RIAD (inn) – Saudi-Arabien und die Türkei haben eine Absichtserklärung über den Ausbau des Schienenverkehrs unterzeichnet. Sie wollen stärker in den Bereichen Eisenbahntechnik und Entwicklung zusammenarbeiten. Es gebe zwar noch offene Fragen bezüglich Streckenverlauf, Zeitplan und Finanzierung, doch das Konzept folge der historischen Hedschasbahn, schrieb die „Railway Gazette“ am Montag. Und es umgehe damit Israel.
Demnach unterzeichneten die beiden Länder die Absichtserklärung in der vergangenen Woche in Riad. Dort empfing der saudische Verkehrsminister Saleh Bin Nasser al-Dschasser seinen türkischen Amtskollegen Abdulkadir Uraloğlu (AKP). Die Zusammenarbeit zwischen den Ländern „ist für uns sehr wichtig“, sagte Uraloğlu gegenüber der Presse. „Nach den Kriegen, die in unserer Region stattfanden, sind wir uns einig, dass alternative Transportwege geschaffen werden müssen.“
Die Strecke soll von Gaziantep im Südosten der Türkei bis zur saudischen Stadt Medina verlaufen – über Aleppo und Damaskus in Syrien und Amman in Jordanien. Damit folgt sie dem Streckenverlauf der historischen Hedschasbahn. Erst im April unterzeichneten die Türkei, Syrien und Jordanien ein entsprechendes Memorandum.
Geplant sei auch eine Erweiterung der Strecke in den Oman, schrieb die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“ am Mittwoch. Mit der Etablierung eines Nord-Süd-Korridors entstünde eine Alternative zur Straße von Hormus. Die Meerenge ist seit Beginn des Irankriegs Ende Februar geschlossen, mit spürbaren Auswirkungen auf den weltweiten Handel.
Ankara: Israels Einfluss beschränken
Nach Angaben der türkischen Nachrichtenseite „Türkiye Today“ lobte Handelsminister Ömer Bolat das Projekt. Es werde dem Nahen Osten „Wohlstand, Frieden und Stabilität“ bringen, sagte der AKP-Politiker. Außerdem könne die Kooperation dabei helfen, Israels Einfluss in der Region zu senken.
Im September 2023 hatten Israel und die USA die Schaffung eines Handelskorridors angekündigt, der Indien mit dem Nahen Osten und über Israel mit Europa verbinden sollte. Unter anderem sollte auch dort der Schienenverkehr ausgebaut werden. Das Projekt hing jedoch davon ab, dass Saudi-Arabien und Israel ein Normalisierungsabkommen unterzeichnen, schreibt „Times of Israel“.
Mit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 sind die Verhandlungen mit dem Golfstaat in die Ferne gerückt. Riad hatte erklärt, den Abraham-Abkommen nur dann beizutreten, wenn es Schritte zur Gründung eines palästinensischen Staates gebe, die sich nicht mehr umkehren lassen. Die Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu lehnt diese Forderung jedoch ab. Ein palästinensischer Staat sei für Israel eine „existentielle Bedrohung“, sagte der Likud-Chef im November 2025. (mw)
7 Kommentare
Türkei und Saudi-Arabien wollen die Bahnstrecke bauen. Können sie das auch? Nein.
Bei dem Druck, unter dem Israel durch Hisbollah und Hamas steht, kann es keine Normalisierung geben und schon gar keinen Palästinenserstaat, dessen Hiel die Vernichtung Israels wäre.
Ich werde den politischen Islam nie verstehen, es sind keine Platzhirsche und den Koran siehe Sure 5 Vers 21 kennen sie auch nicht? *SHALOM
Und er zeigte mir einen lauteren Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ging aus vor dem Thron Gottes und des Lammes (Offb 22:1)
Und ein Strom geht von Eden aus, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilt er sich und wird zu vier Flussarmen. (1Mo 2:10 )
Die Türkei verstärkt ihren Einfluss in der arabischen Welt. Nach Syrien. Es gilt auch arabische Vorbehalte gegenüber der muslimbrüderisch-nationalistischen Türkei auszuräumen. Das Projekt soll dazu dienen. Die Türkei ist kein Freund Israels. Bei notwendigen Arrangements mit Erdo dürfte Israel das berücksichtigen.
Die Aufregung wirkt etwas einseitig. War es nicht Benjamin Netanyahu selbst, der den Indien-Mittlerer Osten-Europa-Korridor (IMEC) und die Abraham-Abkommen als Projekt präsentierte, bei dem Israel zum „zentralen Knotenpunkt“ zwischen Asien, dem Golf und Europa werden sollte? Genau dieses Konzept setzte darauf, Israel als unverzichtbare Transitroute der Region zu etablieren.
Wenn die Türkei und Saudi-Arabien nun nach Alternativen suchen, ist das keine Überraschung, sondern normale Geopolitik. Wer versucht, andere zu umgehen oder zu isolieren, sollte sich nicht wundern, wenn diese eigene Wege finden. Man sollte sich daher erst einmal selbst im Spiegel betrachten, bevor man anderen Vorwürfe macht.
Die Türkei verfügt über die geografische Lage, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Bedeutung, um solche Projekte voranzutreiben. Ob man das mag oder nicht – Ankara wird dabei auch künftig eine wichtige Rolle spielen.
Die Türkei ist in erster Linie ein islamischer Terrorstaat, der versucht den ganzen nahen Osten im Sinne eines Großkalifates unter türkischer Vorherrschaft unterwerfen möchte. Die türkische Geschichte des anhalten Völkermordes im In- und Ausland an Jesiden, Aleviten, Aramäern, Yesiden, Orthodoxen, Griechen und Armeniern etc. etc. ist das stille und traurige und bis heute anhaltende Zeugnis dieser von ihnen als normal bezeichneten Politik.
Ömer Bolat: „… Außerdem könne die Kooperation dabei helfen, Israels Einfluss in der Region zu senken.“ Das also ist des Pudels Kern! Im Umkehrschluss heißt das: Die Türkei kann immer mehr die Führungsrolle unter den Muslimen im Orient übernehmen – Erdogans Plan seit Jahren. Wirtschaft dient politischer Einfuss-Möglichkeit. Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein, dass gute Politik gutem Wirtschaften unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten dient?