Bei ihrem jüngsten Treffen in Moskau sprachen Netanjahu (l.) und Putin über den Fund der Leiche des seit 37 Jahren vermissten Soldaten Baumel

Bei ihrem jüngsten Treffen in Moskau sprachen Netanjahu (l.) und Putin über den Fund der Leiche des seit 37 Jahren vermissten Soldaten Baumel

Internationale Verwicklungen um verschollenen Soldaten

Die Überreste des 37 Jahre lang verschollenen israelischen Soldaten Baumel sind am Sonntag mit militärischen Ehren beigesetzt worden. Allmählich werden Hintergründe über die Suchaktion bekannt.

JERUSALEM (inn) – Die Entdeckung der Leiche des vor 37 Jahren im Libanon verschollenen Soldaten Sacharia Baumel und ihre Rückführung nach Israel entsprach in Israel einem Großereignis, wie man es selten erlebt. Am Donnerstagabend erhielt Baumel ein offizielles Begräbnis mit allen Ehren auf dem Militärfriedhof auf dem Herzlberg in Jerusalem. Daran nahm höchste Prominenz teil, darunter der just aus Moskau von einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin zurückgekehrte Premierminister Benjamin Netanjahu.

Auf Wunsch der Familie blieben Salutschüsse aus. Staatspräsident Reuven Rivlin verlas den letzten Brief des Soldaten an seine Eltern: „Macht Euch keine Sorgen. Aber ich werde wohl nicht so bald heimkehren.“ Rivlin fügte hinzu: „Daraus wurden 37 Jahre.“

Selten stand ein Ereignis unter derart scharfer Pressezensur. Nur langsam werden Einzelheiten bekannt, wobei selbst Informationen arabischer Medien im Ausland erst nach ihrer Freigabe durch die Zensur in Israel veröffentlicht werden dürfen.

Anfangs hieß es, dass die sterblichen Überreste mit einem EL AL-Flugzeug nach Israel gebracht worden seien. Kein Wort über den Ort, wo sie gefunden worden waren und wer sie entdeckt hat.

Russen suchten in palästinensischem Flüchtlingslager

Ausgerechnet während eines Besuches des wahlkämpfenden Netanjahu beim ebenfalls Wahlkampf führenden Putin wurden weitere Angaben bekannt. Gemäß arabischen Medien, darunter der Nachrichtenseite „Rai al-Jum“, deren Wahrheitsgehalt mangels offizieller Angaben nicht nachgeprüft werden können, hätten Mitte März russische Truppen das palästinensische Flüchtlingslager Al-Jarmuk bei Damaskus eingenommen und umstellt. Alle dort vertretenen kämpfenden Parteien wurden angewiesen, das Lager zu verlassen.

Israelische Geheimdienstleute hätten bei den Vorbereitungen die Russen angewiesen, den Lagerfriedhof Schuhada zu durchsuchen. Fünf Tage lang hätten die Russen mit modernen Geräten den Friedhof durchsucht und dabei die Stelle gefunden, wo der israelische Soldat begraben gewesen sei. Die Russen sammelten alles ein, darunter die sterblichen Überreste des Verschollenen, Teile der Uniform des Panzerinfanteristen und seine Stiefel.

In Plastiktüten brachten die russischen Soldaten alles außer Landes, nach Moskau. Angeblich waren syrische Soldaten an der Suche beteiligt, jedoch ohne zu wissen, wer oder was da gesucht wurde. Israelis befanden sich in der Zeit nicht auf syrischem Boden, doch belieferten sie die Russen mit Geheimdienstinformationen.

Putin übergibt Stiefel und Gebetsmantel

Während die Leichenreste schon vor einigen Tagen von Moskau nach Israel gebracht worden waren, um deren Identität zu prüfen, nutzte Putin die Gelegenheit einer kurzen Stippvisite Netanjahus, um ihm feierlich im Rahmen einer Zeremonie die Stiefel, den Gebetsmantel und die Uniform des Soldaten zu übergeben.

Putin sprach von den engen Beziehungen Israels mit Russland und von „gemeinsamen Werten“, die beide Länder verbinden. Er sagt inzwischen, dass die syrische Armee nicht nur an der Suchaktion beteiligt war, sondern sogar wusste, dass da ein israelischer Soldat gesucht wurde. Diese Information brachte die Syrer in Verlegenheit, denn das könnte als Kooperation zwischen Israel und dem syrischen Regime interpretiert werden. In Damaskus hieß es in Reaktion auf Putins Behauptungen, dass syrische Soldaten an der Suche im Al-Jarmuk-Lager am Stadtrand von Damaskus weder beteiligt noch eingeweiht gewesen seien.

Weiterhin bleiben viele Einzelheiten dieser jahrelang unter völliger Geheimhaltung durchgeführten Aktion unter Verschluss.

Von: Ulrich W. Sahm

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