Wörterbuch für israelische Abgeordnete

Weil sich jüdische Abgeordnete über Reden auf Arabisch von Parlamentskollegen beschweren, verteilt der Generaldirektor der Knesset Hefte mit politischen Grundbegriffen in beiden Sprachen. Als Anlass nutzt er den Tag der arabischen Sprache.
Von Israelnetz

Foto: Israelnetz/mh

Jüdische Parlamentarier sprechen vielfach kein Arabisch. Damit die Sprache ihnen näher kommt, hat die Knesset nun für alle eine Broschüre mit einem politischen Grundwortschatz verteilt.

JERUSALEM (inn) – Zu Beginn der Woche fanden die israelischen Parlamentsabgeordneten eine Broschüre an ihrem Platz vor, die den Grundwortschatz der Diplomatie in arabisch-hebräischer Sprache enthält. Auf Initiative von Gil Segal, dem Generaldirektor der Knesset, können jüdische Politiker nun Wörter wie „Immunität“, „Gesetzgebung“, „Tagesordnung“, „Abstimmung“ auf Arabisch nachschlagen und mit Aussprachehilfe lesen. Weiter enthält das Heftchen Redewendungen, die für die tägliche Arbeit Relevanz haben.

Anfang Januar hatten Mansur Abbas (Ra’am) und Parteikollege Walid Taha im Plenum Reden auf Arabisch gehalten, die für Beschwerden jüdischer Abgeordneter bei Knesset-Sprecher Mickey Levy sorgten. Die Vorschriften der Knesset erlauben, dass Reden auf Arabisch gehalten werden, die Regel ist allerdings die israelische Amtssprache Hebräisch. Einen Dolmetscher, der arabische Reden ins Hebräische übersetzt, gibt es im Plenum nicht.

Stärkeres Bewusstsein für arabische Sprache

Segal nutzte nun den Tag der arabischen Sprache für die neue Initiative des Wörterbuches der Diplomatie. Zum siebten Mal hat die Knesset, das israelische Parlament, am Montag den jährlichen Tag der arabischen Sprache begangen. Er wurde 2016 auf Initiative des früheren Parlamentariers Josef Dschabarin (Vereinigte Liste) ins Leben gerufen und sollte das Bewusstsein für die arabische Sprache unter Knessetmitgliedern stärken.

Damals sagte Dschabarin: „Wir müssen der israelischen Öffentlichkeit beibringen, dass Arabisch die Sprache der Region und unserer Nachbarn ist. Es ist auch die Sprache der anderthalb Millionen arabischen Bürger dieses Landes, die gleiche Rechte haben sollten.“ Er sagte weiter: „Es ist sogar die Muttersprache vieler Juden und ihrer Eltern. Ich denke, wenn wir uns für die Förderung dieser Sprache einsetzen, um Menschen näher zusammenzubringen, ist das ein erstrebenswertes Ziel.“

An dem Tag widmen sich die Parlamentarier Themen, die mit der Bedeutung der arabischen Sprache zusammenhängen. So diskutiert der Ausschuss für innere Sicherheit die Nutzung des Arabischen in einer nationalen Kampagne gegen Gewalt und Verbrechen, der Finanzausschuss erörtert die Präsenz der arabischen Sprache im Wirtschaftsbereich und der Ausschuss zur Förderung der Stellung der Frau spricht über arabische Sprachkenntnisse in polizeilichen Vernehmungsräumen.

Arabisch ist Muttersprache von 60 Prozent

Ajman Odeh (Vereinigte Liste) wandte sich an die Knesset: „Arabisch ist die Muttersprache von etwa 60 Prozent der Einwohner dieses Landes. In der anderen Sprache sollten Menschen einen zusätzlichen Wert erkennen, der ihr Leben bereichert.“

Mosche Abutbul (Schass) stimmte zu: „Ich habe das Privileg, in einem Haus aufgewachsen zu sein, in dem Arabisch gesprochen wurde. Mein Vater stammt aus Marokko und meine Mutter aus Tunesien. Von ihnen habe ich die Sprache gelernt, sodass ich über ein großes Vokabular verfüge.“ Abutbul betonte die guten Beziehungen, die zwischen den orientalischen Juden Marokkos, Tunesiens, Libyens, Algeriens, Jemens und Syriens einerseits und ihren muslimischen Nachbarn andererseits geherrscht hätten.

Parlamentarier Ahmad Tibi (Vereinigte Liste) nutzte die Gelegenheit, seinen Unmut über die Verabschiedung des Nationalstaatsgesetzes von 2018 zu äußern: „Sprache ist nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Kultur und eine Verbindung zum Ort – es ist Identität. Ich liebe Sprachen, weil ich den Hintergrund und die Kultur meines Gegenübers verstehe. Als arabische Schüler lernten wir Hebräisch schon in der Grundschule. In jüdischen Schulen ist das nicht der Fall. Es ist eine Schande, dass die arabische Sprache durch die Knesset abgewertet wurde. Das Nationalstaatsgesetz war in jeder Hinsicht destruktiv, das umfasst auch die Bedeutung der arabischen Sprache.“ (mh)

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