Freude über gemeinsame Beziehungen auf beiden Seiten: Israels Außenminister Lapid und sein marokkanischer Amtskollege Bourita (r.)

Freude über gemeinsame Beziehungen auf beiden Seiten: Israels Außenminister Lapid und sein marokkanischer Amtskollege Bourita (r.)

Lapid besucht Marokko

Viel hat sich bereits getan in den Beziehungen zwischen Israel und Marokko. Die Außenminister beider Länder vereinbaren nun weitere Vorhaben.

RABAT (inn) – Erstmals seit der Normalisierung hat ein israelischer Außenminister Marokko besucht: Jair Lapid (Jesch Atid) traf am Mittwoch in Rabat seinen Amtskollegen Nasser Bourita. Die beiden Politiker vereinbarten mehrere Kooperationsabkommen und einigten sich darauf, regelmäßige Regierungskonsultationen ins Auge zu fassen.

Ein Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen Lapid und Bourita hatte länger als geplant gedauert. Die Nachrichtenseite „Times of Israel“ wertet das als Hinweis darauf, dass die Chemie zwischen den beiden Außenministern stimmt.

Bei der anschließenden Pressekonferenz sagte Lapid dann: „Etwas passiert im Nahen Osten. Völker und Führer schauen auf Libyen, Syrien und den Libanon und sagen sich: ‚Das wollen wir nicht für unsere Kinder. Das wollen wir nicht für uns.‘ Der Friede und die uralte Freundschaft wird von Menschen zurückgebracht, die wissen, wie man alte Konflikte überdenkt. Allen voran seine Exzellenz, König Mohammed VI., durch seine Vision und seinen Mut. Wir sind ihm dankbar.“

Bourita: Zwei-Staaten-Lösung dringlich

Bourita betonte seinerseits, die Beziehung zu Israel sei mit Blick auf die jüdische Gemeinschaft in dem Land „einzigartig“. Seit der Unterzeichnung erster offizieller Abkommen im Dezember habe sich eine „positive Dynamik“ entwickelt. Diese habe etwa zur Einrichtung von fünf Arbeitsgruppen im Bereich Forschung oder im Bereich Tourismus geführt.

Der marokkanische Außenminister nutzte die Gelegenheit, um zu einer Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt aufzurufen. Dies könne nur über Verhandlungen geschehen. Beide Seiten müssten „dringend damit beginnen, Vertrauen aufzubauen“.

Vermächtnis der Generationen

Zu Beginn seines Besuches hatte Lapid im Mausoleum von Mohammed V. einen Kranz niedergelegt. Mohammed V. war von 1957 bis 1961 König von Marokko. Das Mausoleum enthält auch die Gräber seiner Söhne, König Hassan II. (Regierungszeit 1961–1999) und Prinz Abdallah (1935–1983). Lapid trug sich dort mit einem Dank an König Mohammed VI. ins Gästebuch der Grabesstätte ein: Dieser führe das Erbe seines Vaters und Großvaters durch die Vertiefung der Länderbeziehungen fort.

Am Donnerstag hat Lapid die offizielle israelische Vertretung eröffnet. Bislang gab es lediglich Verbindungsbüros für wirtschaftliche Angelegenheiten. Außerdem stand ein Besuch der jüdischen Gemeinschaft und der Beth-El-Synagoge in Casablanca auf dem Plan.

Der amerikanische Außenminister Antony Blinken begrüßte den Besuch Lapids in Marokko: „Wir werden weiter mit Israel und Marokko daran arbeiten, alle Aspekte unserer Partnerschaft zu vertiefen“, schrieb er auf Twitter. Die USA hatten unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump das Drei-Länder-Abkommen im Dezember initiiert. Marokko folgte mit diesem Schritt den Golfstaaten Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie dem Sudan.

Von: df