Multiples Sicherheitsversagen

Aus Ermittlerkreisen werden weitere Details zum Co-Piloten der FlyDubai-Maschine bekannt. Israel überprüft indes die eigenen Sicherheitsbestimmungen für internationale Flüge.
Von Israelnetz
Der muslimische Co-Pilot Al-Hammami wollte mithilfe eines Flugzeuges zahlreiche Menschen in den Tod reißen

JERUSALEM (inn) – Nach dem vereitelten Terroranschlag sind weitere Details über den Co-Piloten der FlyDubai-Maschine bekannt geworden. So sagte Hamam al-Hammami im Verhör, dass er den Flieger auf den Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv stürzen lassen wollte.

Der 29-jährige omanische Staatsbürger und Muslim hatte sich laut Schilderung des Flugkapitäns Smit Machchhar in den hinteren Teil des Cockpits begeben mit der Ansage, ein Gebet verrichten zu wollen. Dann schlug er aber mit einer Notfallaxt auf Machchhar ein.

Dieser dachte zunächst, etwas stimme mit dem Flugzeug nicht. Dann aber begriff er, dass es sich um einen Angriff handele. Mit letzten Kräften gelang es ihm, die Tür zum Passagierraum zu öffnen. So konnten mehrere Israelis eingreifen und den Übeltäter überwinden.

Anschlagspläne verschoben

Al-Hammami hatte nach derzeitigen Erkenntnissen geplant, über Jordanien die Kontrolle über das Flugzeug zu erlangen. Dann wollte er Israel ansteuern und den Eindruck erwecken, dass es sich um eine normale Landung handelt, um das Flugzeug dann abstürzen zu lassen.

Aus Ermittlerkreisen hieß es weiter, er habe einen solchen Anschlag bereits im Juli verüben wollen. Doch dann verschob er den Plan, da er eine persönliche Verbindung zu einem damaligen Besatzungsmitglied hatte.

Radikalisierung erkannt

Warum es überhaupt zum Vorfall kommen konnte, ist weiterhin Teil der Ermittlungen. Die israelische Zeitung „Yediot Aharonot“ stellte die bislang angenommene Ereigniskette lapidar mit den Worten zusammen: „Der Oman sperrte ihn, die Emirate stellten ihn an, Israel übersah ihn.“

Dahinter steckt die Erkenntnis, dass omanische Behörden den Co-Piloten wegen seiner Radikalisierung nicht mehr fliegen ließen; er musste ein De-Radikalisierungs-Programm besuchen und nahm fortan nur noch Schreibtischtätigkeiten bei Oman Air wahr. Doch weder entzog der Oman ihm die Flugerlaubnis, noch warnte das Land andere Flugbehörden.

Al-Hammami könnte sich in Teilen auch in Australien radikalisiert haben. Laut Ermittlerkreisen studierte er drei Jahre lang an der Königlichen Technikuniversität von Melbourne Ingenieurswesen, allerdings ohne Abschluss. In Melbourne soll er radikale Moscheen und ebensolche Netzseiten besucht haben. Der australische Geheimdienst hatte eine Akte über ihn angelegt.

Lang gehegt Pläne

Im Jahr 2025 heuerte Al-Hammami bei FlyDubai an. Die Fluggesellschaft überprüfte zwar sein Führungszeugnis, ihr entging aber seine Radikalisierung.

Wie er beim Verhör sagte, hatte er schon vor seiner Anstellung einen Anschlag im Sinn. Er habe geschaut, welche Fluggesellschaften Tel Aviv ansteuern und sich bei mehreren Unternehmen beworben.

Al-Hammami wuchs in Dubai auf. Als Teenager unternahm er während des Bürgerkriegs eine Reise nach Syrien, die nun ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen ist.

Verkehrsministerium im Fokus

Als letztes Glied der Kette rückt das israelische Verkehrsministerium in den Fokus. In den vergangenen Tagen wurde der Vorwurf laut, dieses habe Warnungen hinsichtlich internationaler Flüge ignoriert. Es weist aber die Verantwortung zurück.

Laut dem Armeeradio hatte das Sicherheitskabinett im Jahr 2021 die Zuständigkeit für die Sicherheit internationaler Flüge an die Flugbehörde innerhalb des Verkehrsministeriums übertragen. Diese sollte sicherstellen, dass auf normalen Flügen die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.

Zu diesem Zweck hat es eine Abteilung, um Sicherheitsrisiken bei Flügen ausländischer Gesellschaften zu erkennen. Im Zweifel muss es Probleme gegenüber diesen Gesellschaften ansprechen.

Doch 2024 machte der Staatsprüfer darauf aufmerksam, dass es erhebliche Mängel bei diesem System gebe. Innerhalb des Verkehrsministeriums kam es deswegen zum Streit: Sicherheitschef Avri Cohen meinte, das Ministerium sei mit dieser Aufgabe überfordert und sollte sie den Geheimdiensten überlassen. Der Chef der Flugbehörde, Schmuel Sakai, meinte hingegen, die Überprüfung sei machbar.

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Vorwürfe gegen Regev

Die israelische Opposition versucht nun, diese Vorgänge für den Wahlkampf auszuschlachten und richtet den Fokus auf Verkehrsministerin Miri Regev. „Sie wurden gewarnt, handelten aber nicht“, meinte etwa Keren Terner (Bennett 2026).

Die 47-Jährige war von 2016 bis 2020 Generalleiterin des Verkehrsministeriums und tritt für das Parteienbündnis BeJachad auf Listenplatz 3 hinter Naftali Bennett (Bennett 2026) und Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) an. Im Jahr 2020 hatte Regev sie während ihres Mutterschutzes als Generalleiterin des Verkehrsministeriums entlassen.

Regev wies die Vorwürfe zurück und sagte, das Verkehrsministerium sei kein Geheimdienst. Es führe Risikoeinschätzungen durch, sei aber angewiesen auf die Verpflichtungen der Fluggesellschaften. Außerdem könne das Verkehrsministerium keine Überprüfungen zum Hintergrund der Besatzungsmitglieder durchführen, es habe keinen Zugriff auf einschlägige Daten.

Mehrere Lücken

Zu den Standardvorgängen gehört die Übermittlung einer Liste der Besatzungsmitglieder an das Verkehrsministerium. Im Falle des FlyDubai-Fluges sei das nicht geschehen.

Abgesehen davon haben die emiratischen Behörden sich darauf verpflichtet, nur Piloten aus Ländern zuzulassen, die diplomatische Beziehungen mit Israel haben. Der Oman gehört nicht dazu, dennoch befand sich ein Staatsangehöriger auf einem Flug nach Israel.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) ordnete indes eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Esra Klein, soll eine Person ernennen, die dafür zuständig ist. Unklar bleibt, wie zügig die Überprüfung erfolgen wird.

Den indischen Piloten Smit Machchhar lud Netanjahu derweil dazu ein, am kommenden Unabhängigkeitstag eine der Fackeln zu entzünden. Auch der indische Premier Narendra Modi (Indische Volkspartei) ist dazu eingeladen. (df)

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2 Kommentare

  1. Al Kaida, lt. Nachrichten, feiert den Terroristen aus dem Oman als Helden.
    Dort hatte er wegen radikalen Ansichten Flugverbot. Da lief einiges schief in der Überprüfung Sicherheit. Nochmals danke zu den Mutigen in der Maschine. Shalom

  2. Tja, hinterher weiß man alles besser. Im Nachhinein lässt sich alles als Warnung deuten, die man besser beachtet hätte. Der DDR-Geheimdienst wusste am Tag vor der Maueröffnung nicht, dass die Mauer am nächsten Tag geöffnet würde, trotz Warnungen. Und der wusste bekanntermaßen alles. Netanjahu wurde angeblich vor dem Terror am 7. 10. gewarnt. Ich schätze, dass in jedem Ministrium täglich viele Warnungen eingehen, mit KI wahrscheinlich unzählige. Die müssen aber auf Plausibilität geprüft werden.
    Ein halbwegs intelligenter Selbstmordattentäter wird seine Tat so oder so ausführen. Einen 100%igen Schutz wird es nicht geben. Jeder Attentäter hat vor seiner Tat deutliche Spuren auf sich gelegt, es nützte aber nichts. Staaten ohne muslimischen Terror, wie beispielsweise Polen, lassen keine Muslime ins Land.

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