Ted Turner „erfand“ den ersten reinen Nachrichtensender der Welt: 1980 gründete der am Mittwoch mit 87 Jahren verstorbene Medienunternehmer das amerikanische Netzwerk CNN. Er selbst war im Umgang mit Medien hingegen nicht immer geschickt.
So löste er im April 2002, während der sogenannten „Al-Aqsa-Intifada“, mit Äußerungen gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“ Kritik aus – auch bei CNN.
„Ist es nicht so, dass sich Israelis und Palästinenser gegenseitig terrorisieren?“, sagte der damalige Vizepräsident des Medienunternehmens „AOL/Time Warner“. „Die Palästinenser kämpfen mit menschlichen Selbstmordbombern, das ist alles, was sie haben. Die Israelis … haben (dagegen) eine der mächtigsten Armeen der Welt … Wer also sind die Terroristen? Ich würde sagen, dass beide Seiten damit zu tun haben.“
Bereits nach den Anschlägen vom 11. September hatte Turner die islamistischen Attentäter als „mutig“ (englisch: „brave“) bezeichnet. Er redete sich später damit heraus, dass ihm dieses Wort besonders nahe liege, weil er der Besitzer des Baseballteams der „Atlanta Braves“ sei. Er selbst, sagte Turner, sei „ein großer Denker“ – aber eben nicht immer ein großer Redner, weil er frei spreche und nicht vom Blatt ablese.
Israelischer Regierungssprecher: Besser Mund halten
Nach der Behauptung, Israelis und Palästinenser hätten in gleichem Maße mit Terror zu tun, gab ihm der damalige israelische Regierungssprecher Daniel Seaman einen Rat: „Wenn einen die Leute für dumm halten, ist es am besten, seinen Mund zu halten, anstatt ihn zu öffnen und jeden in dieser Ansicht zu bestätigen.“
Zwei Monate nach der Veröffentlichung ruderte Turner gegenüber CNN zurück: Seine Äußerungen seien Teil eines ausführlichen Interviews gewesen, in dem er Tötungen von Menschen verurteilt habe.
„Die Gewalt im Nahen Osten hat eine unerträgliche Stufe erreicht“, merkte er an. „In jenem Interview verurteilte ich jene Gewalt auf jeglicher Seite. Aber ich möchte absolut klarstellen, dass meine Ansicht ist – und war –, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen den Taten der israelischen Regierung und der Palästinenser gibt.“
Turner ergänzte: „Die israelische Regierung hat übermäßige Gewalt eingesetzt, um sich zu verteidigen. Aber das ist nicht dasselbe, wie absichtlich mit Selbstmordattentätern auf Zivilisten zu zielen und sie zu töten.“
CNN ging auf Abstand
Der von ihm gegründete Sender indes erklärte in einer Stellungnahme, Turner habe keine operative oder redaktionelle Aufsichtsposition bei CNN. „Ted Turners Ansichten sind seine eigenen. Sie spiegeln definitiv nicht in irgendeiner Weise die Ansichten von CNN wider“, hieß es weiter.
Der CNN-Gründer betonte, seine Hauptsorge sei eine „friedliche und sofortige Lösung“ für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. (eh)
3 Kommentare
CNN-Gründer wollte eine „friedliche und sofortige Lösung“ für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, aber erreichte das Gegenteil.
CNN ist, was Israel angeht, schon sehr lange die US-amerikanische Version von Al Jazeera. Wo man hingegen woke und queer ist, erinnert es an die Jugend- und Kultur-Kanäle von ARD und ZDF.
Ein grässlicher TV-Sender.
… Denken/Verstehen/Reden- … nicht immer ist das Ergebnis auch denkwürdig.