Wadephul kritisiert türkischen Außenminister Fidan

Als „Last für die Menschheit“ bezeichnet der türkische Außenminister Fidan Israel. Sein deutsche Amtskollege Wadephul und weitere deutsche Politiker weisen die Rhetorik zurück.
Von Israelnetz
Johann Wadephul

BERLIN / ANKARA (inn) – Kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei ist es im Verhältnis zwischen Berlin und Ankara zu Verstimmungen gekommen: Der deutsche Außenminister Johann Wadephul kritisierte seinen türkischen Amtskollegen Hakan Fidan scharf. Dessen jüngste Äußerungen zu Israel seien „vollkommen unangemessen“, erklärte der CDU-Politiker in einem am Sonntag veröffentlichten „Bild“-Interview.

Fidan hatte am Donnerstag gegenüber dem Sender „CNN Türk“ gesagt, Israel sei nicht nur ein Problem für die Türkei, sondern das der Welt. Er fuhr fort: „Diese Menschen sind mit ihrer Politik und ihrer Geisteshaltung eine Last geworden, die die Menschheit nicht länger tragen kann.“ Die Mitarbeiterin von „CNN Türk“, Hande Firat, nickte zustimmend. Anlass der Äußerung Fidans war die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die israelische Regierung.

Wadephul erklärte weiter, er werde am Dienstag auf seinem Weg zum NATO-Gipfel kurzfristig nach Israel reisen. Dort wolle er „einen Beitrag zur Verständigung zwischen Israel und der Türkei leisten“. Er halte es für möglich, dass sich die Beziehungen reparieren lassen.

„Entmenschlichende Rhetorik“

Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) sprach in einer Reaktion von einer „lehrbuchhaften Hetze zum Genozid“. „Das jüdische Volk als ‚untragbare Last‘ zu entmenschlichen ist die klassische, schreckliche Sprache der schlimmsten auslöschenden Regime in der Geschichte. Die zivilisierte Welt und die NATO-Verbündeten der Türkei müssen diesen ausdrücklichen Aufruf zur Auslöschung Israels verurteilen.“

Neben Wadephul kritisierten weitere deutsche Politiker die Äußerung, darunter die CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Volkmann und Gitta Connemann. Volkmann erklärte, die Rhetorik „eskaliert ins Entmenschlichende“. „Wer über Israel als ‚untragbare Last‘ spricht, feuert damit auch hierzulande den israelbezogenen Antisemitismus weiter an.“

Der Vizepräsident des deutschen Bundestags, Omid Nouripour (Grüne), erklärte am Freitag: „Das ist keine Entgleisung, sondern eine aufwiegelnd eliminatorische Sprache, die nicht tragbar ist. Die Bundesregierung muss das scharf verurteilen.“ Der Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft, Volker Beck, erklärte: „Die türkischen Auslöschungssphantasien gefährden den Völkerfrieden. Das ist rhetorisches Säbelrasseln.“

Die Türkei hat unter Präsident Recep Tayyip Erdogan einen anti-israelischen Kurs eingeschlagen. Am 30. März 2025 sagte Erdogan in einer Moschee: „Möge Allah, um seines Namens ‚Bezwinger‘ willen, das zionistische Israel zerstören und verheeren.“ Der türkische Innenminister Mustafa Ciftci träumt indes davon, dereinst einmal Jerusalem zu beherrschen.

Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!

Neue Bedrohung für Israel

Dieser Kurs im Verbund mit der militärischen Stärke führte zuletzt dazu, dass israelische Politiker verstärkt vor der Türkei als neuer Bedrohung gewarnt haben. Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) erklärte mit Blick auf die einschlägige Rhetorik Ende Juni: „Wenn wir eines aus der Geschichte unseres Volkes gelernt haben, dann das: Wenn jemand sagt, er wolle uns zerstören, dann nehmen wir ihn ernst.“

Israel werde die Aufmerksamkeit seiner Freunde auf diese Bemerkungen lenken, fuhrt Netanjahu fort. Damit meinte er offenkundig US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner hat sich dafür offen gezeigt hat, der Türkei hochentwickelte F-35-Kampfjets zu verkaufen. Zudem ist ein Verkauf von etwa 40 F110-Triebwerken geplant für Kampfflugzeuge des Typs Kaan, die die Türkei selbst entwickelt hat.

Am 10. Juni sprach eine Journalistin Trump im Weißen Haus auf die problematischen Entwicklungen zwischen der Türkei und Israel an. Damals erklärte er: „Ich mag Erdogan sehr. Er ist stark. Ich denke nicht, dass etwas mit der Türkei passiert. Nicht solange ich Präsident bin, denn Erdogan respektiert mich, und ich respektiere ihn.“

Trump wird diese Woche zum NATO-Gipfel in die Türkei reisen. Zu dem Gipfel Dienstag und Mittwoch in Ankara werden die Staatenlenker des eigentlich westlichen Verteidigungsbündnisses erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) führt die deutsche Delegation an. Als Gastländer sind unter anderen Delegationen aus Bahrain, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten dabei. (df)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Wadephul, Ihr Wunsch an den Haltungen gegenüber Israel etwas ändern zu können, halte ich für sehr illusorisch. Ihre Klarheit ist wohlklingend.
    Lieber Gruß Martin

  2. Das sagen ausgerechnet türkische Schwätzer, deren Land selber einen nachgewiesenen Genozid an der Backe kleben haben und immer noch missbeliebige Minderheiten verfolgen und drangsalieren. Möchte Herr Fidan mit seinen Äußerungen vielleicht zu einer neuerlichen Shoah anregen, und damit einen weiteren Versuch zu einem Genozid auf sein Land aufbuckeln ?
    SHALOM

  3. Meiner Meinung nach gehört die Türkei weder zu Europa noch zum westlichen NATO-Bündnis.
    Spätestens jetzt, wo ihr Außenminister ein Antisemit ist, der die Rhetorik einer roten Linie überschreitet, indem er das israelische Volk als Kollektiv delegitimiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen