Neue Technologie warnt vor Erdbeben

Israelische Experten stellen ein neues Erdbebenwarnsystem vor. Es orientiert sich an einem schwächeren Erdstoß, der dem eigentlichen Beben vorausgeht.
Von Israelnetz

Foto: Library of Congress, Wikipedia

Zerstörungen auf dem Ölberg nach dem bislang letzten Erdbeben in der Region, das sich 1927 ereignete

JERUSALEM (inn) – Eine neue Technologie kann Menschen zehn Sekunden vor im Vorfeld eines Erdbebens warnen. Israelische Experten haben es am Montag vor Journalisten vorgestellt. Viel Handlungsspielraum bleibt im Ernstfall allerdings nicht.

Das System fußt darauf, dass einem zerstörerischen Beben ein schwächerer Erdstoß vorausgeht. Diesen nimmt die Technologie wahr und informiert das Heimatfrontkommando. Nicht voraussagen kann das System Ort, Zeit und Stärke des zu erwartenden Erdbebens.

Die Technologie trägt den hebräischen Namen „Truaa“, das heißt „Trompetengeschmetter“. Sie basiert auf einem System, das die Berkley-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt hat. Es ist seit 2019 in Gebrauch – unter anderem in den USA, Taiwan und Japan. Um es für Israel anzugleichen, wurden umgerechnet rund 12,3 Millionen Euro investiert. Dies berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Bereits seit 2014 befand sich das System in der Testphase. Am 27. Januar hat das Geologische Amt es offiziell ans Heimatfrontkommando übergeben. Direktor Sohar Gvirtzman merkte am Montag an, damit die Technologie ihren Zweck erfülle, müsse die Regierung allerdings jährlich 3,8 Millionen Euro investieren: für Instandhaltung, Forschung und Entwicklung.

Sensoren ersetzen Beobachtungsstationen

„Truaa“ setzt sich aus 120 Sensoren zusammen, sogenannten Seismometern. Sie befinden sich in Abständen von etwa 10 Kilometern unter der Erde. Installiert wurden sie vor allem entlang der Gefahrenzone am Toten Meer und im Karmelbruch. Sie ersetzen 20 Beobachtungsstationen, die 2020 außer Betrieb genommen wurden.

Die Sensoren sind rund um die Uhr tätig. Sie senden digitale Informationen an zwei Kontrollzentren in Jerusalem und in Lod. Bei einem Beben von mehr als 4,5 auf der Richterskala geht die Information direkt weiter ans Heimatfrontkommando. Dieses warnt die Öffentlichkeit durch Sirenen, Textnachrichten, über eine App sowie im Radio und im Fernsehen. Ab der Stärke 6 geht die Warnung landesweit heraus.

Israel liegt am seismisch aktiven syrisch-afrikanischen Graben. Wegen seiner geringen Ausdehnung würde ein Erdbeben die meisten Bewohner treffen. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich im Ernstfall dank der neuen Technologie möglichst viele Menschen in Sicherheit bringen können.

Kaum Zeit zum Handeln

Das zerstörerische Beben, das auf einen ersten Erdstoß folgt, bewegt sich mit etwa 3 Kilometern pro Sekunde vorwärts. Wissenschaftler Ittai Kurson sagte auf der Pressekonferenz, in einem 30-Kilometer-Radius sei nicht genügend Zeit, um sich vorzubereiten. In einer Entfernung von 50 Kilometern stünden den Menschen sieben bis zehn Sekunden zur Verfügung, bei 100 Kilometern seien es bis zu 30 Sekunden. Liegt das Epizentrum im Norden des Toten Meeres, so bleiben Jerusalemern drei Sekunden. In Tel Aviv wären es 18 und in Beit Schean im Jordantal 20 Sekunden, in Haifa 30.

Schwere Erdbeben erschütterten Israel durchschnittlich einmal im Jahrhundert, sagte Gvirtzman. Zuletzt gab es 1927 ein solches Beben.

Verwechslungsgefahr mit Raketenwarnsystem

Das Warnsystem erinnert an die Technologie, die Israelis vor Raketenangriffen warnt. Doch in diesem Fall ist das hebräische Wort für Erdbeben, „Re’idat Adama“, zu hören.

Gvirtzman gibt zu, dass Verwirrung entstehen könnte: Bei einem Raketenangriff sollen die Bürger in einen bombensicheren Raum laufen und die Tür schließen. Im Falle eines Erdbebens ist es hingegen geboten, das Gebäude zu verlassen oder in einen Schutzraum zu eilen und die Tür offen zu lassen. Die Zeitung „Ha’aretz“ weist darauf hin, dass Menschen ohne Bunker unter einem Tisch Schutz suchen sollten, um nicht von Trümmern getroffen zu werden. Der Direktor des Geologischen Amtes indessen betonte, kein Frühwarnsystem könne die Notwendigkeit ersetzen, Gebäude gegen Erdbeben zu sichern. (eh)

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4 Antworten

  1. JES 29..6 Vom HERRN der Heerscharen wird Strafe/Hemsuchung geübt werden mit Donner und ERDBEBEN und mit großem Krachen, Sturmwind und Ungewitter und mit verzehrenden Feuerflammen……
    Insgesamt findet sich das Wort Erdbeben 31 mal in der Bibel—und das größte wird wohl kommen, wenn sich der Ölberg spalten wird und Jesus wieder kommen wird. siehe Sach.14.3 ff mögen sich besonders in Israel, in Jerusalem–aber letztlich überall auf der WElt— immer mehr Menschen dessen bewusst werden, dass jede Form von Naturkatastrophe ein göttlicher Gerichtsakt ist….dem wir nur ohne Angst entgegen sehen können, wenn wir immer mehr lernen, uns auf ihn und sein Wort zu verlassen, ohne Wenn und Aber.
    Siehe auch 1. Joh. 4.18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, ist nicht zur Vollkommenheit in der Liebe gelangt.

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    1. Sehr schön, diese biblisch fundierten Hinweise; kann ich gut gebrauchen. Danke. Ja, es ist schon so, dass sich derzeit wieder Spannungen im syrisch-afrikanischen Graben aufbauen, sind sie doch stets von der relativ schnell norostwärts vorrückenden afrikanischen Continentalplatte 3 cm pro Jahr beeinflusst. Die Anstrengungen der israelischen Regierung kommen nicht von ungefähr, denn die beratenden Erdbebenfachleute wissen erheblich mehr als das gemeine Volk, das sie aber möglichst nicht beunruhigen dürfen. Dies ist die Schwierigkeit. Und genau an diesem Punkt trifft der Kommentar von Marie-Luise ins Schwarze.

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      1. “Erdbebenfachleute wissen erheblich mehr als das gemeine Volk, das sie aber möglichst nicht beunruhigen dürfen.”

        Ist so ein Warnsystem dann nicht eher kontraproduktiv, wenn niemand beunruhigt werden soll?

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  2. “Die Wissenschaftler hoffen, dass sich im Ernstfall dank der neuen Technologie möglichst viele Menschen in Sicherheit bringen können.”

    Würde man sich damit nicht gegen Gott stellen? ER wird doch sicher gute Gründe haben, diese Menschen zu strafen.

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