Traumatisierte Kinder malen Bilder für Israelis

Ukrainische Kinder im israelischen Feldkrankenhaus sind von ihren Kriegserlebnissen traumatisiert. Hier kann Malen helfen – vor allem, wenn sie die Bilder an Jungen und Mädchen in einer ähnlichen Situation schicken.
Von Israelnetz
Ein ukrainischer Junge hat ein Bild für ein israelisches Mädchen gemalt

Foto: Matan Paull

Mit diesem Bild sucht der zwölfjährige Sascha aus der Ukraine Kontakt zu einem israelischen Mädchen, das ebenfalls Kriegserfahrung hat

KIEW / JERUSALEM (inn) – Im israelischen Feldkrankenhaus in Mostyska betreuen Psychologinnen ukrainische Kinder, die aus dem Kriegsgebiet geflohen sind. Viele sind so stark traumatisiert, dass sie am Anfang fast nicht sprechen. Doch wenn sie Bilder malen, werden die Kinder wieder offenherziger.

Die israelische Ärztin Bella Ben-Gerschon hat Erfahrung mit traumatisierten Kindern. In Israel kümmerte sie sich um Jungen und Mädchen aus dem Gebiet am Rande des Gazastreifen, die unter palästinensischem Raketenbeschuss leiden. Nun arbeitet sie in dem Feldlazarett, das zur Hilfsaktion „Leuchtender Stern“ gehört.

„Die Kinder, die zu uns kommen, haben einen schweren Verlust erlitten“, sagte sie der Zeitung „Yediot Aharonot“. Sie seien sehr verschlossen. „Man schaut in die Augen, und es sind tote Augen. Es gibt kein anderes Wort dafür.“

Bild eines Jungen: Schwanz der Meerjungfrau schützt gegen U-Boote

Ben-Gerschon erzählte ein Beispiel von einem Jungen, dem das Malen geholfen hat. Seine Familie war im letzten Augenblick aus ihrem Haus geflohen. Unterwegs geriet sie unter Beschuss von automatischen Waffen. Das Kind und seine Familie krochen unter Autos, um den Bahnhof zu erreichen.

„Ich sitze ihm gegenüber, und er spricht nicht“, beschrieb die Psychologin die Situation nach der Ankunft im Feldkrankenhaus. „Dann schlug ich ihm vor, zusammen mit mir zu malen. Er malte ein erstaunliches Bild – ein Tier mit dem Körper einer Giraffe und dem Schwanz der kleinen Meerjungfrau und Pferdefüßen.“

Der Junge habe ihr erklärt, dass der Schwanz der kleinen Meerjungfrau ihm helfe, schneller einem U-Boot zu entkommen. „Es ist ein Lebewesen, das in jeder Lage überleben kann. Plötzlich spricht er, und ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht.“ Malen helfe den Kindern, ihre furchtbaren Erlebnisse zu verarbeiten.

Symptome ähnlich wie an der Gaza-Grenze

Unterstützung erhält Ben-Gerschon von der Psychiaterin Marina Baliak. Die beiden stellten fest, dass die Symptome bei den ukrainischen Kindern ähnlich sind wie bei ihren Altersgenossen nahe der Gaza-Grenze: Einschlafprobleme, Alpträume, Bettnässen.

Dies brachte die Betreuerinnen auf die Idee, den kleinen Patienten von den israelischen Kindern zu erzählen. Und noch mehr: Sie regten sie dazu an, Bilder an Jungen und Mädchen in Israel zu schicken.

„Das Ziel war, etwas gegen die Machtlosigkeit zu tun. Man muss ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht allein in der Welt sind, dass es andere Kinder wie sie gibt“, erklärte Baliak die Initiative. Außerdem könnten die jungen Ukrainer die Kinder aus dem Gebiet der Raketenangriffe stärken. Sie müssten nicht nur Opfer sein.

Ukrainisch-israelischer Austausch von Kinderbildern

Dies wirkte offenbar: Der zwölfjährige Sascha stammt aus der umkämpften Gegend von Luhansk in der Ostukraine. Er schrieb auf sein Bild, das einen Jungen und ein Mädchen zeigt: „Ich biete einem Mädchen aus Israel Freundschaft an, weil wir ähnlich sind. Denn sowohl in Israel als auch in der Ukraine gibt es Kriege.“

Ein zwölfjähriges Mädchen aus Charkiw malte ebenfalls ein Bild. Darauf bekundete es die Hoffnung auf eine bessere Wirklichkeit nach dem Krieg – in der Ukraine und in der Welt.

Foto: Matan Paull
Das israelische Mädchen will mit dem Bild ukrainische Kinder ermutigen

Zum Abschied im Feldkrankenhaus erhielten die ukrainischen Kinder eine Überraschung: Die Jungen und Mädchen in Israel hatten als Dank ebenfalls Bilder geschickt. Die elfjährige Lior malte unter anderem die ukrainische Flagge und eine Friedenstaube. Sie schrieb auf Russisch dazu: „Fürchtet euch nicht, ich habe Euch lieb.“ (eh)

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Eine Antwort

  1. Toda raba.
    Danke und wir beten für euer Überleben und Genesung, ihr Lieben.
    Danke zu den Ärzten und Helfenden.

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