JERUSALEM (inn) – Wenn Staatenlenker andere Länder bereisen, geht es um Partnerschaften, Zusammenarbeiten oder Abstimmungen in Sicherheitsfragen. Beim Besuch Narendra Modis war dies auch der Fall, doch darüber hinaus zeigte der indische Premier eine Herzlichkeit, die bei vergleichbaren Anlässen selten zu sehen ist.
Modi durfte als erster indischer Premier vor der Knesset sprechen. Mit Blick auf das Terrormassaker vom 7. Oktober erklärte er bei der Sondersitzung, er übermittele die Trauer seines Volkes „für jedes verlorene Leben und für jede Familie, deren Welt erschüttert wurde bei den barbarischen Angriffen der Hamas“. Weiter erklärte er: „Indien steht fest an der Seite Israels, mit voller Überzeugung, in diesem Augenblick und darüber hinaus.“
Erstmals Knesset-Medaille verliehen
Knessetsprecher Amir Ochana (Likud) ehrte Modi mit der erstmals vergebenen Medaille der Knesset. Die Auszeichnung wurde eingeführt, um den wertvollen Beitrag von Personen oder Organisationen zum Staat Israel und zum jüdischen Volk zu würdigen. Ochana betonte, die Politik Modis sei „ein Ausdruck der mutigen, dauerhaften und echten Freundschaft mit Israel“.
Die Medaille aus Bronze mit Plattgold zeigt auf der einen Seite das Staatswappen sowie das Knessetgebäude mitsamt Vorplatz und Flaggen. Auf der anderen Seite ist das Plenum der Knesset zu sehen. Zudem findet sich auf der Medaille ein von Olivenzweigen gesäumtes Zitat aus den Psalmen, in dem König David über den Menschen sagt: „Du hast ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt“ (Psalm 8,6).
The first-ever recipient of the Medal of the Knesset:
— Amir Ohana – אמיר אוחנה (@AmirOhana) February 25, 2026
Prime Minister of India @narendramodi 🇮🇱🇮🇳 pic.twitter.com/kseKFxWMnS
Netanjahu: Eisernes Bündnis gegen extremistischen Islam
Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) dankte Modi in seiner Rede dafür, dass Indien gerade nach dem Terrormassaker unerschütterlich zu Israel gehalten habe. „Das werden wir nicht vergessen.“ Weiter betonte er, Israel und Indien würden ein „eisernes Bündnis“ von Ländern „gegen den extremistischen Islam“ bauen. „Israel ist wie Indien eine Festung der Demokratie in einer wilden Region.“
Das Bündnis sei für die Sicherheit und Stabilität der Länder nötig. Dies wiederum sei Voraussetzung für den geplanten Wirtschaftskorridor zwischen Indien, dem Nahen Osten und Europa. Das Vorhaben, an dem auch die USA mitwirkt, wurde bereits im September 2023 bekannt und im Februar 2025 erneut bekräftigt.
Opposition boykottiert Reden
Bei der Knessetsitzung kam es jedoch auch zu einem Dämpfer: Bei den Reden von Ochana und Netanjahu verließen die Abgeordneten der Oppositionsparteien den Saal. Damit protestierten sie gegen den Ausschluss des Präsidenten des Obersten Gerichtes, Jizchak Amit, von der Sitzung. Die israelische Regierung erkennt die Autorität Amits nach seiner Wahl Anfang 2025 nicht an; im Rahmen der Justizreform strebt sie einen neuen Wahlmodus an.
Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) betonte später in seiner Rede gegenüber Modi, die Aktion habe nichts mit ihm oder Indien zu tun. „Der ganze Staat Israel ist erfüllt von Bewunderung für ihre Führung, ihre Freundschaft und für den Umstand, dass Sie für uns da waren in Zeiten der Sorgen.“
Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!
Felder der Zusammenarbeit
Bei seinem Aufenthalt besuchte Modi gemeinsam mit Netanjahu eine Ausstellung verschiedener Erfindungen israelischer Nachwuchswissenschaftler. Dabei ging es um Themen wie Künstliche Intelligenz, Quantenrechner, Cybersicherheit, Pflege und Gesundheit sowie Wasser- und Landwirtschaft.
Am Donnerstag legte der indische Premier in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz nieder. Zudem wurde er von Staatspräsident Jizchak Herzog empfangen.
Modi und Netanjahu vereinbarten eine Reihe von Abkommen. Unter anderem ging es dabei um die Errichtung einer Partnerschaft für Kritische und Innovative Technologien. Außerdem will Indien weiter von israelischen Landwirtschaftsmethoden lernen. Die Zahl der dafür vorgesehenen Ausbildungszentren soll von 43 auf 100 erhöht werden. Die beiden Staatenlenker kündigten zudem Regierungskonsultationen an, die „so bald wie möglich“ stattfinden sollen.
„Kein Auge trocken geblieben“
Netanjahu sagte auf der Pressekonferenz mit Modi, dass nach dessen Rede wohl kein Auge in Israel trocken geblieben sei. „Wir sind stolze, alte Zivilisationen“, betonte er. „Wir sind stolz auf die Vergangenheit, doch absolut entschlossen, die Zukunft zu ergreifen, und wir können dies gemeinsam besser tun.“
Die beiden Staatenlenker teilen nicht nur gemeinsame Interessen, sie verbindet eine tiefe Freundschaft, wie der Besuch erneut zeigte. Modi kam 2017 als erster indischer Premier nach Israel. Im Jahr darauf erwiderte Netanjahu den Besuch. (df)
15 Kommentare
Abgesehen von den innenpolitischen Querelen in der Knesset ist der Besuch Modis Grund zu Freude. Ein Freund mehr und noch dazu wohl ein „echter“. Allerdings ist auch er ein Macher seines Landes mit autokratischen Zügen und konservativer Politik, wohl hat er trotzdem Erfolge vorzuweisen. Die Beziehung zu Indien zu vertiefen ist auf jeden Fall gut für Israel.
…Medaille ein von Olivenzweigen gesäumtes Zitat aus den Psalmen, in dem König David über den Menschen sagt: „Du hast ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt“ (Psalm 8,6) Schöne Geste, die Medaille Narendra Modi zu schenken.
Warum ist es schlecht, wenn er eine konservative Politik betreibt. Was schwebt ihnen denn ideamerweise vor? Soll sich Indien der EU unterwerfen, so wie es die autokratische EU sich wünscht und eine antirussische Politik begreiben, seine Kultur aufgeben und sich dem Islam komplett ausliefern.
@Benett
Nein Benett, ein überwiegend konservatives Indien ist von mir nicht unbedingt negativ und schon gar nicht als Unterwerfung gemeint, so bleibt Ordnung und Stabilität bestehen. Doch das Kastensystem hat das Land geprägt und besteht immernoch.
Der Hinduismus ist vorherrschend und Christen werden verfolgt, vor allem hinduistische Christen werden unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren und das ist vermehrt seit Modi Premier ist. Sie können das bei Open doors nachlesen. Trotzdem hat er wirtschaftliche Erfolge zu verbuchen und
seinem Land zu digitalem Aufstieg verholfen. Und grundsätzlich bin ich für jeden „Freund Israels“ zuerst einmal dankbar.
Ella
In Indien, unter Modi, werden Christen hart verfolgt. Leider.
Open Door Christenverfolgungsindex. Ja, Indien ist ja auf Platz 12. Angeführt wird der Index von Nordkorea, dann folgen: Somalia, Jemen, Sudan, Eritrea, Syrien, Nigeria, Pakistan. Libyen, Iran und Afghanistan. Interessant was diese gemeinsam haben.
Konservative Politik ist die Zukunft!
Schauen sie sich das Chaos auf der Welt an als direkte Folge linker Politik über Jahrzehnte!
Traditionell schon immer gute Partner und auch touristisches Ziel für viele Israelis. Indien stand in Konflikten an Seiten Israels. Modi ist Hindu Nationalist und kann ähnlich Netanjahu auch durchaus kritisch gesehen werden. Grundsätzlich ist das aber unerheblich für die guten Beziehungen.
Pardon, so ganz stimmt das nicht. Zur Zeit des kalten Krieges war Indien eine bedeutende Stimme der sogenannten „Blockfreien“ , die eindeutig der UdSSR näher standen als den USA. Damit war eine eher unfreundliche Politik gegenüber Israel verbunden, ähnlich der von Marschal Tito in Jugoslawien seinerzeit. Das hat sich geändert und das ist gut so. Indien befindet sich in einem ständigen Konflikt mit Pakistan und den von dort infiltirierten Islamisten/Terroristen. Das schafft Nähe zu Israel. Das bevölkerungsreichste Land der Erde an seiner Seite zu haben ist für das kleine (aber feine) Israel natürlich eine gute Salche.
Indien pflegt auch heute noch eine strategische Partnerschaft mit Russland und gehört zur BRICS. Und pflegt gute Beziehungen zu Frankreich und der EU. Indien damals und heute sieht sich eben als ‚Blockfrei‘. ‚Israelfeindlich‘ war Indien eigentlich nie.. (soweit ich weiss).
Und er bringt eine Ruhe und Würde mit, die ich mir von manchen unserer Politiker wünsche.
SHALOM
Ich danke Israel Netzwerk für den Bericht. Die Zusammenarbeit Israels mit Indien ist eine sehr gute Nachricht, und für mich auch ein Ausweg gegen die bösen Mächte. Deutschland sollte daraus lernen, Deutschland und EU sollten mit Indien eine gute Partnerschaft machen, was aber auch geschieht.
Wenn westdeutsche Städte nach Migration schreien: Wenn Migration, dann Indien ! Denn mit Indischen Familien gibt es keine Probleme, wenn ich die Afghanen und Syrer gegenüberstelle.
Wir brauchen in Europa ein besseres Nachdenken über die Visionen der Zukunft. Indien ist ein ganz wichtiges Land, auch um die Abhängigkeit von China zu begrenzen.
Israel-freundliche Länder sollten für die EU von großer Wichtigkeit sein, Indien ist für mich eine große Hoffnung. Das sah ich 2022 noch ein wenig anders, weil Modi soviel mit RUS zu tun hatte.
Möge Indien ein Beweis dafür sein, dass die Welt noch gute Mächte hat, und ein Bündnis gegen die Islamisten ist wichtig. KEIN NIEDERKNIEN vor Saudi-Arabien.
Modi: Indien steht fest an der Seite Israels. Modi eine wahrer Freund, auf ihn kann man sich 100% verlassen.
Sehr gute Beziehung, aber zuhause muss die Beziehung zu Russland auf den Prüfstand gestellt werden. Denn beides gelingt nicht. Man kann nicht auf 2 Seiten hinken.
Indien, ein Land mit 1,4 Milliarden Menschen, kann logischer Weise nur anders regiert werden, als kleine Länder, wie Israel oder Schweiz mit mehr direkter Demokratie.
Für Israel und Indien ist ein starkes Bündnis segensreich und wird hoffentlich über die kommenden Regierungen hinaus Bestand haben.
Je konservativer die Regierungen in riesigen Reichen wie Indien, China, Russland, desto weniger können Islamisten Fuß fassen.
Demokratie muss vor Islamisten geschützt werden und wehrhaft gegenüber islamofaschistischen Bestrebungen sein.
Negatives Beispiel aktuell England, wo islamistische grooming-gangs über mehr als ein Jahrzehnt ihr Unwesen trieben, weil berechtigte Kritik tabuisiert und kriminalisiert wurde.
Eine ‚Festung der Demokratie‘ ist Indien gewiss nicht. Die menschenverachtenden Kasten bestehen nach wie vor. In Indien herrscht nur auf dem Papier Religionsfreiheit. Viele Christen werden in den Dörfern drangsaliert und oft schaut die Polizei dabei zu oder macht mit. Modi strebt außerdem eine reine Gesellschaft von Hindus an. Klar hat er dann etwas gegen Moslems – auch aus historischen Gründen. Wenn Netanjahu hier wahrheitsgemäß übersetzt und zitiert wird, muss ich mich fremd schämen für so viel Honig ums Maul schmieren. Das ist unehrlich. Ob das nun wirklich eine gute Beziehung ist oder reine Heuchelei, wird die Zeit zeigen.