Mit 90 Jahren: Personenschützer von Ben-Gurion als Buskontrolleur

Vor dem Gedenktag für die Gefallenen erzählt ein israelischer Fahrkartenkontrolleur von persönlichen Verlusten. Dabei tritt auch eine Verbindung zu Staatsgründer Ben-Gurion zutage.
Von Israelnetz
Armando Schagav als Fahrkartenkontrolleur im Bus

Foto: Ynet, Screenshot Israelnetz

Nach der Fahrkartenkontrolle erzählte der langjährige Busfahrer aus seinem Leben

KFAR SABA / TEL AVIV (inn) – Obwohl er 90 Jahre alt ist, geht Armando Schagav noch regelmäßig zur Arbeit: In Kfar Saba steigt er in den Bus der Linie 149 von der Gesellschaft „Metropoline“. Während der Fahrt nach Tel Aviv kontrolliert er mit dem Smartphone die Fahrkarten.

Viele Passagiere kennen den ehemaligen Busfahrer, der nun als Kontrolleur tätig ist. Doch seine Lebensgeschichte war ihnen bis zum gestrigen Dienstag nicht bekannt. Angesichts des bevorstehenden Gedenktages für Gefallene und Terror-Opfer, Jom HaSikaron, erzählte er den Mitreisenden von Verlusten seiner eigenen Familie.

Ehemaliger Personenschützer von Ben-Gurion

Dabei begann er mit einem spannenden Aspekt, der bis dahin ebenfalls unbekannt war: Bevor er 35 Jahre als Busfahrer arbeitete, war er Personenschützer des ersten israelischen Regierungschefs David Ben-Gurion. Darauf ging er allerdings nur kurz ein, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet. Im Zentrum standen seine Empfindungen am Jom HaSikaron.

In einem Video der Tageszeitung ist zu sehen, wie Schagav Fahrkarten kontrolliert und dabei Araber auf Arabisch begrüßt. Zwischendrin wendet er sich an die Passagiere: Der Gedenktag sei sehr schwer für ihn. „Mein Bruder wurde getötet, 1967 im Sinai. Der Mann meiner Schwester wurde ebenfalls getötet, in Eilat. Das heißt, dass wir schon zwei Gefallene hatten.“

Im Jom-Kippur-Krieg sei dann sein Neffe verwundet worden. Er verlor beide Augen und ein Bein. Die Geschehnisse deutet Schagav religiös: „Gott hat das so gegeben, nicht wir. Das kam von oben.“ Fast jede Familie in Israel habe jemanden verloren. An der Endstation steigt er aus Bus und winkt ihm nach.

Der Bruder Carlo Schagav fiel am letzten Tag des Sechs-Tages-Krieges, an dem Schagav selbst auch teilnahm. Carlo kommandierte eine Panzerbrigade. Er starb durch einen Sprengsatz. Vom Körper blieb nichts übrig. Ein Grab gibt es nicht, nur ein Denkmal auf dem Jerusalemer Herzl-Berg. Der Schwager starb, als er 1970 in Eilat ein Munitionsfahrzeug bergen wollte.

Geschichte im „zweiten Zuhause“ mit Passagieren geteilt

Wie die israelische Zeitung berichtet, hörten auch Araber, die erst später einstiegen, interessiert zu. Schagav selbst bezeichnete es als eines der bedeutungsvollsten Ereignisse seines Lebens, dass er seine persönliche Geschichte teilen konnte. Der Bus sei sein zweites Zuhause. Zum ersten Mal habe er dort von der Geschichte des Verlustes erzählt, die leider seine Familie mehr als einmal betroffen habe. (eh)

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Eine Antwort

  1. Ich wünschte, ich könnte Herrn Shagav mitteilen, dass die familiären Verluste, erlitten durch die Angriffskriege gegen Israel nicht von Gott gewollt waren. ER will sicher nicht, dass seine Kinder leiden. Allerdings hat ER hat es zugelassen. Die Gründe dafür sind nur bei den Menschen zu suchen. Aber er wird alle Gegner Israelis und des jüdischen Volkes dafür einmal zur Rechenschaft ziehen.

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