Rivlin hat sich direkt an Putin (r.) gewandt (Archivbild)

Rivlin hat sich direkt an Putin (r.) gewandt (Archivbild)

Rivlin bittet Putin um Begnadigung

In Russland erhält eine Israelin wegen angeblichen Drogenschmuggels eine unverhältnismäßig hohe Haftstrafe. Aus Israel soll ein inhaftierter Russe in die USA ausgeliefert werden. Dies führt zu Spekulationen über einen möglicherweise geplanten Austausch.

MOSKAU / JERUSALEM (inn) – Ein russisches Gericht hat am Freitag eine 26-jährige Israelin zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Am 9. April war Na’ama Issachar an einem Moskauer Flughafen mit neun Gramm Cannabis erwischt worden, als sie auf einem Flug von Indien nach Israel umsteigen musste. Sie wurde zunächst wegen Drogenbesitzes festgenommen. Die Gefängnisstrafe wurde ihr jedoch wegen Drogenschmuggels auferlegt.

Rivlin appelliert an Putin

Am Sonntag appellierte der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin an seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin. „Na’ama hat einen schweren Fehler begangen und ihr Vergehen gestanden“, schrieb er laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Aber im Falle einer jungen Frau ohne Vorstrafenregister wird die schwere Strafe, die verkündet wurde, einen zutiefst destruktiven Einfluss auf ihr Leben haben.“

Rivlin dankte Russland dafür, dass es geholfen hatte, den Leichnam des Soldaten Sacharia Baumel aufzuspüren. Die sterblichen Überreste des Verschollenen waren im April in Syrien entdeckt und nach Israel überführt worden. Weiter schrieb der Präsident: „Wegen der besonderen und individuellen Umstände von Na’ama Issachars Fall appelliere ich an Ihre Gnade und Ihr Mitleid mit einem Antrag auf Ihre persönliche Intervention, um ihr eine außerordentliche Begnadigung zu gewähren.“

Das israelische Außenministerium indes hat im Fall Issachar den russischen Botschafter einbestellt. Justizminister Amir Ochana nannte die Haftstrafe „nicht verhältnismäßig, nicht logisch und nicht angemessen“. Im August wurde die junge Frau in ein Gefängnis überführt, das weit von Moskau entfernt liegt. Telefonate, Verwandtenbesuche und Briefe sind ihr nicht mehr erlaubt. Auch muss sie auf koschere Mahlzeiten verzichten. Mittlerweile wurde allerdings bekannt, dass ihre Mutter sie besuchen durfte.

Israels Premier Benjamin Netanjahu versicherte am Samstag der Mutter Jaffa Issachar, er tue alles, um Na’amas Freilassung zu bewirken. „Netanjahu hat eine Änderung des Strafmaßes und eine Erleichterung von Na’amas Haftbedingungen beantragt“, hieß es aus seinem Büro. Leider habe die russische Staatsanwaltschaft dies noch nicht akzeptiert.

Möglicherweise spekuliert Russland auf Gefangenenaustausch

Issachars Familie geht davon aus, dass Russland mit der unverhältnismäßig hohen Strafe Druck auf Israel ausüben will. Denn 2015 haben die Israelis den russischen Hacker Alexej Burkow inhaftiert. Er wurde von Interpol gesucht, die USA haben um seine Auslieferung gebeten. Das Oberste Gericht hat diese im August verfügt. Burkow hat nach eigenen Angaben über einen Freund die Familie Issachar kontaktiert und sie gebeten, sich um einen Gefangenenaustausch zu bemühen.

Ein ranghoher diplomatischer Vertreter in Israel warnte am Sonntag vor Besuchen in Russland. Solange das Land versuche, einen Austausch herbeizuführen, sollten Israelis „zweimal überlegen“, bevor sie eine solche Reise anträten, hieß es gemäß hebräischen Medien. Das Büro des israelischen Premierministers teilte mit, es bestehe keine Chance, die Auslieferung zu verhindern.

Dass die Anklage von Drogenbesitz in -schmuggel verändert wurde, ist für die Familie verdächtig. Na’ama Issachar selbst beteutert, sie habe nicht vorgehabt, die russische Grenze zu überschreiten. Daher sei sie keine Schmugglerin. Die Staatsanwälte betonen hingegen, ihre Tasche habe sich in russischem Luftraum befunden.

Mutter: Hoffentlich keine „Dreyfus-Affäre 2.0“

Jaffa Issachar veröffentlichte am Sonntag einen offenen Brief an Putin auf Hebräisch und Russisch. Darin bekundet sie die Hoffnung, dass er in den kommenden Tagen eine Freilassung ihrer Tochter verfügen könne. Sie hoffe, dass der Präsident nicht hinter der Entscheidung stehe, die Haftbedingungen zu verschlechtern – und hinter der „antisemitischen“ Maßnahme, Anhörungen für die jüdischen Feiertage Rosch HaSchanah und Jom Kippur anzusetzen.

„Herr Putin, Na’ama kann nicht ein Faustpfand für eine Person sein, die möglicherweise Sicherheitsverstöße begangen hat, möglicherweise aber auch nicht“, schreibt die Mutter mit Bezug auf Burkow. „Das ist kein fairer Handel. Ich bin sicher, Sie möchten nicht, dass die Geschichte Sie als Führungspersönlichkeit verurteilt, die hinter dem Schauprozess stand, der Dreyfus-Affäre 2.0.“

Damit bezog sie sich auf den Prozess gegen den französischen Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus Ende des 19. Jahrhunderts. Der Jude wurde fälschlich des Landesverrats beschuldigt und zur Verbannung verurteilt. Der Prozess löste antisemitische Ausschreitungen aus. Der österreichische Journalist Theodor Herzl erlebte den Judenhass damals in Paris mit – die Ereignisse waren ein Auslöser für die Entstehung des politischen Zionismus.

Von: eh

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