Der 27. Juni 1976 und die Woche danach haben sich fest ins Gedächtnis des Landes Israel gebrannt. Palästinensische Terroristen der PFLP-EO sowie zwei deutsche linksextreme Terroristen entführten ein Passagierflugzeug der Air France auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris. Der Deutsche Wilfried Böse nahm dabei eine Selektion zwischen Juden und Nicht-Juden vor, was in der Welt düstere Erinnerungen an die Konzentrationslager der Nationalsozialisten weckte. Die Entführung und die spektakuläre Befreiung durch israelische Soldaten jährt sich nun zum 50. Mal.
Das Flugzeug des Typs A300 war am 27. Juni 1976 auf dem Weg von Tel Aviv über Athen nach Paris aufgebrochen. An Bord befanden sich 258 Fluggäste sowie zwölf Besatzungsmitglieder. Kurz nach dem Start in Athen wurde die Maschine entführt. Die deutschen Terroristen sonderten von den 253 Passagieren 77 israelische sowie fünf weitere Geiseln aus. Manche Geiseln wurden aufgrund ihres vermeintlich jüdischen Namens – teilweise fälschlich – als Juden identifiziert.
Diese erste Selektion von Juden und Nichtjuden nach dem Holocaust löste weltweit Entsetzen aus. Der Grünen-Politiker Joschka Fischer sagte 2001 in einem Interview, dass sie für ihn ein entscheidender Faktor gewesen sei, selbst von Gewalt und Militanz Abstand zu nehmen: „Wir erkannten allmählich, dass diejenigen, die mit der Abkehr von der Elterngeneration als Antifaschisten begonnen hatten, bei den Taten und der Sprache des Nationalsozialismus gelandet waren.“
Mit der Flugzeugentführung sollte die Freilassung von 53 Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz erpresst werden; außerdem forderten die Entführer 5 Millionen US-Dollar von der französischen Regierung.
Das entführte Flugzeug wurde zum Flughafen Bengasi in Libyen umgeleitet, wo es sich mehr als sechs Stunden aufhielt. Am Morgen des 28. Juni landete die Maschine auf dem Flughafen Entebbe, dem damaligen Regierungssitz Ugandas. Hier schlossen sich den vier Entführern weitere bewaffnete Kämpfer der PFLP-EO an.
In „Operation Jonathan“ umbenannt
Für die Befreiungsaktion sammelten das israelische Militär und der Auslandsgeheimdienst Mossad zunächst mehrere Tage lang Informationen. Die Israelis übten den Eingriff in einer nachgebauten Halle. Am 4. Juli dann flogen mehrere israelische Flugzeuge nach Entebbe. Die Eingreiftruppe von 29 Mann stand unter der Leitung von Oberstleutnant Jonathan Netanjahu, dem älteren Bruder des heutigen israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu.
Die Israelis fuhren, eine Wagenkolonne des Diktators Idi Amin mit einer Staatskarosse imitierend, zum Hauptgebäude, es kam zum Feuergefecht mit ugandischen Truppen. Doch die Israelis stürmten erfolgreich das Flughafengebäude. Dabei wurde Jonathan Netanjahu erschossen.
Die mit ugandischen Uniformen verkleideten israelischen Kämpfer drangen in das Hauptgebäude ein, in dem die 105 Geiseln festgehalten wurden. Sie erschossen alle sieben Geiselnehmer. Außerdem kamen drei Geiseln und mindestens zwanzig ugandische Soldaten ums Leben. Um den anschließenden Abflug mit den befreiten Geiseln zu schützen, zerstörte das israelische Kommando elf ugandische Kampfjets.
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Die Operation trug in Israel ursprünglich den Namen „Donnerschlag“ oder auch „Operation Entebbe“, sie wurde jedoch nachträglich zu Ehren des Kommandanten Netanjahu in „Operation Jonathan“ umbenannt. Zudem tragen in Israel mehrere Dutzend Schulen, Parks und andere öffentliche Einrichtungen seinen Namen.
Diktator empfing Unterstützer der Terroristen
Weil die Maschine auf dem Rückflug nach Israel einen Zwischenstopp in Kenia machte, warf der ugandische Diktator Amin dem ostafrikanischen Land anschließend die Unterstützung Israels vor; er soll mehrere hundert in Uganda lebende Kenianer ermordet haben lassen. Die ugandischen Militärs und Sicherheitskräfte hingegen, die den palästinensischen Terroristen unterstützt hatten, begrüßte Amin nach ihrem Eintreffen persönlich.
Der Diktator hatte ursprünglich gute Beziehungen zu Israel, er war mit einem israelischen Militärattaché befreundet und wurde von den israelischen Streitkräften zum Fallschirmjäger ausgebildet. Doch er änderte seinen Sinn.
Geisel ermordet
Während der Geiselnahme blieb der 74-jährigen Israelin Dora Bloch ein Stück einer Mahlzeit in der Speiseröhre stecken. Sie wurde am Abend des 2. Juli auf ärztlichen Rat in ein Krankenhaus in Kampala gebracht. Zwei Tage später wurde sie auf Befehl Amins entführt und ermordet.
Noch heute erinnert eine Gedenktafel am Flughafengebäude in Entebbe an die Operation. Die als fliegende Kommandozentrale genutzte Boeing 707 steht im Museum der israelischen Luftwaffe.
43 Jahre später: Erste Landung einer El-Al-Maschine
Am 40. Jahrestag der Entführung, 2016, besuchte Premierminister Benjamin Netanjahu den Tatort und erinnerte in seiner Rede an die Rettungsmission. „Ich bin bewegt, hier an diesem Ort zu stehen, genau an dem Ort, wo mein Bruder Joni, der Kommandeur der Sondertruppeneinheit, getötet wurde, während er die Truppe anführte, die den alten Terminal stürmte, die Terroristen überwältigte und die Geiseln befreite“, sagte er. Netanjahu lobte den damaligen Regierungschef Jitzhcak Rabin „für die Führungsqualität, die er zeigte, als er die schicksalhafte Entscheidung traf, die Operation zu beginnen“.
Im Februar 2019 landete zum ersten Mal seit der „Operation Jonathan“ wieder eine El-Al-Maschine in der ehemaligen ugandischen Hauptstadt. An Bord waren 230 Touristen aus Israel.
Der französische Pilot der entführten Air France-Maschine, Michel Bacos, erhielt während der Geiselnahme die Chance, das Flugzeug mit anderen nicht-jüdischen Passagieren zu verlassen. Er entschied sich jedoch, bei den jüdischen Geiseln zu bleiben und wurde danach als Held gefeiert. Bacos starb im März 2019 im Alter von 95 Jahren.
30 Kommentare
Eine der erfolgreichsten und ruhmreichsten
israelischen Operationen .
Neueren Informationen von Herrn Kellerhoff von WELT zufolge tat sich bei dieser Kampagne auch der spätere Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener als Ein-Mann-Scout hervor, indem er laufend Informationen an die Israelis weitergab, basierend auf seinen Beobachtungen, was eine der Erklärungen für die Präzision der Befreiungsaktion sein mag.
Den Piloten der entführten Maschine, Michel
Bacos betreffend hoffe ich, daß ihm für die Zukunft die Ehre eines Gerechten unter den Völkern zuteil wird und er seinen Baum im Garten der Gerechten erhält .
SHALOM
Klaus @ das war in der Tat ein hochinteressanter Artikel . Die Rolle von Ulrich Wegener war mir bislang nicht bekannt, man lernt halt immer noch dazu.
General Ulrich Wegener war der erste Kommandeur der GSG 9, also seit November 1972, als er die Antiterroreinheit GSG 9 aufbauen sollte. Dies geschah mit der Unterstützung der Sayeret Matkal. Zu der Zeit von Operation Thunderbolt war er Oberstleutnant. In seiner Biographie „GSG 9 – Stärker als der Terror“ ist der Operation ein Kapitel gewidmet. Darin erzählte er seine Erlebnisse und daß er zur Tarnung als Brite auftrat und daß er verletzt wurde.
Ein spannendes Buch.
Bernd, das ist richtig.
Verbindungen von Wegener zu den Israelis bestanden schon vor der Katastrophe von München, danach forcierte er die Zusammenarbeit. Aber die Veröffentlichung seiner Rolle in Entebbe sollte erst nach seinem Tod erfolgen. Das ist augenscheinlich auch tatsächlich 2018 geschehen, ein Jahr nach seinem Tod.
SHABBAT SHALOM
Da fällt mir die Entführung von der Scheersberg A ein.
@Blub
Ja, ein Genie Stück des Mossad! 🙂
Super geantwortet, lieber JK. Ich habe das damas altersbedingt nur am Rande mitbekommen, wobei an Wegener GSG 9 später Interesse bestand. Sowas hatten wir in der BRD zuvor nicht.
Jonathan N. wurde zum Volkshelden und viele Juden, las ich, benannten ihre Kinder nach ihm. Sei lieb gegrüsst. Shabbat Shalom
@Blub
Verstehe ich Sie richtig, dass die Entführung der A300 1976 rechtmäßig gewesen ist?
@ B. Uranoxid? Besser nach Israel, als in Terrorhände.
@ Blub
: „Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis
sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden
sprechen: „Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt.
Komm und töte ihn!“ Nur der Gharkad-Baum[16] wird dies nicht tun, denn er ist ein
Baum der Juden.“ (nach den Hadith-Sammlungen des al-Buchari und Muslim[17]
Aus der Charta der Hamas.
Ja, und wer versteckt sich jetzt tief unter den Steinen und tief unter den Wurzeln der Bäume und die Löcher im Boden und in den Kellern der Häuser rufen den Juden zu ,,Hier ! Hier sind sie drin, die Mörder, die den heiligen Boden schänden, in den sie sich eingraben ! Vernichtet sie, auf daß sie euch nicht vernichten oder den heiligen Boden weiter schänden !“
SHALOM
Danke Herr Schumacher für den Artikel. Als damals 18jährige realisierte ich noch nicht so sehr wie heute, dass die beiden Wortführer dieser abscheulichen Tat, deutsche Linksextremisten waren. Somit bleibt Judenhass unumwunden mit der deutschen Geschichte verbunden. Deutsche machen sich mit palästinensischen Terroristen gemein. Bis heute.
Es muss ein Schock für deutsche Juden gewesen sein nach dem Holocaust erkennen zu müssen, dass wieder Deutsche bereit waren, jüdisches Leben auszulöschen.
Es tut mir für Nethanjahu sehr leid, dass er bei dieser sehr mutigen und waghalsigen Aktion der Befreiung von israelischen Geiseln seinen Bruder verlor. 🙏🇮🇱
„Deutsche machen sich mit palästinensischen Terroristen gemein. Bis heute.“ Deutsche Terroristen, Ella, wenn ich bitten darf !!!! Ich bin Deutsche und mache mich mit keinem Terroristen gemein, woher auch immer, und ganz bestimmt nicht mit Antisemiten. Diese Pauschalurteile sind unerträglich, ich habe mich schon mit einem anderen Foristen darüber gefetzt. Für die, die nicht über den Tellerrand schauen können : französische; spanische, italienische, japanische, nord-und südamerikanische Terroristen , meist von linker Seite,haben sich mit palästinensischen Terroristen gemein gemacht. Es reicht mir langsam mit dem German-Bashing.
@ Antonia:
Als deutsche Nicht-Israelin und Nicht-Jüdin gebe ich Ella unumwunden recht. Sie schrieb nicht „alle“ Deutsche. Meiner Meinung nach aber viel zu viel zu viele. Meiner Meinung nach erbärmlich, bedauerlich und unverzeihlich angesichts unserer Geschichte. Und von unseren Politikern bzw. Entscheidungsträgern unglaublich feige, dem Antisemitismus in diesem Land nicht Einhalt zu gebieten.
Ich schätze Ihre Beiträge und hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich den Standpunkt von Ella teile.
Ella ist allerdings eine so bezaubernde Person, dass ich mir vorstellen könnte, Sie teilt Ihnen noch „Viele, zu viele, aber nicht Antonia“ mit. 😉
@Emma
Danke. Du hast verstanden, wie ich es gemeint habe. 👍🏻🤗☀️🥵
@antonia
Vergessen Sie die „klammheimliche Freude“ der vielen angeblich guten Deutschen nicht, wenn es gegen Israel und Juden geht!!! Damals, wie heute…
@Antonia
Ich betreibe kein German-Bashing und ich möchte mich überhaupt nicht mit dir fetzen. Ich habe nicht „die Deutschen“ und auch nicht „alle Deutschen “ geschrieben. Die zwei deutschen haben sich als Wortführer mit den pal. Terroristen gemein gemacht. Und Deutsche, die heute dauernd gegen Israel wettern, mit Kufyas demonstrieren und das sogar im dt. Plenarsaal, diejenigen die finanziell Hamas unterstützen, machen sich auch heute mit den Terroristen gemein. Keiner von uns gehört dazu und selbstverständlich niemals ALLE Deutschen. Von einem Bashing kann gar keine Rede sein.
Liebe Grüße und gut Schabbes, Ella
Klaus @ das war in der Tat ein hochinteressanter Artikel . Die Rolle von Ulrich Wegener war mir bislang nicht bekannt, man lernt halt immer noch dazu.
Schlimme Ereignisse sollten immer im kollektiven Gedaechtnis bleiben, um ein Verblassen der Erinnerung an sie zu verhindern. Der tapfere Pilot soll auch im kollektiven Gedächtnis bleiben und nicht vergessen werden.
Ich wusste es bis zu jenem Artikel auch nicht, aber Kellerhoff schrieb dazu, daß die Israelis, aber auch Wegener selbst, übereinstimmten das nicht jedem unter die Nase zu reiben, sondern nur ausgesuchten Leuten.
Die israelischen Militärs haben das erst nach Wegeners Tod im Jahr 2017 bestätigt ,und nur auf Anfrage von WELT.
SHALOM
Man lernt halt nie aus.
Bei dieser Flugzeug-Entführung, aber auch bei anderen Anlässen ließ die linksradikale antisemitische RAF die Maske fallen. Wir erinnern uns wie sich bei dem Münchner Olympia-Attentat 1972 die RAF-Gefangene über den Tod israelischer Sportler freuten. Ulrike Meinhof bejubelte den Mord an den israelischen Sportlern als revolutionäre Tat.
@ Antonia – Sie haben Recht, die Nationalität der Täter, wie sie kommentiert wurde, dient einem mittlerweile üblichen Bashing und darf keine Rolle spielen. Mord bleibt Mord – ist z.B. @der Mord an Premier Rabin weniger schlimm, weil er von einem Israeli und nicht z.B. von einem Deutschen verübt wurde?
Von philosophisch-feuilletonistischer Warte aus gesehen sind in den Kommentaren manche Assoziationen verständlich, sollten aber nicht so pauschal und absolut daherkommen
@AlbertNola – U. Meinhof lobte mit der „revolutionären Tat“ nicht die Ermordung der Olympioniken 1972, sie meinte damit eigentlich die Entführung der Maschine und die Absicht, damit Gefangene freizupressen. Sie war weder Antisemitin noch Antizionistin. Marcel Reich-Ranicki schreibt, sie habe beim Interview mit ihm Tränen in den Augen gehabt, als er ihr die Leiden im Ghetto Warschau schilderte.
@Johannes
Im Nachhinein Krokodilstränen, muss man sagen. Juden im Ghetto, tote Juden, da hatten die RAF-Terroristen „Mitleid“, das hätte sie aber nicht daran gehindert alle israelische Juden (Kolonialisten) ins Mehr zu treiben.
Johannes @ Danke
@AlbertNola. Meine Recherche zu Ulrike Meinhof ergab, dass sie tatsächlich von einer proisraelischen, Israel verteidigenden Haltung ,(um 1967), zu einer antizionistischen hin mutierte.(1972) , Insofern lag ich falsch und Sie richtig!
Ich fand aber keine Aussage von ihr, die die Tötung der israelischen Olympioniken rechtfertigte oder gar pries – (sie lobte allerdings die Geiselnahme als „revolutionäre Tat“). Sie erklärte auch, die Geiseln seien von den Regierungen geopfert worden – denn sie seien einverstanden gewesen, zusammen mit den Terroristen ausgeflogen zu werden.
Meiner Meinung nach wäre diese Katastrophe vermeidbar gewesen, wenn die damaligen deutschen Behörden dem israelischen Mossad die völlige Handlungsfreiheit überlassen hätten. Leider dominierten damals politische Eitelkeiten und vorgeschobene Gründe von Staatsraison und Souveränität.
@Johannes
“ Insofern lag ich falsch und Sie richtig!“ Mit „Sie“ ist bestimmt meine Ehefrau gemeint, 89 Jahre alt, gestern, Geschichte ihr Lieblingsfach, sie hat immer Recht.
AlbertNola.@ Da ich „Sie“ mit einer Versalie geschrieben habe, können nur Sie, Alberto, gemeint worden sein. Wo wären Sie bloß ohne Ihre Signora……? Unterm Ponte Vecchio, am Ufer des Arno??? Mit einem Absinth?
Auguri zum gestrigen 89 ten……
Saluti cordiali aus der Lombardei in die Toscana
@Johannes
Tante grazie auch da mia moglie, la migliore di tutte!
Als die israelischen Grenzsoldaten die erfolgreiche Entebbe-Aktion verkündeten, befand ich mich mit einer Gruppe amerikanischer Touristen genau über dem Jordan auf dem Weg von Amman nach Jerusalem. (Allenby-Bridge (= King -Hussein-Bridge)) Einzelheiten wurden uns nicht mitgeteilt, waren wohl noch nicht bekannt. Es herrschten aber Hochstimmung und großer Jubel, Im Folgejahr kam Sadat nach Jerusalem, eine Sensation. DieWestbank war noch weitgehend friedlich – aber unter der scheinbar ruhigen Oberfläche begann es zu brodeln. Die Extremisten auf beiden Seiten wollten keinen Frieden……