Der saudische Kronprinz Bin Salman (r.) sagte im Gespräch mit dem amerikanischen Präsidentenberater Kushner, er strebe derzeit keine Normalisierung mit Israel an

Der saudische Kronprinz Bin Salman (r.) sagte im Gespräch mit dem amerikanischen Präsidentenberater Kushner, er strebe derzeit keine Normalisierung mit Israel an

Saudi-Arabien: Vorerst keine Normalisierung mit Israel

Außer den Emiraten strebt vorerst keiner der Golfstaaten Beziehungen mit Israel an. Das schließt andere Entwicklungen jedoch nicht aus: Die Saudis gewähren den Emiraten schon einmal Direktflüge nach Israel.

MANAMA / RIAD (inn) – Die Königreiche Saudi-Arabien und Bahrain werden vorerst die Beziehungen zu Israel nicht normalisieren. Das teilten sie dem amerikanischen Präsidentenberater Jared Kushner bei dessen Aufenthalten in den beiden Ländern am Dienstag mit. Saudi-Arabien sieht demnach ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes als Voraussetzung an. Bahrain möchte den Schritt nicht vor Saudi-Arabien gehen.

Die amerikanische Regierung hatte sich von ihren Vorstößen mehr erhofft. In der vergangenen Woche musste Außenminister Mike Pompeo eine Absage des Sudans entgegennehmen. Damit sind die Vereinigten Arabischen Emirate das bislang einzige Land, das ein Abkommen mit Israel – das sogenannte Abraham-Abkommen – anstrebt.

Neue Flugmöglichkeiten

Annäherungen vollziehen sich derzeit in kleineren Schritten: Am Mittwoch gewährte Saudi-Arabien den Emiraten die Nutzung des Luftraums für Flüge „in alle Länder“. Gemeint ist damit „auch Israel“. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu sprach von einem „großen Durchbruch“. „Flüge werden billiger und kürzer, und das wird zu einem starken Tourismus führen und unsere Wirtschaft fördern.“

Die Saudis hatten am Montag einer El-Al-Maschine den Flug in die Emirate gewährt. Bei den Gesprächen der israelischen Delegation in Abu Dhabi hieß es, dass es zwischen Israel und den Emiraten noch vor Jahresende Direktflüge geben soll. Israelis sollen auch Tickets der nationalen Fluggesellschaft Etihad für internationale Ziele kaufen können – allerdings nur für Flüge ab Abu Dhabi.

„Große Gefahr für israelische Luftfahrt“

Die israelische Luftfahrtbranche sieht diese Entwicklung jedoch skeptisch. Ein ungenannter Vertreter sagte der israelischen Wirtschaftsseite „Globes“, der Eintritt der Emirate in den israelischen Markt stelle eine „große Gefahr“ dar. Schon vor der Corona-Krise hatten israelische Fluggesellschaften Verluste gemacht. Erschwerend komme hinzu, dass Golfstaaten viel Geld in ihre Fluggesellschaften investierten und ihnen billigen Treibstoff zur Verfügung stellten.

Bereits als Saudi-Arabien der indischen Luftlinie Air India im Jahr 2017 Direktflüge nach Israel über das Land erlaubte, sahen israelische Luftfahrtvertreter darin einen Wettbewerbsnachteil. Israelische Flieger müssen für die gleiche Strecke nach wie vor einen Umweg und damit eine um zwei Stunden längere Flugzeit in Kauf nehmen.

Pläne für politische Vertretungen

Die Emirate kündigten unterdessen an, in Haifa oder Nazareth Konsulate eröffnen zu wollen. Das teilte ein Vertreter des Außenministeriums in Abu Dhabi mit, wie die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ berichtet. Eine Botschaft solle in Tel Aviv – nicht Jerusalem – entstehen. Sobald diese in Betrieb sei, könnten Israelis dort Visa für einen Besuch in dem Golfstaat erhalten.

Unbestätigten Medienberichten zufolge soll eine Unterzeichnung des „Abraham-Abkommens“ am 13. September im Weißen Haus stattfinden. Das Datum hat Symbolwert, denn vor 27 Jahren, 1993, wurde an diesem Tag das erste Oslo-Abkommen unterzeichnet.

Neue Flugmöglichkeiten

In israelischen Medien sind indes Berichte über die Vorgeschichte des Abkommens zu lesen. Erst am Dienstag hieß es in der Zeitung „Yediot Aharonot“, Netanjahu habe die Emirate 2018 insgeheim besucht. In jenem Jahr war er auch überraschend im Oman zu Gast; das Treffen mit dem damaligen Staatsoberhaupt, Sultan Kabus Bin Said, wurde im Nachhinein jedoch bekanntgemacht.

Die Berichte über den Geheimbesuch in den Emiraten ließ Netanjahus Büro jedoch unkommentiert. Der Premier teilte lediglich mit, er besuche viele Staatenlenker in der arabischen und muslimischen Welt, „viel mehr, als Sie es sich vorstellen“.

Von: df

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