Positiv über Israel und seine Zukunft sprechen

Auf dem Israelkongress in Schwäbisch Gmünd plädiert Bürgermeister Baron für positive Äußerungen über Israels Zukunft. Eine Überlebende des Massakers vom 7. Oktober und ein Reservist erzählen von ihren Erlebnissen.
Von Elisabeth Hausen

SCHWÄBISCH GMÜND (inn) – „Wenn wir über Israel sprechen, dann sprechen wir immer auch über das Judentum. Das gehört zusammen.“ Dies sagte der Erste Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Christian Baron (CDU), am Donnerstagabend bei der Eröffnung des diesjährigen Israelkongresses im Gästezentrum Schönblick. Die Konferenz mit rund 800 Teilnehmern steht unter dem Thema: „Israel geht uns alle an“.

Positiv über Israel und seine Zukunft zu sprechen, sei heute nötiger denn je, betonte Baron in seinem Grußwort. Nach dem Massaker der Hamas vor drei Jahren zeige sich die „hässliche Fratze des Antisemitismus“ deutlicher als vorher. Dem gelte es entschlossen Widerstand zu leisten.

Prosor: Jesu Lehre ging von Israel aus

Ein weiteres Grußwort kam vom israelischen Botschafter in Berlin, Ron Prosor. Er erinnerte in einer Videobotschaft daran, dass von Israel aus die Jünger eines wandernden Rabbis dessen Lehre in alle Welt verbreitet hätten. Heute sei der Großteil der Weltbevölkerung Anhänger dieses jüdischen Rabbis. Nach dem christlichen Glauben werde Jesus einst nach Israel zurückkommen.

„Israel ist Heimat des jüdischen Volkes und ein Land, in dem die drei Weltreligionen ihren Glauben frei leben können“, fügte Prosor hinzu. Die christliche Gemeinschaft dort wachse weiter. Mit Blick auf den Antisemitismus warnte er: „Wer heute Synagogen in Brand setzt, zündet morgen Kirchen an.“ Er dankte den anwesenden Christen für die Freundschaft gegenüber dem jüdischen Staat.

Überlebende erzählt vom 7. Oktober

Eine Zeitzeugin des Terrormassakers vom 7. Oktober ist Adele Raemer aus dem Kibbuz Nirim. Die Überlebende war beim Auftakt des christlichen Kongresses zu Gast. Es sei ein emotionales Erlebnis, „so viele Menschen zu sehen, die ein Herz für uns haben und uns lieben“, sagte sie.

Raemer stammt aus den USA, wo sie der zionistischen Jugendbewegung angehörte. Sie wanderte 1973 nach Israel ein, leistete Armeedienst und zog 1975 nach Nirim. Der Kibbuz liegt 2 Kilometer von der Gaza-Grenze entfernt. Sie arbeitete als Lehrerin, aber auch als medizinischer Clown. Nun sei sie „Kriegskorrespondentin wider Willen“; sie müsse über das sprechen und schreiben, was geschehe. Denn die Leute sollten die Realität verstehen.

Eine weitere Funktion nannte die Israelin: Sie sei eine „optimistische Brückenbauerin“. Vor dem 7. Oktober habe sie Brücken zu Menschen in Gaza gebaut. Die Region und ihr Kibbuz seien zu jener Zeit „95 Prozent Himmel“ genannt worden – „bis sie zu einer 100-Prozent-Hölle wurden“.

Zum Glück zu müde für den Morgenspaziergang

Am 6. Oktober 2023 feierte der Kibbuz Nirim, der zu jenem Zeitpunkt 430 Bewohner hatte, sein 77-jähriges Bestehen. Raemer wollte am nächsten Tag um 5.30 Uhr aufstehen, um ein schönes Foto vom Sonnenaufgang zu machen. Doch glücklicherweise, wie sie sagte, war sie zu müde. Sonst wäre sie heute nicht hier.

Infolge des Raketenfeuers musste sie den Schutzraum aufsuchen. Da der Beschuss ohne Pause fortdauerte, hätten sie und ihr Sohn verstanden: Die Raketen waren eine Ablenkung für Angriffe an 119 Orten entlang der Grenze. Offizielle Informationen gab es nicht, nur den Austausch untereinander über Messenger-Dienste. Erste Bewohner schrieben, sie hätten draußen Arabisch und Schüsse gehört. Terroristen hätten Häuser betreten und in Brand gesteckt. Sie selbst habe das Vorrücken der Terroristen verfolgen können – bis auch sie Arabisch und Schüsse vernahm.

Als Kind in New York hatte Raemer sich vorgestellt: ‚Wo würde ich mich verstecken, wenn die Nazis kämen?‘ Doch nie habe sie davon geträumt, sich in ihrem eigenen Land, im Kibbuz, im Zuhause vor den „Nazis des Jahres 2023“ verstecken zu müssen. Sieben Stunden nach Beginn des Alptraums seien die ersten Soldaten in den Kibbuz gekommen. Und nach insgesamt elf Stunden hätten sie und ihr Sohn den Schutzraum verlassen können.

„Ich habe mehr Menschen verloren, die ich persönlich kannte, als ich zählen kann“, sagte Raemer. In Nirim selbst wurden fünf Bewohner ermordet und fünf weitere entführt. Die Überlebenden wurden evakuiert: „Wir waren traumatisierte Flüchtlinge in unserem eigenen Land.“

Neuanfang nach dem Terrorangriff

Mittlerweile sind 97 Prozent der Bewohner zurückgekehrt, und es gibt Neuzugänge. Die verbrannten Häuser und Ruinen wurden abgerissen: „Wir wollen nicht wie in Auschwitz leben.“ Ein neues Viertel für junge Erwachsene sei entstanden und vor zwei Wochen eingeweiht worden. „Es ist schön.“ Einen Teil des Wiederaufbaus hätten Christen mithilfe des amerikanischen christlichen Fernsehsenders CBN unterstützt.

Im Kibbuz Nirim leben derzeit 445 Menschen. Vor Kurzem habe er sein 80-jähriges Bestehen gefeiert, erzählte Raemer. Jeder müsse seinen Weg zur Heilung finden. Bei ihr sei es Fotografie, Kunst – und „zu Menschen wie Ihnen darüber sprechen“.

Fallschirmjäger: Nation gründet sich auf Wunder

Jair Jablinowitz wiederum ist Fallschirmjäger bei der israelischen Armee. Etwa 450 Tage hat der Reservist seit dem Hamas-Massaker, das sich vor rund 1.100 Tagen zutrug, Dienst getan. In seinem Vortrag zitierte er Staatsgründer David Ben-Gurion: „Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

Der Reservist sagte: „Die Grundlage unserer Nation gründet sich auf Wunder.“ Das habe mit dem Auszug aus Ägypten, der Teilung des Roten Meeres und dem Empfangen der Tora auf dem Sinai begonnen. Weitere Beispiele seien der Unabhängigkeitskrieg und der Sechs-Tage-Krieg.

Ein weiteres, ganz aktuelles Wunder führte Jablinowitz an: den vereitelten Anschlag auf dem FlyDubai-Flug vergangene Woche. Der Referent trägt eine Anstecknadel mit den Flaggen von Indien und Israel. Zwei Helden hätten vergangene Woche den Absturz verhindert: der indische Pilot und die israelischen Passagiere. Jede kleine Einzelheit habe exakt funktionieren müssen, damit die 174 Passagiere überleben konnten. „Wenn das kein Wunder ist, weiß ich nicht, was sonst.“

Jablinowitz wies auf den Tora-Abschnitt für den Schabbat vor dem Zwischenfall hin. Er steht im 5. Buch Mose. Dort heißt es (33,26) unter Verwendung des Ehrentitels Jeschurun für das Volk Israel: „Es ist kein Gott wie der Gott Jeschuruns, der am Himmel daherfährt dir zur Hilfe und in seiner Hoheit auf den Wolken.“ Leute könnten sagen, das sei Zufall. „Aber wir wissen, dass es keiner ist.“

Der Vorsitzende der Internationalen Botschaft Jerusalem (ICEJ), Gottfried Bühler, erzählte, dass am Vorabend des Fluges 1.200 Christen aus 70 Nationen für Israel gebetet hätten. Der Rahmen war die Sukkot-Konferenz der ICEJ. Und während sich der Anschlagsversuch ereignete, habe es am Gartengrab in Jerusalem eine Gebetsversammlung gegeben.

Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!

Jeden Tag Wunder erlebt

Am Morgen des 7. Oktober wurde Jablinowitz eingezogen, ohne zu wissen, was geschehen würde. Er sei bereit gewesen, alles ihm Mögliche zu tun, um seine Familie und Israel zu beschützen. Jeden einzelnen Tag habe er Wunder erlebt.

Der Fallschirmjäger stellte auch die Frage: „Warum passierte der 7. Oktober?“ Darauf gebe es keine Antwort. Doch für ihn sei es sehr persönlich: Vor 21 Jahren verbrachte er als Teenager zwei Monate in der jüdischen Verbandsgemeinde Gusch Katif im Gazastreifen, in der Siedlung Neve Dekalim. Mit 16 habe er Familien beistehen wollen, die Israel aus dem Gazastreifen vertreiben wollte.

Die Menschen dort hätten geglaubt, dass eine Katastrophe passieren würde, wenn die Israelis den Gazastreifen verließen und die Siedlungen abrissen. Wenige Tage nach dem Rückzug seien die palästinensischen Bewohner des Gazastreifens gekommen und hätten die einzigen Gebäude zerstört, die noch standen: die Synagogen.

Familienvater als Terrorist

Vom Militärdienst in Samaria erzählte Jablinowitz, wie im Mai 2025 seine Einheit nach einer langen Schicht von morgens bis 22 Uhr an den Stützpunkt zurückkehrte. Eine Minute später mussten sie an einen Anschlagsort ausrücken: Ein Palästinenser hatte einen israelischen Autofahrer mit einem Laserstrahl geblendet und dessen schwangere Ehefrau erschossen; sie waren auf dem Weg zum Kreißsaal. Das Baby, Ravid Chaim, starb zwei Wochen später.

Weil es sich um einen Einzeltäter, einen sogenannten „einsamen Wolf“ handelte, hatten die Geheimdienste keine Informationen über seinen Plan. Die meisten Anschläge würden vor ihrer Ausführung vereitelt, sagte der Fallschirmjäger.

Seine Einheit habe die Gegend durchkämmt. Am dritten Tag, als sie in einem palästinensischen Dorf gerade die Schicht beenden wollten, habe ein Kamerad etwas sehr Verdächtiges gesehen: Ein Mann ließ aus dem zweiten Stock eines Hauses einen Müllsack fallen. Die Soldaten hätten beschlossen, das Gebäude zu überprüfen.

Sie seien auf eine „liebenswerte Familie mit Kindern“ gestoßen. Ein Teil der Reservisten, zu denen auch er gehörte, sei mit dem Vater nach draußen gegangen und hätten ihn aufgefordert, zu zeigen, was in dem Sack war, sagte Jablinowitz. Die anderen, zu denen auch er gehörte, hätten im Haus mit den Kindern gespielt und sie wie ihre eigenen behandelt, sagte Jablinowitz.

Plötzlich sei von draußen Gewehrfeuer zu hören gewesen: Der Vater habe den Sack geöffnet, „Allahu Akbar“ gerufen und die Soldaten erschießen wollen. Doch die Einheit habe schneller reagiert und den Mann getötet. Normalerweise könne es Wochen dauern, bis die Armee einen „einsamen Wolf“ finde. Dass es so schnell ging, sieht der Referent als Wunder.

„Jeden Tag versuchen sie, Israel anzugreifen“

Drei Schlussfolgerungen ergeben sich für ihn. Erstens: Wunder geschehen immer noch. Zweitens: „Jeden Tag versuchen sie, Israel anzugreifen.“ Drittens: „Terroristen sehen nicht immer wie Terroristen aus.“ Das habe sich bei diesem Familienvater gezeigt, der schon vor dem tödlichen Anschlag israelische Autofahrer mit einem Laserstrahl geblendet hatte, um dann auf ihre Fahrzeuge zu schießen.

Jablinowitz betonte die Verbindung der Juden mit dem Land: Sie sei in Jahrtausenden der Geschichte geerbt, das sei in den heiligen Büchern niedergeschrieben. Wenn jemand Produkte aus Judäa und Samaria boykottieren wolle, gebe er zur Antwort: „Ich bin ein Produkt aus Judäa.“

Mahnwache aus Protest gegen den Kongress

Außerhalb des Geländes demonstrierten zum Auftakt des Kongresses etwa 20 Aktivisten der „Mahnwache Ostalb für Palästina“. Sie protestierten gegen einen „Genozid im Gazastreifen“ und riefen „Freiheit für Palästina“. Zusammenstöße mit Teilnehmern gab es bei der vorher angekündigten Mahnwache nicht. Sie war allerdings auch emotional aufgeladen.

Foto: Israelnetz/Christian Biefel
Die Mahnwache am Eingang zum Schönblick-Gelände

Die Veranstalterin hatte vor zwei Jahren am Israelkongress teilgenommen. Dabei störte sie nach eigener Aussage die Vermischung von Politik und Religion. Auch ein Kind im Kindergartenalter nahm an der Mahnwache teil. Es trug eine Kuffija und rief: „Stoppt den Genozid“. Eine Teilnehmerin sagte, Israel Waffen zu geben, wäre so, als würde man einem Alkoholiker Alkohol geben. Das Problem werde dadurch nicht gelöst.

Den Israelkongress vom 8. bis 11. Oktober auf dem Schönblick veranstalten mehrere christliche Werke. Israelnetz ist einer der Mitorganisatoren.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien. 

Schreiben Sie einen Kommentar

2 Kommentare

  1. „Terroristen sehen nicht wie Terroristen aus.“ Siehe Gaza, aber auch im Westjordanland ist nicht anders und in Berlin? Das kommt noch.

  2. Immer wieder berührend, Zeugen des Massakers zu hören und von wunderbaren Rettungen trotz alles Leides. Wir haben keine Antwort auf das Warum. Gott selbst hat darunter gelitten und Schmerz empfunden, weil er seinen Sohn Jeshua hergeben musste. Und weil er leidensfähig ist, ist er in jedem unserer Leiden auch dabei.
    Jablinowitz hat völlig Recht, die „Grundlage unserer Nation gründet sich auf Wunder.“ Und wenn wir genau auf Israel schauen, sehen wir diese Wunder auch immer wieder.
    Von der Mahnwache für Palästina in Schw. Gmünd, hab ich gehört. Die Verantwortliche war mal beim Kongress dabei und hat sich heute auf die falsche Seite geschlagen. 🙈
    Ja, auch das gibt es und bedarf unseres Gebets. Ich will versuchen, trotz meiner Kniebeschwerden morgen als angemeldeter Tagesgast am Kongress teilzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen