JERUSALEM (inn) – Die ehemalige Geisel Bar Kuperstein hat am Mittwochabend zu mehr als 2.000 Christen aus aller Welt gesprochen. Er stellte sich mit den Worten vor: „Mein Name ist Bar Kuperstein. Ich bin 24 Jahre alt. Und ich bin Überlebender.“ Kuperstein, der am 7. Oktober 2023 von der Hamas verschleppt und 738 Tage in den Tunneln des Gazastreifens gefangen gehalten wurde, sagte: „Wenn Leute das Wort Überlebender hören, denken sie normalerweise an den Holocaust. Lange Zeit habe ich mich nicht als ‚Überlebender‘ gesehen. Doch dann kam mein Großvater zu mir. Er überlebte den Holocaust und steht heute neben mir. Er sagte: ‚Du bist ein Überlebender.‘“
Kuperstein fügte selbstbewusst an: „Erst da habe ich das verstanden. Heute stehe ich hier und sage mit Stolz: ‚Ich bin ein Überlebender.‘ Als ich im Gazastreifen 30 Meter unter der Erde war, schaute mir ein Terrorist in die Augen. Er sagte: ‚Wenn du befreit wirst und zurück nach Israel gehst, so sei dir sicher: Wir werden einen zweiten Oktober ausführen und das nächste Mal werden wir Israel noch stärker treffen.‘ Die Terroristen sagten mir, ich solle Israel verlassen. Innerlich habe ich nur gelacht. Denn ich wusste, dass sie gegen mein Volk keine Chance haben.“
Mit Blick auf einen seiner Vorredner, den Klempner Janiv Hajon, der vor einer Woche den Terroristen beim FlyDubai-Flug überwältigt und das Flugzeug stabilisiert hatte, sagte Kuperstein: „Schaut uns an! Schaut, wie unglaublich wir sind! Ein Klempner überwältigt einen Terroristen und fliegt ein Flugzeug! Das sind wir! Wir sind stark! Wir sind widerstandsfähig! Und wir fürchten uns nicht! Sie haben versucht, uns zu brechen. Doch das haben sie nicht geschafft. Ich bin der festen Überzeugung, dass am Ende das Gute immer siegen wird!“
Den Christen überbrachte der junge Mann eine klare Botschaft: „Deshalb möchte ich, dass ihr mich alle heute hört: Mein Name ist Bar Kuperstein. Ich bin Überlebender. Ich bin Jude. Ich bin Israeli. Ich bin stolz. Und ich fürchte mich nicht.“
Christen für Israel
Die Geiseln waren vom zweiten „Ambassador Summit – 1.000 Pastors United“ (Botschaftergipfel – 1.000 Pastoren vereint) eingeladen. An der Gedenkveranstaltung zum 7. Oktober südlich des Tempelberges nahmen knapp 2.000 Christen aus 117 Ländern teil. Nach Angaben des Veranstalters waren online Menschen aus mehr als 130 Ländern zugeschaltet. Ideengeber des Botschaftergipfels ist Mike Evans, Gründer des „Friends of Zion-Museum“ (Museum der Zionsfreunde).
Evans verlieh den Geiseln sowie dem „Helden des FlyDubai-Fluges“ Janiv Hajon den „Hineni-Preis“. Dieser ist angelehnt an die Worte, Moses, Abrahams, Jeremias und Samuel: „Hineni – hier bin ich. Gebrauche mich!“ Die Auszeichnung erfolgte durch Evans und sein Team an Persönlichkeiten, die sich für Israel, das jüdische Volk, den Kampf gegen Antisemitismus sowie die Stärkung der Verbindungen zwischen Christen und Juden einsetzen.
„Ihr seid nicht allein“
Anlässlich des ansteigenden Antisemitismus nach dem 7. Oktober in aller Welt, sagte Evans an das Volk Israel gewandt: „Ihr seid nicht allein. Wir sind hier, weil wir an die Verheißung an Abraham glauben. Wir glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und stehen deshalb konsequent gegen Antisemitismus ein.“
Auch der amerikanische Pastor Robert Stearns, Direktor der Organisation „Eagles Wings“ (Adlers Flügel), wandte sich an das Publikum: „Jesus ist Jude. Er ist kein Katholik, Protestant oder Baptist. Er wurde als Jude geboren und hat als solcher gelebt. Er wurde als Jude gekreuzigt und wird als Jude zurückkehren. Christen sollen mit Jesaja (62,1) sagen: ‚Um Zions willen werde ich nicht schweigen‘.“
Der Pastor sagte weiter: „Gott ruft seine Verbündeten auf, gegen die unheilige Allianz aus Hass und Tyrannei, aufzustehen. Christen und Juden sollen vereint beisammen stehen. Doch wir wollen nicht nur um unserer selbst willen aufstehen. Und auch nicht nur in Jerusalem. Wir strecken unsere Hand zu den Drusen aus, die in Suwaida leiden. Wir strecken unsere Hand den moderaten Muslimen, die den Abraham-Abkommen beitreten wollen. Wir strecken unsere Hand allen Religionen und Menschen entgegen, die mit uns eine veränderte Zukunft gestalten wollen; eine Zukunft, die Frieden, Freiheit, Toleranz, Freundlichkeit und Würde für jeden Menschen ermöglichen möchten. Dafür haben die jungen Leute auf dem Nova-Festival getanzt. Nach Teheran, Katar, Nigeria, London und New York wollen wir die Botschaft senden: ‚Der schlafende Riese der Kirche ist aufgestanden. Wir stehen zu Zion und an der Seite unserer jüdischen Geschwister.‘“