Polizei entschädigt äthiopisch-israelische Familie

2019 starb ein äthiopisch-israelischer 19-Jähriger durch eine Polizei-Kugel. Der Vorfall brachte Israel in Aufruhr, nun erhält die Familie des Opfers eine Entschädigung. Der Polizeischütze steht weiter vor Gericht.
Von Israelnetz
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Der 200-Schekel-Schein ist die Banknote mit dem höchsten Wert

Foto: Israelnetz/mh

Die Familie soll 1,8 Millionen Schekel erhalten, dies entspricht einer Summe von 500.000 Euro

HAIFA (inn) – Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen der Polizeibehörde und der äthiopisch-israelischen Familie des 2019 erschossenen Solomon Tekah gibt es nun eine Einigung: Die Polizeibehörde Haifa entschädigt die Familie mit einer Summe von umgerechnet rund 500.000 Euro. Die Polizei reagiert somit auf die Anschuldigungen, dass die Tötung Solomon Tekahs durch unzulängliche Polizeibrutalität und Diskriminierung von Israelis mit äthiopischer Abstammung zustande gekommen sei.

Die Familie Tekah hatte zuvor Klage gegen die Polizei eingereicht und einen Schadensersatz von 700.000 Euro gefordert. Das Finanzministerium soll im Auftrag der Polizei nun das Geld aushändigen.

Landesweiter Protest wegen Tötung

Ende Juni 2019 kam es in Kiriat Chaim, einem Viertel von Haifa, zu dem tödlichen Schuss. Mehrere Teenager hatten einem Jungen Geld gestohlen. Ein Polizist außer Dienst sah mit seiner Familie den Vorfall. Er alarmierte seine Kollegen. Während des Wartens auf die Polizeistreife griffen die Teenager den Polizisten und seine Familie mit Steinen an. Der Polizist zückte seine Waffe und schoss auf den Boden. Die Kugel prallte ab und tötete den 19-jährigen Solomon.

Einige offene Fragen blieben, beispielsweise weshalb keine Warnschüsse in die Luft abgegeben wurden. Der Vorfall brachte die äthiopischen Israelis dazu, landesweit die Polizeibrutalität und den Rassismus gegen sie anzuprangern. Mehrere Wochen gab es Demonstrationen und teilweise Ausschreitungen, bei denen Straßen blockiert und Reifen angezündet wurden.

Polizist vor Gericht

Die interne Ermittlung prüfte von der Öffentlichkeit getrieben den Vorfall. Sie kam zu dem Schluss, dass der Beamte und seine Familie zu keinem Zeitpunkt in Lebensgefahr standen, weshalb der Schuss auf den Boden nicht rechtens war.

Der Polizist, dessen Name von der Polizei nicht veröffentlicht wird, steht seit 2019 vor Gericht. Im Februar 2021 wurde der Prozess beinahe eingestellt, wurde allerdings durch Proteste der äthiopischen Israelis weiter geführt. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, somit käme eine Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis auf ihn zu. (joh)

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2 Antworten

  1. Gut, obwohl das Geld nur eine Hilfe sein kann, den Sohn bringt es nicht zurück. Es wäre Zeit, den Prozess zu Ende zu bringen, wenn die Beweise so sind, dass es fahrlässige Tötung war, muss es abgeschlossen werden, dies ist in der Regel eine Hilfe für die Angehörigen, wenn sie Gerechtigkeit erfahren.

  2. Israel geht bei der Entschädigung von Opfern polizeilicher bzw. militärischer Gewalt sehr selektiv vor. Das Leben eines erschossenen äthiopisch-jüdischen Kindes wiegt offenbar wesentlich schwerer, als das der vielen erschossenen palästinensischen Kinder, deren Familien null Entschädigung erhielten.

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