Tel Aviver Rathaus in den Farben der libanesischen Flagge.
Noch bedeutsamer schien die Festlegung einer gemeinsamen Seegrenze im Mittelmeer zu sein. Im Oktober 2022 unterzeichneten Israel und der Libanon ein historisches Abkommen und beendeten damit einen langjährigen Streit. Der damalige Premierminister und heutige Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) wollte darin gar eine „Anerkennung“ des jüdischen Staates durch den Libanon erkennen.
Nach dem 7. Oktober
Der Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 beendete die Waffenruhe. Zur Unterstützung der Terrorgruppe Hamas begann Hisbollah einen Tag nach dem Massaker mit einem massiven Raketenbeschuss auf israelisches Gebiet. Eigentlich hatte die Miliz sogar einen ähnlichen Überfall auf Nordisrael geplant, den sie aber nicht ausführte.
Der jüdische Staat reagierte mit Gegenschlägen: Im September 2024 tötete ein gezielter israelischer Luftschlag den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Am 1. Oktober marschierte Israel erstmals seit 2006 wieder in den Südlibanon ein.
Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!
Abzug der Blauhelme
Seitdem ist einiges wieder neu in Bewegung geraten und wieder anderes gleichgeblieben: Im Juni 2026 unterzeichneten Israel, der Libanon und die Vereinigten Staaten in Washington ein Rahmenabkommen, das den Weg für einen dauerhaften Frieden ebnen soll. Zum ersten Mal seit den 1980er Jahren führen die beiden verfeindeten Staaten direkte Gespräche.
Dabei bleiben die Kerninhalte im Wesentlichen die gleichen wie zwanzig Jahre zuvor. Der Libanon will, dass Israel sich aus seinem Staatsgebiet zurückzieht. Israel wiederum verlangt, dass die libanesische Armee zunächst die Hisbollah entwaffnet, da die Miliz nach wie vor eine militärische Bedrohung darstellt.
Und die Hisbollah? Die ist nicht Teil der Gespräche, lässt aber verlautbaren, dass sie ihre Waffen erst niederlegen will, wenn Israel sich aus dem Libanon zurückzieht. Damit meint sie jedoch nicht nur den Südlibanon, sondern auch die sogenannten Scheba-Farmen auf den Golanhöhen, die Israel 1981 annektierte. Damit aber stehen die Konfliktparteien wieder vor einer Pattsituation.
Doch eine größere Veränderung gibt es durchaus. Auf Druck der USA und Israels endet im Dezember die UNIFIL-Mission. Die beiden Länder argumentierten, dass es den Blauhelmen nicht gelungen sei, die Resolution 1701, die den Zweiten Libanonkrieg beendete, umzusetzen. Die Kosten für die langjährige Mission stünden in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis.
Unterdessen wird schon über die Schaffung einer neuen internationalen Stabilisierungstruppe verhandelt, die dem libanesischen Staat bei der Durchsetzung seiner Autorität helfen soll. (mw)