Gewalt im Westjordanland: Zwei israelische Appelle an Trump

US-Präsident Trump erhält zwei Briefe von israelischen Veteranen-Organisationen. In beiden geht es um den Umgang mit Gewalt im Westjordanland.
Von Israelnetz

JERUSALEM / WASHINGTON (eh) – Eine Gruppe Veteranen der israelischen Armee und anderer Sicherheitsdienste hat sich in einem Brief an US-Präsident Donald Trump gewandt. Sie fordern den Republikaner auf, zur Korrektur eines „verzerrten Bildes“ zur Gewalt im Westjordanland in der internationalen Öffentlichkeit beizutragen.

Die Veteranen gehören zu „Israels Verteidigungs- und Sicherheitsforum“ (IDSF). Sie reagieren mit ihrem Appell auf einen Brief, den eine andere Gruppe zuvor ebenfalls an Trump geschickt hatte: die „Kommandeure für Israels Sicherheit“ (CIS). Dies berichtete die „Jerusalem Post“ am Montag.

Der Generalmajor im Ruhestand Matan Vilnai schrieb in dem Brief der CIS: „Wenn sie nicht schleunigst und entschieden gestoppt wird, läuft es darauf hinaus, dass eskalierende Gewalt im Westjordanland die Region entflammt und ernsthafte Auswirkungen sowohl auf die israelische Sicherheit als auch auf regionale Interessen der USA hat“.

„Nur Trump kann Unheil abwenden“

Nach Einschätzung der Organisation könne niemand außer Trump „dieses Unheil abwenden“. „Während unsere Sicherheitskräfte sich beim Umgang mit der Hamas und anderen palästinensischen Terrorgruppen im Westjordanland hervortun, halten sie sich sehr zurück, wenn es um jüdische Terroristen geht. Es ist kein Geheimnis, dass gewisse Mitglieder unserer aktuellen Regierung einen großen Teil des Chaos instrumentalisieren, unter anderem, indem sie ihre Anhänger – die bewaffnet und von messianischen Impulsen getrieben sind – vor dem Recht und seiner Umsetzung schützen.“

Bezüglich der Regierungsmitglieder wurden keine Namen genannt. Die Nachrichtenseite „Times of Israel“ vermutet jedoch, dass unter anderen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir (Jüdische Stärke) und Finanzminister Bezalel Smotritsch (Religiöser Zionismus) gemeint sind.

In dem Schreiben heißt es weiter: Sollte der Anstieg an „jüdischem Siedlerterror und die Politik des Abwürgens der Palästinensischen Autonomiebehörde (finanziell und anders)“ weitergehen, könnten die Folgen „noch katastrophaler sein als die Gräueltaten der Hamas am 7. Oktober und ihre negativen Folgen an vielen Fronten“.

Die Veteranen fordern Trump auf, Druck auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) auszuüben, damit er sich jüdischen Extremisten entgegenstellt. Zudem solle er dazu gebracht werden, Regierungsvertreter daran zu hindern, sich in die Bemühungen um Strafverfolgung einzumischen. Die Angriffe könnten die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) weiter schwächen und somit das Westjordanland in Brand setzen, fügten die CIS hinzu.

IDSF: Gewalt auf beiden Seiten verurteilen

Der IDSF-Vorsitzende Eres Winner bemängelt laut „Jerusalem Post“ in seinem Brief, die CIS zeigten ein verzerrtes Bild von Gewalt, an der israelische Siedler beteiligt seien. Seine Organisation hingegen verurteile Gewalt von Israelis oder Palästinensern und spreche sich für eine starke Polizeiaktion aus.

Der Ausdruck „Siedlergewalt“ sei zu einer politischen Kampagne geworden, um mehr als eine halbe Million israelische Bewohner des Westjordanlandes kollektiv für die Taten eines kleinen Randgruppe verantwortlich zu machen. Die IDSF weist darauf hin, dass internationale Gremien und israelische Menschenrechtsgruppen
auch zivile Aktivität oder Routineprozeduren unter „Gewalt“ listeten. Dazu gehörten israelische Sicherheitskontrollen und jüdische Besuche auf dem Tempelberg. Auch Ausflüge in umstrittene Gebiete, die „kein Element von Gewalt“ enthielten, würden unter dieser Kategorie einsortiert.

Der Fokus auf „Siedlergewalt“ lenke von der Gefahr ab, die von palästinensischem Terror und iranischen Versuchen ausgehe, den Einfluss im Westjordanland zu vergrößern. „Herr Präsident, Sie wussten immer zwischen Wahrheit und alternativen Fakten zu unterscheiden“, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben.

Beschwerden erwiesen sich als falsch

Ein weiterer Kritikpunkt der ehemaligen Offiziere und Kommandeure betrifft die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe: Mehr als die Hälfte der Beschwerden, die von Organisationen eingereicht worden seien, habe sich später als absichtlich falsch erwiesen.

Als Beispiel bringt die IDSF einen Vorfall vom Februar: Ein Brand in einem Schafstall sei ursprünglich Siedlern angelastet worden. Dann hätten Ermittlungen ergeben, dass das Feuer durch eine illegale elektronische Konstruktion ausgelöst worden, die der palästinensische Besitzer installiert hatte. Die anfängliche Annahme habe zur internationalen Überzeugung beigetragen, dass das Feuer Teil eines Musters von Angriffen sei.

Winner nennt unter anderem die israelischen Organisationen Jesch Din, B’Tselem und Breaking the Silence. Diese erhielten hohe Geldsummen von europäischen Regierungen und den Vereinten Nationen. Sie wollten die Legitimität der Siedlungen im Westjordanland schwächen: Vertreter, die 2005 den Abzug aus dem Gazastreifen unterstützt hätten, nutzten nun Einzelfälle israelischer Gewalt, um eine ähnliche Politik im Westjordanland zu fördern. (eh)

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15 Kommentare

  1. Das Wort „Siedlergewalt“, reine Propaganda gegen Israel. Der palästinensische Terror, eine bittere Realität.

  2. Sehr interessant, von dem zweiten Brief hatte man bislang nichts gehört… Man stelle sich vor, eine Gruppe von Einwohnern aus Gaza schreibt an Trump und bittet ihn, gegen die Gewalt der Hamas vorzugehen…aus WJL kommt ein Brief mit der Bitte, den korrupten Abbas abzusetzen..;na ja, man wird ja noch träumen dürfen.

    1. Sie scheint es ja überhaupt nicht zu interessieren, wie die Verfasser des Briefes, durch die ISDF, delegitmiert werden. Unterdrückung der kritischen Stimmen? Der Versuch zur guten Darstellung der aggressiven Siedler.

      Aber die Palästinenser schlecht machen, da sind Sie natürlich ganz vorne mit dabei.

      1. „Aber die Palästinenser schlecht machen, da sind Sie natürlich ganz vorne mit dabei“ : Blub @ da brauchen die mich nicht dazu, das schaffen die ganz alleine.

  3. Nein, Albert, so einfach ist das nicht.
    Viele dieser Angriffe durch die Hügeljugend und illegale Siedler sind mit Beweismitteln wie Videos untermauert ebenso häufig wie die Attacken von Palästinensern. Beides unterscheidet sich kaum voneinander.
    Richtig sind sowohl die Beschwerden der CIS als auch die der IDSF. Alles andere, alle E einseitigen Schuldzuweisungen sind zu billig, wenn man berücksichtigt, daß sogar vielen, den meisten Israelis dieses Treiben ein Dorn im Auge ist,auf der anderen Seite auch vielen palästinensischen Bewohnern des WJL, was nur nicht so deutlich wahrgenommen wird.
    Diese Medaille hat nicht nur Kopf, sondern auch Zahl.
    Und meinen Leuten, die sich darüber Gedanken machen und über diesen Teil der Politik des Likud verärgert sind, glaube ich eher als jeder Meinung von ausserhalb, da sie nicht weit vom WJL entfernt leben, nämlich in der Mitte des Flaschenhalses. Da haben Nachrichten über solche Zwischenfälle schnelle Beine. Was Smotrych und Ben Gvir betrifft, so haben Cousins und Neffen von mir deren Leute schon vor die Tür gesetzt wegen aggressiver Wahlwerbung,und zwar gestern, am 28.07.
    Von den anderen Parteien kennt man das nicht.
    Diese Shmockim werden immer unverschämter. Soviel dazu.
    SHALOM

    1. @Klaus
      Leider ist so einfach. Gewalt der Siedler ist zu verurteilen. Die Gewalt der Palästinenser, Schwangere Frauen und Kinder abschlachten, hat eine andere Qualität.

      1. Albert, ich bin mindestens jedes zweite Jahr für eine oder mehrere Wochen in Israel, erzählen Sie mir bitte nicht, was einfach da unten ist oder nicht. Da unten ist nichts einfach, auch nicht Gut und Böse, schwarz oder weiß, die Welt dort ist grau, in unterschiedlichen Schattierungen, und kein
        Außenseiter, auch nicht Ihr Bischof, weiß das besser als die Bewohner,Juden wie Moslems, die dort leben und irgendwie miteinander zurechtkommen müssen.
        SHALOM

        1. @Klaus
          Jitzchak Rabin, Ariel Sharon, die Israelis haben immer versucht und müssen immer wieder versuchen mit den Palästinensern in Frieden zu leben. Aber wollen die Palästinenser Frieden?

          1. Der große Yitzhak Rabin wurde von einem Juden ermordet, und der dicke Ariel hat mir zu oft das Hemd gewechselt, und dafür wird er sich in Jehoshafat verantworten müssen.
            SHALOM

        2. @ Klaus. Shalom, Klaus. Es stimmt, da unten ist nichts einfach. Und auch nicht nur schwarz oder weiß.

          Ich hoffe, die Nichten, Neffen und Anverwandten, die in der IDF dienen, sind alle noch unversehrt und gesund.

          Liebe Grüße

          Eleonora

          1. Boker Tov, Eleonora, ja, sie sind alle gesund und munter. Nicht ganz unversehrt, mein ätester Neffe hat neue Zähne und meine zweitjüngste Nichte geht mit einer Splitternarbe am linken Oberarm durchs Leben, aber mit ungebrochener Zuversicht. Danke der Nachfrage. Möge der Ewige für die Zukunft Besseres bereithalten.
            SHABBAT SHALOM

  4. In den deutschen Medien heißt es lapidar, der IDF ließe die gewaltbereiten Siedler gewähren?! Was soll ich davon halten? In der jüdischen Allgemeine steht Siedler hätten nach dem Tod von 2 Israelis 2 Moscheen angezündet und mit hebräischen Graffitis versehen. Der IDF köne die Täter bisher nicht ermitteln. Israelis haben in Briefen die Gewalt der Siedler verurteilt und halten es für gefährlich sie gewähren zu lassen. Das Thema ist also auch in Israel unbeliebt. Der IDF hat erst vor Wochen die Siedlergewalt angeprangert.

  5. @ Klaus.
    Danke für die schnelle Antwort. Es freut mich, dass alle zwar mit Blessuren, aber trotzdem mit Zuversicht weiter durch das Leben gehen, und dass nichts schlimmeres passiert ist.

    😊

    1. Eleonora, was geschehen ist, ist geschehen, und das ist schlimm genug, wir sollten darauf hinarbeiten, daß es nicht noch schlimmer wird, wenn wir es schon nicht verbessern können.
      SHABBAT SHALOM

  6. Aha, Kommentar nicht veröffentlicht. Daß Israelis ihrem eigenen Land schaden ist schon bizarr. Linksliberal eben. Website ist erledigt.

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