Ukrainische Mutter aus Mariupol in Israel gelandet

Wochenlange Bemühungen finden ein gutes Ende: Eine Israelin kann ihre Mutter aus dem ukrainischen Kriegsgebiet zu sich holen. Ausschlaggebend ist eine Szene im Fernsehen.
Von Israelnetz
Die Mutter von Tatiana Goldin vor ihrem beschädigten Haus in Mariupol

Foto: Ashdodinews, Twitter

Die israelische Tochter sah ihre Mutter im Fernsehen – neben dem beschädigten Haus

ASCHDOD (inn) – „Ein Wunder ist geschehen, das ermutigt zum Glauben.“ Mit diesen Worten beschreibt eine Israelin das Wiedersehen mit ihrer Mutter. Denn diese wurde aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol gerettet, die besonders heftigen russischen Angriffen ausgesetzt war. Am Dienstag konnten sich die beiden Frauen am Ben-Gurion-Flughafen in die Arme schließen.

Tatiana Goldin arbeitet im Rathaus der israelischen Küstenstadt Aschdod. Bereits vor dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar hatte sie ihre Mutter Ludmila inständig gebeten, die Ukraine zu verlassen und nach Israel zu kommen.

„Aber sie sagte, dass sie es nicht kann. Sie besitzt Restaurants und hat Angestellte. Alle Verantwortung liegt auf ihr. Sie kann nicht weggehen, die Restaurants schließen und die Leute ohne Arbeit und Einkommen zurücklassen“, erzählte die Tochter der Nachrichtenseite „Mako“. Ihre Mutter habe nicht mit Angriffen auf Zivilisten gerechnet.

Fernsehen: Mutter flehte um Essen

Doch eines Nachts wurde das Haus, in dem Ludmila Goldin lebte, durch eine Bombe beschädigt. Sie sei wegen der fortwährenden Angriffe auf Mariupol bis zur Morgendämmerung in ihrem Haus geblieben. „Als sie mit dem ersten Tageslicht hinausging, um zu untersuchen, was geschehen war, traf sie dort Kameraleute, die sie filmten. Es war Winter, kalt, und sie hatte nicht genügend Essen.“

Die Bilder von ihrer Mutter, die um Essen und Wasser flehte, sah Tatiana Goldin im Fernsehen. Sie erfuhr später auch, dass Ludmila aus Mariupol entkommen war – aber nicht, wie es ihr danach ging. Die Stadtverwaltung trat mit Organisationen in Kontakt, die in der Ukraine humanitäre Hilfe leisten. Dadurch konnte die Mutter ausfindig gemacht und nach Israel gebracht werden.

Nach der Landung sagte Goldin dem Sender „Kanal 12“: „Wir können endlich einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen und allen Stress herauslassen, der mehrere Monate auf uns lastete.“ Nun kann sich die Mutter bei Tochter und Enkel von den Strapazen des Krieges und der Flucht erholen.

„Ich werde die beste Tochter sein“

Mariupol wurde etwa drei Monate lang von den russischen Streitkräften belagert. Ein großer Teil der von Russen und Ukrainern bewohnten Stadt am Schwarzen Meer ist zerstört. Schätzungen zufolge kamen ungefähr 20.000 Menschen bei den Angriffen ums Leben. Vielen gelang aber auch die Flucht.

In Israel sind seit dem 24. Februar rund 28.000 Ukrainer eingetroffen – Juden, von denen viele einwandern, aber auch Nicht-Juden. Die meisten sind traumatisiert. Goldin will denn auch dafür sorgen, dass ihre Mutter eine psychologische Betreuung bekommt. Sie ergänzt: „Und ich werde die beste Tochter sein, die ich für sie sein kann.“ (eh)

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