Ron Prosor wird neuer Botschafter in Berlin

Nach Stationen in London und bei den Vereinten Nationen kommt Ron Prosor als Botschafter nach Deutschland. Es ist nicht sein erster Posten in Berlin.
Von Ulrich W. Sahm
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Foto: Israeli Mission to the UN

Stammt von einem patriotischen Deutschen ab: Ron Prosor

JERUSALEM / BERLIN (inn) – Ein hervorragender israelischer Diplomat und Kenner Deutschlands wird der nächste Botschafter des Staates Israel in Berlin: Ron Prosor. Das gab das Außenministerium Ende Dezember bekannt. 

Ron Prosor wurde 11. Oktober 1958 in Kfar Saba geboren. Er ist Absolvent des Bataillonskommandos der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und erreichte als Offizier in der Artilleriedivision den Rang eines Majors. Nach einem erfolgreichen Studium der Politikwissenschaft begann seine diplomatische Kariere 1986 als Pressesprecher der israelischen Mission in Westdeutschland. Der redegewandte Prosor wurde dann israelischer Chefdiplomat in der UNO und in Großbritannien und Leiter des Abba-Eban-Institutes für Internationale Diplomatie an der „IDC Herzliya Lauder School of Government, Diplomacy and Strategy“. Zudem war Prosor Generaldirektor des Außenministeriums und politischer Konsul an der israelischen Botschaft in Washington. 

Auf den Spuren des Vaters

Für den Diplomaten bedeutet der künftige Posten die Schließung eines Kreises, zumal sein verstorbener Vater in Deutschland geboren wurde: „Ich bin zutiefst begeistert, als Israel-Botschafter nach Deutschland, dem Geburtsort meines Vaters Uri, zurückzukehren. Möge seine Erinnerung ein Segen sein,“ schrieb Ron Prosor auf Facebook, nachdem ihn Außenminister Jair Lapid (Jesch Atid) zum nächsten israelischen Botschafter in Deutschland ernannt hatte. 

Es ist in mehrfacher Hinsicht denkwürdig: Bertold Proskauer, der Großvater des Diplomaten Ron Prosor, diente noch 1933 in der Reichswehr während der Weimarer Republik. Sein Sohn Uri erzählte später, der Vater sei ein deutscher Patriot gewesen. Nur, weil seine Frau die Hasstiraden der Nazis ernst nahm, quittierte Proskauer den Dienst und siedelte nach Palästina über. Dort hatte er es schwer, anzukommen. Er wollte weder auf seinen deutschen Pass, noch auf die deutsche Sprache verzichten. Nach der Niederlage der Nazis im Zweiten Weltkrieg weigerte sich der alte Proskauer zunächst auch, die Berichte über die Scho’ah zu glauben. Erst die Filmaufnahmen aus den Konzentrationslagern überzeugten ihn.

Bertolds Sohn Uri wurde in Israel Marineoffizier und Diplomat. Er diente dem jungen jüdischen Staat, so wie der Vater noch Deutschland diente. Einem Deutschland, das seine Juden verraten und ermordet hatte. Und nun geht der Enkel Ron Prosor nach Berlin. „Begeistert“, wie er selbst schreibt. Auch wenn Deutschland inzwischen längst wieder demokratisch wurde, ist Prosors Wille zur Versöhnung alles andere als selbstverständlich.

Während seiner Tätigkeit als Sprecher der Botschaft in Bonn erlebte Prosor hautnah die „Wende“ und den Fall der Mauer in Berlin. Er war er einer der ersten israelischen Vertreter, der Beziehungen zu Ostdeutschland aufnahm. Nach der Vereinigung mit Westdeutschland bemühte er sich um die Aufnahme von Beziehungen zu den neuen Bundesländern. 

Klare Positionen

Prosor ist bekannt für seine klare und deutliche Verteidigung der israelischen Positionen. Er veröffentlichte Artikel in der britischen Presse und trat in Fernsehsendungen auf, etwa bei der Rundfunkanstalt BBC und bei „Sky News“. Als 16. Botschafter Israels bei den Vereinten Nationen war er Vizepräsident der Generalversammlung (8. Juni 2012) und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen. Prosor rief die allererste Sitzung der Generalversammlung zum Thema Antisemitismus ein. Zudem überwachte er die Verabschiedung von zwei Resolutionen zu Unternehmertum und Landwirtschaft, die mit überwältigender Mehrheit angenommen wurden. 

Der Diplomat hat sehr klare Positionen im Nahostkonflikt und sieht die Rolle der EU kritisch. Er wirft den europäischen Staaten vor, einseitig einen palästinensischen Staat anzuerkennen und damit die Botschaft auszusenden, dass „die Palästinensische Autonomiebehörde in einer Regierung mit Terroristen sitzen und zur Gewalt gegen Israel aufstacheln kann, ohne dafür einen Preis zu zahlen“.

Für „Zwei-Staaten-Lösung“

Darüber hinaus verteidigt der Diplomat aber auch eine „Zwei-Staaten-Lösung“ und fordert die internationale Gemeinschaft auf, „die Palästinenser zu ermutigen, direkte Verhandlungen ohne Vorbedingungen aufzunehmen, um einen historischen Friedensprozess zu erreichen, in dem ein entmilitarisierter palästinensischer Staat den jüdischen Staat anerkennt“. In der britischen Zeitung „Telegraph“ betonte Prosor 2009 das Versagen der internationalen Gemeinschaft, dem Fundamentalismus und der Gewalt der Hamas gegen Palästinenser und Israelis entgegenzutreten. Er sagte deutlich, dass extremistische Regime wie die Hamas eine Bedrohung für den Wohlstand und die Stabilität im Nahen Osten darstellen.

Und er schrieb 2012 angesichts der Bedrohung durch den Iran: „Unsere Pflicht ist klar. Es reicht nicht aus, gut zu sein. Wir müssen wissen, was zu tun ist, wenn wir dem Bösen gegenüberstehen.“

In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im November 2014 beschuldigte Prosor die internationale Gemeinschaft, den israelisch-palästinensischen Konflikt anzuheizen, weil sie die Geschichte der Region nicht verstehe. Er klagte die arabischen Staaten für ihre Kriege gegen Israel an und schloss seine Rede mit der Feststellung, dass die internationale Gemeinschaft sich entscheiden müsse, entweder Israel als Nationalstaat des jüdischen Volkes anzuerkennen oder Palästina zu erlauben, den rechtmäßigen Anspruch Israels auf sein Land zu leugnen.

Kritik an der Hamas

Prosor verurteilt öffentlich auch die brutalen Praktiken der Hamas – von der Inhaftierung von Frauen, die ihren Schleier ablegen, über das Herunterstoßen politischer Gegner von Gebäuden bis hin zur Propagierung von Völkermord in Schulen und im Fernsehen. In jedem seiner Kommentare wird die Hamas für ihren Einsatz von Raketenangriffen und den Beschuss mit Handfeuerwaffen kritisiert, bei dem häufig Zivilisten getötet und Gebäude zerstört werden. 

Als Israel sich 2016 auf Jom HaSikaron vorbereitete – den Tag, an dem der Staat seine gefallenen Soldaten ehrt –, sagte Prosor: „Es ist wichtig für Israel und die Palästinenser, unseren langjährigen Konflikt um seiner selbst willen zu lösen. Doch in Wahrheit haben Konflikte in Syrien, Jemen, Ägypten, Bahrain und vielen anderen Teilen des Nahen Ostens nichts mit Israel zu tun.“ Er fuhr fort: „Die Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts wird die Verfolgung von Minderheiten in der gesamten Region nicht stoppen, die Unterwerfung von Frauen beenden oder sektiererische Spaltungen heilen. Die Besessenheit von Israel hat Assads Panzer nicht davon abgehalten, ganze Gemeinden platt zu machen.“

In einer Rede, in der es auch um die iranische nukleare Bedrohung, den Siedlungsbau und die palästinensische Weigerung ging, „Israels Existenzrecht als Nationalstaat des jüdischen Volkes anzuerkennen“, wies Prosor Behauptungen zurück, dass Hilfsgüter und zivile Güter nicht in den Gazastreifen gelangen könnten. „Es ist eine einfache Gleichung“, sagte er und stellte fest, dass der Sicherheitsrat keine Raketenangriffe aus Gaza verurteilt habe. „Wenn es in Israel ruhig ist, wird es in Gaza ruhig sein. Aber die Menschen in Gaza werden mit Not konfrontiert sein, solange Terroristen sie als menschliche Schutzschilde benutzen, um Raketen auf israelische Städte herabregnen zu lassen.“

„Kein Tropfen Tinte über jüdische Flüchtlinge verschüttet“

Er betonte auch die „850.000 unerzählten Geschichten“ in den vielen Dokumenten, die die Vereinten Nationen über Israel und die Palästinenser geschrieben haben, von Juden, die „in den letzten 64 Jahren aus ihren Häusern in arabischen Ländern entwurzelt wurden. Dies waren lebendige Gemeinschaften, die 2.500 Jahre zurückreichen“, sagte er. „Die Seiten, die die UNO über die palästinensischen Flüchtlinge geschrieben hat, könnten Fußballstadien füllen, aber kein Tropfen Tinte wurde über die jüdischen Flüchtlinge verschüttet.“

Prosor stellte auch klar, dass direkte Verhandlungen das einzige Werkzeug und der einzige Weg seien, um zwei Staaten für zwei Völker zu schaffen. „Es ist an der Zeit, dass dieser Rat (die UN) die Spinnweben alter Illusionen ausfegt – und den Samen für eine wirklich offene Debatte über den Nahen Osten legt.“

Außenminister Lapid erklärte: „Die Berufung von Prosor nach Berlin signalisiert die Bedeutung der israelischen Beziehungen zu Deutschland und die weitere Stärkung der Zusammenarbeit mit der neuen Regierung in Berlin.“ In einem Artikel von „Times of Israel“ hieß es am Dienstag, dass Lapid kein Wort dazu gesagt habe, wieso der jetzige Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, den Posten abgeben soll. Issacharoff dient in Berlin seit 2017. Dessen Ernennung zum Botschafter in Deutschland führte zu Protesten im israelischen Außenministerium, weil er damals kein Wort Deutsch verstand. Die Ernennung Prosors wird dagegen als ein deutlich anderes Signal wahrgenommen. 

Es wartet viel Arbeit auf den neuen Botschafter Israels in Berlin. „Spinnweben alter Illusionen“ gibt es auch in Deutschland noch genug. 

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4 Antworten

  1. Welch ein Unterschied!
    Während die sogenannten Friedensbemühungen der “Palästinenser” und sonstigen arabischen Nachbarn Israels, immer wieder als Täuschungen geplatzt sind, versucht Israel immer wieder, ernsthaft das Thema zu bearbeiten! Trotz allen Terrors!
    Schalom Israel und allen Menschen, die es segnen!

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