Adele Raemer (r.) führte die EU-Beauftragte auch am Grenzzaun entlang

Adele Raemer (r.) führte die EU-Beauftragte auch am Grenzzaun entlang

EU-Gesandte: „Israelis am Gazastreifen leben in ständiger Angst“

Die EU-Sonderbeauftragte für Nahost besucht den Kibbutz Nirim am Gazastreifen und dessen Einwohner. Dabei reagiert sie ungewöhnlich empathisch, wie Israelnetz-Autor Sandro Serafin feststellt.

NIRIM (inn) – Im Schutzraum hat Adele Raemer in der vergangenen Nacht nicht geschlafen. „Aber ich lasse ein Licht an, damit ich sehe, wo ich hin muss, falls es los geht“, schrieb sie vor einigen Stunden auf Facebook, bevor sie zu Bett ging. Raemer lebt seit 1975 im Kibbutz Nirim auf Höhe der Palästinenserstadt Chan Junis, direkt am Gaza-Grenzzaun. Am Dienstag hatte die israelische Armee drei Palästinenser getötet, die in israelisches Territorium eingedrungen waren. Raemer fürchtete einen Gegenschlag.

Es ist der Alltag in der Grenzregion rund um den Gazastreifen. Ein Alltag, der bei vielen auch dann von Angst geprägt ist, wenn gerade mal keine Raketen geflogen kommen und die großen internationalen, aber auch israelischen Medien nicht nach Südisrael schauen – und auch der Fokus der Regierung auf anderen Problemen liegt.

Nur wenige Stunden, bevor Raemer auf Facebook ihre Vorbereitungen für die Nacht schilderte, hatte sie die EU-Sonderbeauftragte für den Friedensprozess im Nahen Osten, die Niederländerin Susanna Terstal, zu Gast, führte sie durch Schutzräume und entlang des Grenzzauns. Die EU-Politikerin zeigt sich anschließend auf Twitter fast ungewohnt empathisch: „Ich finde es wichtig, mit meinen eigenen Augen zu sehen, wie Israelis am Grenzzaun in ständiger Angst vor Raketen und explosiven Ballons leben“, schildert sie ihre Eindrücke.

Ungewöhnliche Worte der EU-Beauftragten

Das Aufeinandertreffen mit den Einwohnern beschreibt Terstal als „inspirierend“. „Sie verlieren ihre Hoffnung nicht, sind in Kontakt mit ihren Nachbarn in Gaza und streben nach Frieden.“ Bemerkenswert auch, was die EU-Beauftragte nicht schreibt: Kein Wort über die israelisch-ägyptische „Blockade“ des Gazastreifens, nichts über die Situation der Palästinenser – eine EU-Vertreterin, die sich mal nur der Situation der israelischen Zivilisten widmet, ohne gleichzeitig die israelische Regierungspolitik anzuklagen.

Adele Raemer freut sich über den Besuch. Sie kämpft schon lange dafür, die ständige Bedrohungslage an ihrem Wohnort ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen, sprach im Dezember vor dem UN-Sicherheitsrat und ist Gründerin der Facebook-Gruppe „Leben an der Gaza-Grenze – Dinge, die Menschen möglicherweise nicht wissen (aber wissen sollten)“, in der sie und andere ihren Alltag in der Grenzregion schildern. „Ein großes DANKESCHÖN an Susanna Terstal“, schreibt sie dort am Dienstag. Raemer hofft, dass die EU-Beauftragte nun „unsere Geschichte“ in der Europäischen Union weitererzählt.

Wenige Stunden später erfährt sie von der Tötung der Palästinenser und macht sich die üblichen Sorgen. Derzeit kommen wieder vermehrt Ballons nach Israel hinübergeflogen, die explosives Material mit sich führen. Raketen fliegen in dieser Nacht nicht. Aber niemand weiß, wie lange das so bleibt.

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Marco Wanderwitz (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung, Parl. Staatssekretär im Wirtschaftsministerium

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