Zwanzig Jahre nach dem Zweiten Libanonkrieg: Ungeklärte Fragen

Der Zweite Libanonkrieg wirft einen langen Schatten auf die israelisch-libanesischen Gespräche. Zwanzig Jahre später sind die grundlegenden Fragen immer noch nicht geklärt: Die Entwaffnung der Hisbollah und die Entmilitarisierung des Südens.
Von Israelnetz
Israelische Soldaten nach dem Libanonkrieg 2006

Vor zwanzig Jahren beendete die UN-Resolution 1701 den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah. Für die Bewohner Galiläas bedeutete dies eine längere Phase des Friedens: Ganze 17 Jahre hielt die Waffenruhe, bis sie mit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober ein jähes Ende fand.

Erweiterung des Mandats

Als die Resolution am 14. August 2006 in Kraft trat, war schnell klar, dass ihre Umsetzung schwierig würde. Unter anderem sahen die Bestimmungen die Freilassung zweier israelischer Soldaten, den Rückzug der Hisbollah aus dem Südlibanon und die Entwaffnung aller paramilitärischer Gruppen vor.

Fortan sollte die libanesische Armee dort als alleinige „Hausmacht“ die Kontrolle ausüben. Da die Staatstruppen jedoch als schwach galten, stellten die Vereinten Nationen ihnen UNIFIL-Soldaten an die Seite.

Seit 1978 waren die Blauhelme bereits im Land und sicherten die Demarkationslinie zwischen Israel und dem Libanon. Die Resolution 1701 erweiterte ihr Mandat grundlegend. Die UN-Friedenstruppe sollte nun auch illegale Waffenlieferungen unterbinden und sicherstellen, dass sich keine Terrorgruppen südlich des Litaniflusses aufhalten.

Die Resolution wurde nie vollständig umgesetzt, im Gegenteil: Schon kurz nach Kriegsende rüstete die schiitische Terrormiliz Hisbollah ihr Waffenarsenal massiv auf, mithilfe Syriens und des Irans. Auch die Freilassung der Soldaten ließ auf sich warten. Knapp zwei Jahre später übergab Hisbollah ihre Leichname im Rahmen eines Gefangenenaustauschs.

Trügerische Ruhe

Trotz alledem hielt die Waffenruhe beinahe zwei Jahrzehnte. Zwar kam es immer wieder zu Scharmützeln, wie im August 2021, als die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuerte. Dennoch zogen es beide Seiten vor, den Konflikt nicht weiter zu eskalieren.

Zeitweise schien sogar eine vorsichtige Annäherung möglich. Nachdem eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut mehr als 200 Menschen tötete und über 6.000 Verletzte zurückließ, bot Israel humanitäre und medizinische Hilfe an.

Der damalige israelische Präsident Reuven Rivlin kondolierte. Als Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität mit den Opfern erstrahlte sogar das Tel Aviver Rathaus in den Farben der libanesischen Flagge.

Noch bedeutsamer schien die Festlegung einer gemeinsamen Seegrenze im Mittelmeer zu sein. Im Oktober 2022 unterzeichneten Israel und der Libanon ein historisches Abkommen und beendeten damit einen langjährigen Streit. Der damalige Premierminister und heutige Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) wollte darin gar eine „Anerkennung“ des jüdischen Staates durch den Libanon erkennen.

Nach dem 7. Oktober

Der Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 beendete die Waffenruhe. Zur Unterstützung der Terrorgruppe Hamas begann Hisbollah einen Tag nach dem Massaker mit einem massiven Raketenbeschuss auf israelisches Gebiet. Eigentlich hatte die Miliz sogar einen ähnlichen Überfall auf Nordisrael geplant, den sie aber nicht ausführte.

Der jüdische Staat reagierte mit Gegenschlägen: Im September 2024 tötete ein gezielter israelischer Luftschlag den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Am 1. Oktober marschierte Israel erstmals seit 2006 wieder in den Südlibanon ein.

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Abzug der Blauhelme

Seitdem ist einiges wieder neu in Bewegung geraten und wieder anderes gleichgeblieben: Im Juni 2026 unterzeichneten Israel, der Libanon und die Vereinigten Staaten in Washington ein Rahmenabkommen, das den Weg für einen dauerhaften Frieden ebnen soll. Zum ersten Mal seit den 1980er Jahren führen die beiden verfeindeten Staaten direkte Gespräche.

Dabei bleiben die Kerninhalte im Wesentlichen die gleichen wie zwanzig Jahre zuvor. Der Libanon will, dass Israel sich aus seinem Staatsgebiet zurückzieht. Israel wiederum verlangt, dass die libanesische Armee zunächst die Hisbollah entwaffnet, da die Miliz nach wie vor eine militärische Bedrohung darstellt.

Und die Hisbollah? Die ist nicht Teil der Gespräche, lässt aber verlautbaren, dass sie ihre Waffen erst niederlegen will, wenn Israel sich aus dem Libanon zurückzieht. Damit meint sie jedoch nicht nur den Südlibanon, sondern auch die sogenannten Scheba-Farmen auf den Golanhöhen, die Israel 1981 annektierte. Damit aber stehen die Konfliktparteien wieder vor einer Pattsituation.

Doch eine größere Veränderung gibt es durchaus. Auf Druck der USA und Israels endet im Dezember die UNIFIL-Mission. Die beiden Länder argumentierten, dass es den Blauhelmen nicht gelungen sei, die Resolution 1701, die den Zweiten Libanonkrieg beendete, umzusetzen. Die Kosten für die langjährige Mission stünden in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis.

Unterdessen wird schon über die Schaffung einer neuen internationalen Stabilisierungstruppe verhandelt, die dem libanesischen Staat bei der Durchsetzung seiner Autorität helfen soll. (mw)

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25 Kommentare

  1. Blauhelme und Waffenruhe, der tragische Fehler. Einen Krieg beenden ohne den Feind zu besiegen ist immer ein Fehler.

    1. Boker Tov, Foristen.
      Die Jungs und Mädels auf dem Intro sehen recht glücklich aus, daß sie die Kampfzone verlassen können und abgelöst werden. Anscheinend sind die Kämpfe soweit abgeflaut, daß man wieder rotieren kann.
      Andererseits hat es in der letzten Nacht einige Angriffe der IAF auf ein Gebiet nördlich von Tyrus gegeben, auf ein Areal, in dem Hizbollah unterirdische Einrichtungen unterhält. Dabei hat es wohl mindestens sieben Tote und mehrere Verletzte gegeben.
      Hoffentlich wirkt sich das nicht kontraproduktiv auf die Verhandlungen zur Vereinbarung eines Rahmenabkommens aus, die Anfang September fortgesetzt werden sollen.
      Es würde mich sehr freuen, wenn diese Verhandlungen zum Erfolg führten und die Iran-Proxys endlich aus dem Libanon hinausgedrängt würden.
      Die Quellen für diese Informationen sind WELT
      und TIMES OF ISRAEL.
      SHABBAT SHALOM

  2. Zwanzig Jahre nach dem dem zweiten Libanonkrieg sind Fragen ungeklärt und werden auch niemals geklärt, solange eine Terrororganistion das Sagen hat und seiner Entwaffnung nicht zustimmt. Diplomatische Rahmenabkommen können derzeit daran nichts ändern. Das ist genauso wie in Gaza. Die Menschen, die darunter zu leiden haben, tun mir leid, auch der bedrohte Norden Israels.

  3. Eigentlich weiß ich nicht, woher Israel das Vertrauen in den libanesischen Staat nehmen soll. 80 Jahre lang durfte irgendwer Israel aus dem Libanon angreifen – ungestraft- keine Sanktionen gegen den Libanon wegen Doppelmoral und staatlichem Versagen gegenüber dem jüdischen Staat. Auch wenn ich es für einen Fehler halte Beirut anzugreifen und sich nicht nur auf die Sicherung des Südens zu konzentrieren als Pufferzone und um die Tunnel leer zu räumen und zu zerstören (die terroristische Infrastruktur), so würde ich die Annektion des Südlibanon genauso akzeptieren wie die der Golanhöhen: eine wesentliche Verbesserung der Sicherheit für das jüdische Volk in Israel. *SHALOM

    1. @Nicole Jeanne, eine dauerhafte Annexion oder langfristige Besetzung des Südlibanon nach dem Vorbild der Golanhöhen lehne ich ab.; ein solcher Schritt wäre für Israel selbst nicht ratsam.
      Stattdessen sollte Israel eine Haltung einnehmen, die stark auf diplomatische Durchsetzung gepaart mit militärischer Abschreckung setzt, anstatt auf territoriale Expansion.
      Ein unbefristetes Halten der Sicherheitszone oder gar eine „Annexion“ grenznaher Dörfer ins Spiel bringen, würde Israel enormen außenpolitischen Schaden zufügen, zu einer militärischen Überdehnung führen und die Beziehungen zu westlichen Verbündeten wie den USA und Europa noch weiter gefährden als es jetzt schon ist.

  4. Und fast fünfzig Jahre UNIFIL im Südlibanon haben so gut wie nichts gebracht, eher verschlimmbessert.
    SHABBAT SHALOM

  5. „Eigentlich weiß ich nicht, woher Israel das Vertrauen in den libanesischen Staat nehmen soll. 80 Jahre lang durfte irgendwer Israel aus dem Libanon angreifen – ungestraft- keine Sanktionen“

    Aber Sie erwarten doch das die unschuldigen Palästinenser den Israelis vertrauen sollen, oder? Speziell die aus Gaza. Und hier ist nicht nur die Zeit nach dem 7.10 gemeint.

    1. @ Blub

      Über 1000 Jahre islamische Massaker an Juden. Angefangen von 627 in Medina bis zum 7.10.2023 in Israel. In Marokko, Spanien, Hebron, Irak, Libyen …
      Und die Israeelis dürfen sich nicht verteidigen? Die Doppelmoral von Blub.

      1. Und nicht zu vergessen, dass 2005 der Gazastreifen geräumt wurde. Judenrein gemacht. Aber wie sagte Peres damals: die Palästinenser haben die Möglichkeit ein zweites Honkong oder ein zweites Somalia daraus zu machen. Leider haben sie sich für das zweite Somalia entschieden.

  6. Blub, hier ist aber nicht von Gaza die Rede, sondern vom Libanon.
    Und was Gaza betrifft, so misstrauen die Palästinenser dort inzwischen ihrer Hamas mehr als den Israelis.
    Die Umfrageergebnisse zeigen recht deutlich, daß die Hamas selbst in Gaza an Boden verloren hat.
    Die, wie Sie sagen, unschuldigen Palästinenser, die am 07.10.23 noch so gejubelt haben, jubeln schon lange nicht mehr, die sehen, wer das größte Hindernis auf dem Weg ist, diesen Krieg zu beenden. Und die klugen Köpfe unter ihnen wissen ungeachtet aller Propaganda sehr genau, wer in Wirklichkeit für die vielen Toten und die Trümmerwüste verantwortlich ist, und es werden immer mehr, die es so sehen.
    Und es gelangen immer mehr Nachrichten aus Gaza heraus, die diesen Trend bestätigen.
    Die Palästinenser Gazas sind müde und diesen Krieg, der einen kurzen Anfangstriumph und dann nichts als Tod und Vernichtung gebracht hat, satt, satt, satt ! Israel mag als Paria dastehen, an ihrer eigenen Situation ändert das aber nicht das geringste .

    1. @Klaus
      Das kommt dabei heraus wenn man nur Times of Israel oder die Bild liest.

      „Und was Gaza betrifft, so misstrauen die Palästinenser dort inzwischen ihrer Hamas mehr als den Israelis.“

      1. Sie, Ludovico haben ein mehr als nur von Ihrer Einseitigkeit beschränktes Bild von der Lage dort, Sie waren nie dort, Sie kennen die Mentalität dieser Leute nicht und entnehmen ihre Kenntnisse nur den Ihnen genehmen
        Mainstream-Medien. Und was Sie über meine Informations-und Quellenvielfalt zu wissen meinen, bleibt Ihnen überlassen. Mehr Antwort ist Ihr Kommentar nicht wert.

        1. @Klaus
          Ich war nie dort? So wie echte Journalisten die Israel verweigert um ihre einseitige Hasbara zu pflegen.

          1. Machen Sie sich mal eines klar, Ludovico, die PRESSEWESTE bietet schon seit einiger Zeit keinen Schutz mehr, seit sich Terroristen dieser Tarnung missbräuchlich bedient haben, da braucht es gar keine zu pflegende Hasbara mehr.

          2. @Ludovico
            Oh, Sie haben ein Wort gelernt, das Sie neuerdings immer wieder ge- oder missbrauchen: Hasbara. Ich würde Ihnen ja gerne zugestehen, dass Sie das aus Unwissenheit tun. Aber Sie wissen, dass die Informationen, die von Israel kommen, von unterschiedlichster Seite bestätigt werden, was bei den „anderen“ Seiten nicht der Fall ist. Diese werden mehr oder weniger ungeprüft übernommen und verbreitet. Und irgendwann – wenn überhaupt – werden manche von ihnen korrigiert – aber niemals von denen, die sie zuerst veröffentlicht haben.
            Ja, es ist passiert, dass die IDF falsche Informationen freigibt. Ich habe aber stets die Informationen erhalten, dass diese relativ schnell korrigiert worden sind.
            Merken Sie den Unterschied oder wollen Sie ihn nicht bemerken?

            Seltsam, dass Sie immer wieder die „Hasbara“ anprangern. Aber schauen Sie sich mal die Definition des Wortes an. Wer hat diesem Wort den heute negativen Touch gegeben?

      2. @ Ludovico

        Machen Sie es sich doch einfacher. Schreiben Sie immer: Israel ist an allem schuld.

        1. Gunther, meine Antwort wäre etwas umfangreicher gewesen,aber wäre vielleicht über seinen Horizont hinaus gegangen, also genügt Ihre Empfehlung.
          SHALOM

  7. Blub „Aber Sie erwarten doch das (sic) die unschuldigen Palästinenser den Israelis vertrauen sollen, oder? Speziell die aus Gaza“ Äh ja, wie kommt es nur, dass ich immer noch die jubelnden „unschuldigen Palästinenser in Gaza“ sehe, die vor Freude nicht auskonnten, dass man ihre Nachbarn abmurkst, die Geiseln misshandelt haben und den toten Körper von Shani Louk geschändet haben ? Ich höre immer noch das Gekreisch einer Tiefverschlaierten , die hysterische Youyous von sich gab . Alle so was von unschuldig. Viele Palästinenser aus Gaza haben in den eher linksgerichteten Kibuzzim gearbeitet, sie haben den Terroristen verraten, wo zum Beispiel die Waffen aufgebewahrt werden. Vertrauen, sagen Sie ?

  8. Der Libanon ist schon lange ein christliches Land, demographische Veränderungen hin oder her. Es wird in der Bibel 72 Mal erwähnt. Die christlichen Gemeinden leben unter ständigem Druck, viele in der Diaspora, Argentinien, Brasilien, USA…aber auf diese Weise breitet sich Gottes Wort aus. Unter der Hisbollah wurde der Libanon mehr und mehr destabilisiert, denn diese Terrororganisation will ein muslimisches Gebilde erschaffen. Gott will das nicht und duldet es nicht. Der Libanon liegt innerhalb der Grenzen Israels, d.h. Israel ist verpflichtet, sich seinen Teil zurückzuholen und es wird auch dazu kommen.

    1. @Marita
      „Der Libanon liegt innerhalb der Grenzen Israels,“ Ups, das müssen Sie mir mal erklären.

  9. Dieses Forum beweist wie gut die Hasbara noch funktioniert. Zumindest bei den Leuten aus diesem Forum. Ob es die 730 Mio $ Wert ist ?

    Glaubt ruhig eurer BILD Zeitung. Die schreibt nämlich genau das was ihr lesen wollt. Oh Gott behüte, ihr kommt mal in Kontakt mit wahren Aussagen, die nicht von der TOI oder der BILD stammen.

    1. Oh, keine Sorge, Blub, ich schaue mir auch die die Nachrichten von Al Jazeera an, da findet sich alles , was auch Sie so wiederkäuen, runterschlucken und wieder hochwürgen, um die Prozedur zu wiederholen, bis wirklich nichts als Scheisse übrigbleibt.

    2. @Blub
      Schon wieder lügen Sie. Mehrfach wurde hier von verschiedenen Foristen betont, dass deren Quelle nicht nur Israel-freundlich sind. Mehrfach wurden Sie und andere „Israelgegner“ Lügen überführt aus Quellen, die nicht Israel-freundlich sind. Und so weiter.

      Warum schreiben Sie also so etwas? Damit diskreditieren Sie sich selbst.

      Hasbara: ein neues Modewort. Eine neutrale Bedeutung wird, weil es mit Juden/Zionisten zu tun hat, negativ umgedeutet und benutzt. Das ist – obwohl etliche die inflationäre Nutzung dieses Wortes ablehnen – Antisemitismus.

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