Sephardischer Rabbi: Regierung schlimmer als Nazis

Aus Sicht eines sephardischen Rabbis tut die Regierung alles für Araber, lässt Ultra-Orthodoxe aber im Trockenen sitzen. Mit einem Nazi-Vergleich ruft er den Widerspruch der Minister hervor.
Von Israelnetz
Rabbi Masus

Foto: א.מ תוכן יהודי כשר, YouTube; Screenshot Israelnetz

Der israelische Rabbi Masus übt harsche Kritik an der Regierung

JERUSALEM (inn) – Ein führender ultra-orthodoxer Rabbiner hat der israelischen Regierung vorgeworfen, „schlimmer als Nazis“ zu sein. In einem am Samstag veröffentlichten Video erhob Meir Masus den Vorwurf, die Regierung wolle Talmud-Studenten „ersticken“, während sie so viel wie möglich den Arabern gebe. „Sie sind Verräter an ihrem eigenen Volk, sie hassen ihr Volk. Sie sind schlimmer als Nazis. Die Nazis liebten ihr Volk, aber die Minister hassen ihr Volk.“

Die Minister wiesen die Vorwürfe zurück und mahnten zur Einheit. Regierungschef Naftali Bennett (Jamina) sagte am Sonntag, selbst in der größten Hitze der Debatte „werden wir unsere Brüder nicht mit den schlimmsten Unterdrückern vergleichen. Wir müssen unsere Zunge vor dem Bösen schützen“.

Lieberman warnt vor „grundlosem Hass“

Masus nannte Finanzminister Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu) und Außenminister Jair Lapid (Jesch Atid) beim Namen. Beide haben vor allem die Interessen der Säkularen im Blick. Sie plädieren etwa für eine größere Lastenverteilung beim Wehrdienst oder für die berufliche Integration von Ultra-Orthodoxen.

Lieberman sagte in einer Erwiderung, er habe nicht gewusst, dass es „schlimmer als Nazis sei, Kernfächer zu unterrichten, zur Arbeit zu gehen und Wehrdienst zu verrichten“. Weiter wies er darauf hin, dass der Zweite Tempel wegen „grundlosem Hass“ unter Juden zerstört worden war.

Lapid kam in seiner Reaktion auf seine Familiengeschichte zurück: Die Nazis hatten seinen Großvater ermordet, sein Vater überlebte das Ghetto gerade so. „Meine einzige Antwort auf Ihre Bemerkungen ist, dass ich das ganze jüdische Volk liebe und Rabbi Masus einen fröhlichen Jerusalem-Tag wünsche, ein Tag der Einheit und Liebe für Israel.“

Umstrittene Äußerungen in der Vergangenheit

Die aktuelle Regierung ist mit dem Anspruch angetreten, einige Gesellschaftsreformen anzugehen, die vor allem die Gemeinschaft der Ultra-Orthodoxen betreffen. Ein Anliegen der Regierungspartei „Neue Hoffnung“ ist es etwa, die Schulbildung zu erneuern. Ziel ist es dabei, dass ultra-orthodoxe Jungen Kernfächer wie Mathematik, Computertechnik oder Englisch lernen.

Meir Masus ist ein einflussreicher sephardischer Rabbi aus Bnei Brak. Er steht der Schass-Partei nahe. In der Vergangenheit war er mit anderen umstrittenen Äußerungen aufgefallen, wie die Nachrichtenseite „Times of Israel“ berichtet. Im Jahr 2020 deutete er die Corona-Pandemie als Strafe Gottes für Schwulenparaden in aller Welt. Vier Jahre zuvor sah er in dem Einsturz eines Parkhauses in Tel Aviv, der sechs Tote zur Folge hatte, Gottes Strafe für die Entweihung des Sabbats. (df)

Schreiben Sie einen Kommentar

7 Antworten

  1. Ich bewundere die Gelassenheit, mit der die Herren Bennett, Lieberman und Lapid mit diesem verbalen Unfug umgehen.

    Corona als Gottes Strafe, weil es Schwule gibt, einstürzende Parkhäuser ebenfalls als Gottes Strafe wegen Sabbat-Entweihung. Und nun der unsägliche Nazi-Vergleich.

    15
    1. Shalom, Eddie, ich bewundere diese Gelassenheit auch, obwohl du ja weißt, dass
      ich Orthodoxe mag. Es sind nicht nur die Ultra- Orthodoxen, die in vielem die Strafe
      G`TTES sehen. Auch in DE kenne ich welche, die Corona so ansehen und Schwule
      und Lesben nicht auf diesen Planeten gehören.
      Im Moment scheint der Vergleich Nazi total ” IN” zu sein.
      Putin benutzt es wie so manch` andere Verwirrte. VG.

      4
    1. @Mario,

      die resp. wir Israelis haben angesichts vielfältiger Bedrohungen (siehe ua: die Berichte auf dieser Seite), so scheint mir, anderes zu tun, als blind gegen Rechts zu stürmen.

      Kampf gegen Rechts muss man mE Ernst nehmen, durchaus. Aber was in D.-schland in den Medien grassiert, Kopfschütteln.

      3
  2. Das ein solcher Person sich auch noch Rabbi nennt!? Dieses Amt sollte von Menschen mit Würde, Herz und von Gott gegebene Weisheit bekleidet werden. Nicht wie so einer wie dieser Marsus.

    1
    1. Ihre Aussage ist berechtigt, wobei ich mich das seit Jahren frage, ob kirchliche Führer nicht ihres Amtes endlich enthoben werden sollten, mit all dem Missbrauch an Kindern. All die Vertuschungen
      haben nichts mit Würde und Weisheiten zu tun.
      ” Lasset die Kinder zu mir kommen?” Zum Missbrauchen?

      1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen