JERUSALEM / CARACAS (inn) – Nach 17 Jahren diplomatischer Eiszeit nähern sich Israel und Venezuela wieder an. Wie die beiden Länder am Dienstag mitteilten, wollen sie infolge des Doppelerdbebens am 24. Juni die technische Zusammenarbeit fortführen. Außerdem planen sie, wieder konsularische Dienste anzubieten.
Der venezolanische Außenminister Félix Plasencia (Vereinigte Sozialistische Partei) verkündete den Schritt auf der Plattform X. Das israelische Außenministerium veröffentlichte dort eine gleichlautende Erklärung. Darin heißt es weiter: „Beide Regierungen erkennen die Bedeutung der Verbindung zwischen dem Staat Israel und der in Venezuela ansässigen jüdischen Gemeinde an, die eine wichtige Brücke der historischen Freundschaft zwischen beiden Ländern darstellt.“
Laut der israelischen Nachrichtenseite „Yediot Aharonot“ führen die beiden Länder auch Gespräche über weitere Zusammenarbeiten in den Bereichen Energie, Handel und Technologie. Demnach haben sie bereits vereinbart, dass eine israelische Delegation nach Venezuela reist.
Lob für Delegation
Israel hatte Anfang Juli eine Hilfsdelegation des Heimatschutzkommandos entsandt, um bei den Aufräumarbeiten in der Erdbebenregion zu helfen. Bei dem Erdbeben kamen nach aktuellem Stand mehr als 6.300 Menschen ums Leben.
Die Delegation setzte unter anderem Künstliche Intelligenz zur Erfassung der Gebäudeschäden ein. Die amtierende Staatspräsidentin Delcy Rodríguez (Vereinigte Sozialistische Partei) dankte der Delegation und lobte die Expertise. Die israelische Regierung hoffte mit dem Einsatz auch auf eine diplomatische Annäherung.
Ein Sprecher der Delegation, Roni Kaplan, sagte im venezolanischen Fernsehen auf die Frage, warum Israel trotz fehlender diplomatischer Beziehungen helfe: „Wir sind ein Volk, das weiß, dass man im Moment des Schmerzes und des Leides die Hand eines Freundes braucht. Wir sind hier vor Ort, um dem venezolanischen Volk die Hand eines Freundes zu reichen.“
Diplomatischer Bruch
Venezuela hatte 2009 unter dem damaligen sozialistischen Präsidenten Hugo Chavez (1954–2013) die Beziehungen zu Israel beendet. Seither agieren die Botschaften zweier anderer Länder als Vertretungen: Kanada für Israel und Spanien für Venezuela.
Im Januar hatten die USA Chavez‘ Amtsnachfolger Nicolás Maduro (Vereinigte Sozialistische Partei) in einer Militäraktion festgenommen. Washington wirft dem 63-Jährigen Drogenhandel vor. Damals hatte die amtierende Präsidentin Rodríguez noch behauptet, die Militäraktion habe „zionistische Untertöne“. (df)