Meinung

Spitzenposition als Belohnung für journalistisches Fehlverhalten

Mit der Ernennung eines neuen Vizepräsidenten tritt die Internationale Journalisten-Föderation ihre eigenen Grundsätze mit Füßen. Denn der palästinensische Kandidat tat sich in der Vergangenheit durch Falschmeldungen und Mangel an Neutralität hervor.
Von Elisabeth Hausen

Foto: IFJ

Warum die IFJ den Palästinenser für die Position als geeignet ansieht, bleibt ihr Geheimnis

Ein Palästinenser erhält einen von zwei Vizepräsidentenposten bei der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ). Seine palästinensischen Kollegen jubeln. Der Generalinspektor der offiziellen Medien in der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Ahmad Assaf, bezeichnet die Ernennung als „Kulmination aller Kämpfe und Bemühungen von Journalisten über die Jahrzehnte hinweg“.

Es ist verständlich, dass die PA die Wahl von Nasser Abu Baker als Erfolg verbucht. Das geschieht auch anderswo. Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich: Auf diese Ehrung kann nur stolz sein, wer die Prinzipien eines unabhängigen Journalismus ignoriert.

Nasser Abu Baker hat viele Jahre als Korrespondent im Westjordanland für die Nachrichtenagentur „Agence France Presse“ (AFP) gearbeitet. Dabei nahm er es allerdings mit der Wahrheit nicht immer so genau. 2015 behauptete er etwa, während des Gaza-Konfliktes im Vorjahr seien 17 palästinensische Journalisten bei israelischen Angriffen getötet worden. Später stellte sich heraus, dass acht von ihnen Aktivisten oder Presseleute der Terrorgruppen Hamas und Islamischer Dschihad waren. Daraufhin berichtigte die AFP den Artikel ihres palästinensischen Korrespondenten.

Konsequenzen hatte die Falschmeldung für Abu Baker erst einmal nicht. 2016 wurde er in einem anderen Fall für eine Woche vom Dienst suspendiert. Er hatte für den Revolutionsrat der Fatah-Partei kandidiert – und sich gleichzeitig an der Berichterstattung darüber beteiligt. Damit verstieß er gegen den Grundsatz der journalistischen Neutralität.

Schließlich doch von AFP entlassen

Doch die AFP ließ den Palästinenser noch ein paar Jahre gewähren. Erst im März 2021 zog sie die Reißleine und entließ ihn von seinem Posten. Der genaue Anlass dafür wurde nicht bekannt. Das Geschrei war groß, der Schuldige schnell gefunden: Israel.

Der Verband Palästinensischer Journalisten (PJS), dessen Vorsitzender Abu Bakr ist, merkte an, offenbar sei die Agentur unter „israelisches Diktat“ geraten. Sie sprach von einer „willkürlichen“ Maßnahme gegen einen Journalisten mit 20-jähriger Erfahrung und ergänzte: „Diese Entscheidung folgte auf wiederholte Hetzkampagnen gegen Abu Baker wegen seiner Standpunkte und seiner Aktivitäten als Vorsitzender des Verbandes.“ Der Verband rief die PA auf, der AFP unverzüglich die Akkreditierung zu entziehen.

Die Nachrichtenagentur wies den Vorwurf der Beeinflussung zurück: „Die AFP ist weder von den palästinensischen noch von den israelischen Behörden unter Druck gesetzt worden bezüglich ihrer Entscheidung, den Journalisten Nasser Abu Bakr zu entlassen.“ Die Trennung von ihm habe ausschließlich professionelle Gründe. Die Entscheidung sei „nach mehreren Monaten eines fruchtlosen Austausches mit ihm“ gefallen. Dem Journalisten warf sie vor, eine „Schmierenkampagne“ gegen die Agentur zu führen. „Sie sieht bestimmte Äußerungen als inakzeptable Aufhetzungen zur Gewalt gegen ihr Personal an, was nach palästinensischem Gesetz strafbar ist.“

Auf die Idee, dass eine solche Entlassung einen anderen Grund haben könnte als „israelischen Druck“, scheint auf palästinensischer Seite niemand zu kommen. Nach der Ernennung hob Generalinspektor Assaf hervor, die israelische Besatzung wolle die Arbeit palästinensischer Journalisten verhindern. Doch diese gäben nicht auf und jagten weiter nach Beweisen für die „Verbrechen der Besatzung“. Aus seiner Sicht ist es offenbar die Hauptaufgabe von Journalisten im Westjordanland, „israelische Verbrechen“ aufzudecken – und nicht, über relevante Ereignisse aller Art zu berichten.

Wahl widerspricht guten Vorsätzen des Verbandes

Nun stellt sich die Frage, was für eine Organisation einen Journalisten mit dieser Vorgeschichte zum Vizepräsidenten ernennt. Die IFJ mit Sitz in Brüssel ist nach eigener Aussage der weltweit größte Journalistenverband. Sie vertritt demnach 600.000 Medienschaffende von 187 Gewerkschaften und Verbänden in mehr als 140 Ländern. Auffälligerweise gehört Israel – im Gegensatz zu „Palästina“ – nicht zu diesen Ländern. Hingegen sind Journalistenverbände aus dem Iran und Syrien in der Organisation vertreten.

Die Internationale Journalisten-Föderation betont auf ihrer Webseite, sie lehne Diskriminierung aller Art ab. Sie „verurteilt den Gebrauch von Medien als Propaganda oder zur Förderung von Intoleranz und Konflikt“. Weiter heißt es: „Unsere Föderation schließt sich keiner politischen Weltanschauung an, sondern fördert kollektives Handeln, um Menschenrechte, Demokratie und Medienpluralismus zu verteidigen.“

Doch mit der Wahl Abu Bakers widerlegt sich die Organisation selbst. Denn sie kürt einen Journalisten zum Vizepräsidenten, der sich mit Falschmeldungen und dem Verzicht auf Neutralität alles andere als empfohlen hat. Was ihn dann noch für das neue Amt qualifiziert, wissen die Wahlberechtigten der IJF möglicherweise selbst nicht. Oder sie haben ihn gerade deshalb gewählt, weil er von der AFP wegen angeblichen „israelischen Druckes“ verstoßen wurde.

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4 Antworten

  1. Die Mächte der Finsternis haben weltweit nur ein Ziel, all das was dem allmächtigen Gott wichtig, lieb und heilig ist, schlecht zu machen. Diese Entscheidung ist ein deutliches Zeichen dafür. Wir herrlich zu wissen, dass Jahwe mit seinem geliebten Volk und der Gemeinde dennoch zum Ziel kommt, auch wenn es zeitweise nicht so aussieht. L. G.Martin

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  2. “Falschheit und Lüge lass ferne von mir sein, …”

    Wenn ein Journalist dieser Ansicht ist (Sprüche 30,8) hat er leider keinen leichten Job.

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