Studie zeigt Rassismus auf

Araber und Äthiopier sind in Israel besonders von Rassismus betroffen. Das geht aus einer Umfrage hervor. Veröffentlicht hat die Zahlen das Justizministerium.
Von Israelnetz

Foto: Israelnetz/mh

Viele arabische Israelis würden einen rassistischen Vorfall gar nicht melden, da sie nicht mit Veränderung rechnen

JERUSALEM (inn) – Rassismus ist ein weltweites Problem. Auch Israel ist nicht verschont: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 94 Prozent der Israelis bereits rassistische Äußerungen oder Handlungen mitbekommen haben.

Die meisten rassistischen Vorfälle meldeten im Jahr 2021 arabische und äthiopische Israelis. Etwa die Hälfe der 458 Vorfälle wurde von den beiden Minderheiten angezeigt. Dies geht aus einem Bericht der Regierungseinheit zur Koordinierung des Kampfes gegen Rassismus hervor, die im Justizministerium angesiedelt ist. Anlass für die Umfrage war der internationale Tag zur Bekämpfung von Rassismus, der am Montag begangen wurde.

Vorfälle im alltäglichen Leben

Die Behörde differenziert zwischen zwei Beschwerde-Arten: Zum einen Diskriminierungsvorwürfe, die etwa beim Arbeitsplatz oder bei Dienstleistungen geschehen. Und zum anderen verbale Angriffe in der Öffentlichkeit.

Insgesamt bei 23 Prozent der Beschwerden erlebten Personen in Dienstleistungen Rassismus. 11 Prozent stehen im Zusammenhang der Arbeit. Vorfälle im öffentlichen Raum kamen auf 10 Prozent. 7 Prozent der rassistischen Vorfälle gingen jeweils von Beamten und Polizisten aus. Dem Bildungswesen sind 4 Prozent der Vorfälle zuzuschreiben, wie die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ mit Bezug auf die Studie berichtet.

Besonders Personen im arabischen Sektor sehen sich Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt. Demnach gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie dies entweder selbst schon erlebt haben, oder jemanden persönlich kennen, der es erfahren hat.

Es ist davon auszugehen, dass es eine hohe Dunkelziffer von rassistischen Vorfällen in der gesamten israelischen Gesellschaft gibt. Besonders ist dies bei den israelischen Arabern der Fall: 77 Prozent der Befragten gaben an, dass sie keine Beschwerde bei den Sicherheitsbehörden einreichen würden, wenn sie Rassismus erlebten. Denn sie glauben nicht, dass sich etwas an ihrer Situation ändert.

Statistik mit mäßiger Aussagekraft

Erst seit 2017 registriert Israel überhaupt systematisch rassistische Vorfälle. In den ersten Jahren wurden, verglichen mit 2021, wesentlich weniger Vorfälle gemeldet. Im Jahr 2019 waren es 497 und im Folgejahr 506 Vorfälle. Die jüngsten Zahlen zeigen demnach knapp 10 Prozent weniger Vorfälle als in den Jahren zuvor.

Die Veröffentlichung enthält außerdem einen Bericht, der sich mit der Bekämpfung gegen Rassismus beschäftigt. Demnach sind nur 36 von 50 Empfehlungen der 2016 gegründeten Einsatzgruppe zur Verbesserung der Situation umgesetzt worden. (joh)

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3 Antworten

  1. Die gleiche Studie in Europa durchgeführt würde wohl das gleiche Ergebnis bringen, nur das es hier die Flüchtlinge aus Nahost und Afrika wären, die Ziel von Rassismus sind.

    Bei uns waren es vor 20 Jahren die Polen, vor 50 Jahren die Italiener und irgendwo dazwischen die Türken.
    Und schon damals fühlten sich viele bedroht hinsichtlich ihrer Sicherheit und Arbeitsplätze.
    Ist einfach so, wenn fremde Kulturen aufeinander treffen.

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    1. Fremde Kulturen? Ich dachte die sind auch alle Mitglieder des “auserwählten Volkes”. Oder gibts das nicht mehr, wenn man Rassismus rechtfertigen will?

      0
  2. Wer Amnesty International Einseitigkeit vorwirft und damit diskreditieren will, möchte nur von dem berechtigten Vorwurf der Apartheid in Israel ablenken, denn AI ist nicht einseitig, was seine jüngste Erklärung zum Ukraine-Krieg zeigt: AI hat die „Kriegsverbrechen“ Russlands angeprangert. „Was in der Ukraine geschieht, ist eine Wiederholung dessen, was wir in Syrien gesehen haben“, sagte Generalsekretärin Agnes Callamard bei der Vorstellung des Jahresberichts der Organisation am Montag. Russland greife „gezielt“ zivile Einrichtungen an und verwandle Fluchtrouten in „Todesfallen“. Callamard kritisierte die „beschämende Untätigkeit“ internationaler Institutionen wie des UN-Sicherheitsrats. Dieser solle besser als „Unsicherheitsrat“ betitelt werden. Ihr zufolge könne es im Umgang mit Russland keine „Neutralität“ geben.
    Mit der Diskreditierung von Organisationen wie Amnesty International, B’Tselem, Peace Now etc. schadet sich Israel nur selbst.

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