Erntete wegen seiner Rede in Hebron Kritik von verschiedenen Seiten: Premierminister Netanjahu, hier mit seiner Frau Sara

Erntete wegen seiner Rede in Hebron Kritik von verschiedenen Seiten: Premierminister Netanjahu, hier mit seiner Frau Sara

Netanjahu: „Hebron wird nicht judenrein sein“

90 Jahre nach einem arabischen Massaker an Juden in Hebron hält erstmals ein israelischer Premier eine öffentliche Ansprache in der Stadt. Palästinensische Vertreter reagieren empört.

HEBRON (inn) – Zahlreiche hochrangige israelische Politiker haben am Mittwoch in Hebron eines Massakers von vor 90 Jahren gedacht. Im August 1929, während der britischen Mandatszeit, hatten Araber in der Stadt 68 Juden ermordet. An unterschiedlichen Gedenkveranstaltungen nahmen unter anderem Staatspräsident Reuven Rivlin, Premierminister Benjamin Netanjahu und Knessetsprecher Juli Edelstein teil. Mit Netanjahu hielt laut israelischen Medienberichten erstmals in der Geschichte ein amtierender israelischer Regierungschef eine öffentliche Ansprache in Hebron.

„Wir kommen nicht, um irgendjemanden zu vertreiben, lassen uns aber auch selbst nicht vertreiben“, erklärte Netanjahu in seiner Rede direkt vor dem Grab der Patriarchen, in der laut Tradition unter anderem Erzvater Abraham ruhen soll. „Hebron wird nicht judenrein sein“, sagte der Premier außerdem und nutzte dabei das deutsche Wort aus der Zeit des Nationalsozialismus. Er lobte jene Araber, die 1929 ihr Leben riskiert hätten, um Juden zu retten.

Rivlin betont historischen Anspruch

Staatspräsident Rivlin betonte bei einer anderen Veranstaltung den historischen Anspruch der Juden auf Hebron. „Unser Recht auf dieses Land ist gerecht und auf moralische Weise erworben“, nahm er auf die biblische Überlieferung Bezug, nach der Abraham die Höhle Machpela einst kaufte, die heute als Grab der Patriarchen bekannt ist. Bis 1929 habe es in der Stadt durchgehend jüdische Besiedlung gegeben. Hebron sei „kein Friedenshindernis, sondern ein Test auf unsere Fähigkeit zusammenzuleben“, erklärte Rivlin weiter. Er sprach sich für den Bau neuer Stadtteile aus: Israel müsse sicherstellen, dass Hebron und die israelische Siedlung Kirjat Arba „wachsen und gedeihen“.

Vor Netanjahus Rede hatten Knessetsprecher Juli Edelstein und Kulturministerin Miri Regev, beide Parteikollegen des Premiers, gefordert, die israelische Souveränität auf Hebron auszuweiten. Netanjahu hob in seiner Rede vergangene Entscheidungen zugunsten der jüdischen Einwohner Hebrons hervor, stimmte aber nicht in die Forderungen seiner Parteifreunde ein und kündigte auch sonst keine weiteren konkreten Maßnahmen in Hebron an. Vertreter des Rechtsbündnisses „Jamina“ reagierten enttäuscht auf den Auftritt des Premiers.

PA zieht Vergleich zu Scharons Tempelberg-Besuch

Kritik kam jedoch auch von links. Netanjahu versuche „auf verachtenswerte Weise“ politisches Kapital aus dem Massaker zu schlagen, meinte etwa der Anführer der Liste „Demokratisches Lager“, Nitzan Horovitz. Die Palästinensische Autonomiebehörde warf Netanjahu ein Wahlkampfmanöver vor den am 17. September anstehenden Knesset-Neuwahlen vor. Das Religionsministerium zog einen Vergleich mit dem Tempelberg-Besuch Ariel Scharons im Jahr 2000, der als Auslöser für den Ausbruch der sogenannten Zweiten Intifada gilt. Netanjahu ziehe die Region „in einen Religionskrieg“. Die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, dass es im Stadtzentrum am Mittwoch lediglich zu offenbar kleineren Auseinandersetzungen zwischen der Armee und palästinensischen Jugendlichen kam, die Steine geworfen hatten.

Hebron gehört zu den umstrittensten Städten im israelisch-palästinensischen Konflikten. Hier leben etwa 200.000 Palästinenser und etwas weniger als 1.000 Juden. 1997 wurde eine Zweiteilung der Stadt vereinbart. Etwa 80 Prozent werden seitdem von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert, der andere Teil vom israelischen Militär. Auch der Machpela-Komplex selbst hat einen jüdischen und einen islamischen Teil. 1994 erschoss der radikale Israeli Baruch Goldstein hier 29 Muslime.

Von: ser

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