Das neue Jahr soll süß werden, daher werden zum jüdischen Neujahr bevorzugt Süßspeisen gegessen

Das neue Jahr soll süß werden, daher werden zum jüdischen Neujahr bevorzugt Süßspeisen gegessen

Mit Honig und Äpfeln ins neue Jahr

Den Auftakt zu den Hohen Feiertagen bildet das jüdische Neujahrsfest, das Rosch HaSchanah. Die Zeit ist geprägt von Feiern, Essen, Fasten, Beten und Buße tun. Überraschend: Es ist nicht der einzige Neujahrstermin im jüdischen Kalender.

Mit dem Neujahrsfest erinnern sich Juden an die Erschaffung der Welt vor 5.780 Jahren, die nach jüdischer Tradition mit der Erschaffung Adams zusammenfällt. Gleichzeitig markiert es den Beginn der Zeit der Hohen Feiertage. Diese sind nicht mit historischen Ereignissen verknüpft, dafür aber religiöse Feste, die Gottes Rolle als Richter betonen. Die „Gewaltigen Tage“ oder auch „Tage der Ehrfurcht“ bezeichnen die zehn Tage zwischen dem Rosch HaSchanah und dem Jom Kippur, dem Großen Versöhnungstag, und genau genommen gehört auch bereits der ganze sechste Monat, der Bußmonat Elul, dazu.

Tischrei heißt der Monat, an dessen erstem Tag das jüdische Neujahrsfest gefeiert wird. Rosch HaSchanah, das „Haupt des Jahres“, dauert vom ersten bis zum zweiten Tischrei, fällt also in diesem Jahr auf den 30. September und 1. Oktober des gregorianischen Kalenders. Es beginnt am Abend des 29. September. Durch den im jüdischen Kalender festgelegten Schaltmonat fällt Tischrei in jedem Jahr in den September beziehungsweise auf Anfang Oktober. Obwohl er das Neujahrsfest enthält, ist Tischrei nach jüdischer Zählung erst der siebte Kalendermonat.

Die Neujahrsgottesdienste beinhalten unter anderem eine Lesung aus dem Buch Nehemia. Sie beschreibt, wie der Schriftgelehrte Esra dem Volk Israel aus der Tora vorliest. Die Israeliten sind erfreut und weinen zugleich. In Nehemia 8,10 steht geschrieben: „Und Esra sprach zu ihnen: Geht hin und esst fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.“  Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Festfreude beziehen jüdische Gelehrte auf Rosch HaSchanah. In dem Fall solle „heilig“ ausdrücken, dass der Tag anders und von den anderen Tagen abgesondert ist.

Sünden symbolisch ins Wasser werfen

Neben den besonderen Gebeten bildet das Zentrum der beiden Neujahrs-Gottesdienste gemäß 3. Mose 23,23–25 und 4. Mose 29,1 das Blasen des Schofars, des Widderhorns, während des Morgengebets - es sei denn, einer der Feiertage fällt auf einen Schabbat. Am Nachmittag des ersten Tages gibt es den Taschlich-Brauch, bei dem religiöse Juden nach einem Gebet zur Vergebung der Sünden symbolisch Steine ins Wasser werfen und der auf Micha 7,19 zurückgeht.

Das Neujahr, wie es heute gefeiert wird, wurzelt in 4. Mose 29,1. Dort gebietet Gott den Israeliten: „Und am ersten Tag des siebenten Monats soll heilige Versammlung sein. Da sollt ihr keine Dienstarbeit tun; ein Tag des Posaunenblasens soll er für euch sein.“ Daher sind beide Tage heute öffentliche Feiertage, sodass keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren und auch viele Museen geschlossen bleiben.

Das Wort „Tischrei“ stammt aus dem Babylonischen Exil und heißt „Anfang“. Doch neben diesem Jahresanfang kennt die jüdische Tradition noch drei weitere, die ihre eigenen Schwerpunkte haben. So bezeichnet der 1. Nissan den Beginn des Jahresfestes der Wallfahrtsfeste sowie der Regierungsjahre von Israels Königen. Die anderen beiden Jahresanfänge sind eher Stichtage aus dem einstigen Steuerjahr. Der 1. Elul markiert den Termin für die Abgabe des Zehnten des Viehs an die Priester im Tempel, wie sie in 5. Mose 14 und 26 geboten sind. Am 15. Schvat, im elften Monat, der in der Regel in den Januar fällt, wird der Neujahrstag der Bäume begangen. In dieser Zeit endet die Regenzeit und die ersten Bäume setzen Blätter und Knospen an. Früher wurden die steuerlichen Abgaben auf den Ertrag der Früchte getätigt, wie es in 3. Mose 19 und 27 beschrieben ist.

Mitten in der Nacht: Juden bitten Gott um Vergebung

Rosch HaSchanah wird durch besondere Bußgebete, die Slichot, eingeleitet: Sephardische Juden beten diese seit dem Beginn des sechsten Monats, Elul, vor dem täglichen Morgengebet. Jede Nacht, mit Ausnahme der Schabbatot und der beiden Neujahrsfeiertager, sammeln sie sich in Synagogen oder an der Klagemauer in Jerusalem, um Gott für ihre Sünden um Vergebung zu bitten. Aschkenasische Juden beginnen mit den Gebeten erst im letzten Drittel des Elul. Mit dem Jom Kippur sind die Bußgebete in beiden Strömungen beendet.

Rosch HaSchanah gilt als feierlicher Tag, an dem sich die Juden über Gottes Erbarmen freuen sollen. Der Tag nach Rosch HaSchanah ist kein öffentlicher Feiertag, aber doch ein Fastentag, das Zom Gedalja, an dem des Mordes am Hauptmann Gedalja gedacht wird, wie es in 2. Könige 25 beschrieben ist. Der Schabbat zwischen Rosch HaSchanah und Jom Kippur ist der Schabbat Schuwa, der Schabbat der Umkehr. Er symbolisiert den Übergang: Rosch HaSchanah ist der Anfang und erst wenn dieser da ist, kann der Gläubige die Sünden des alten Jahres hinter sich lassen.

Zu einem Symbol für das jüdische Neujahrsfest ist der Granatapfel geworden: Juden wünschen sich, im neuen Jahr so viele Gesetze zu erfüllen, wie der Granatapfel Kerne hat. Auch gibt es in Israel in den Tagen um Rosch HaSchanah an jeder Straßenecke Honig und Äpfel zu kaufen. Am Feiertag werden in Honig getunkte Apfelschnitze gegessen. Selbst das Brot, über das der Segen gesprochen wird und das am Schabbat und anderen Festen mit Salz bestreut wird, wird nun in Honig getaucht. Honig ist das Symbol für die Hoffnung, dass das kommende Jahr besonders süß wird. Auch Honigkuchen, Weintrauben, süßer Wein und andere süße Speisen gehören zum jüdischen Neujahr, und das keineswegs nur bei religiösen Juden.

Tourismus: Neuer Rekord für 5779

Süß war das auslaufende Jahr auch für den Staat Israel mindestens in wirtschaftlicher Hinsicht. Das Tourismusministerium verzeichnet das dritte Jahr in Folge Besucherzahlen in Rekordhöhe. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Jahr 5779 einen Anstieg von 18 Prozent gebracht, was die Zahl der angereisten Besucher betrifft. Israel konnte mehr als viereinhalb Millionen Touristen verzeichnen, die Einnahmen beliefen sich auf 22,4 Milliarden Schekel, was knapp sechs Milliarden Euro entspricht.

Der Gruß, der in diesen Tagen in allen Straßen und Häusern zu hören ist, lautet verheißungsvoll: „Ein gutes und süßes neues Jahr“. Ob 2019 oder 5780 – auf die Frage, welche Zählung für sie die größere Bedeutung hat, antwortet eine junge Israelin zwinkernd: „Ist doch egal, Hauptsache süß.“

Von: mh

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