Half irakischen Juden bei der Einwanderung und dem Staat beim Aufbau: Schlomo Hillel (1923–2021)

Half irakischen Juden bei der Einwanderung und dem Staat beim Aufbau: Schlomo Hillel (1923–2021)

Ehemaliger Knessetsprecher Schlomo Hillel gestorben

Er wirkte an der illegalen Einwanderung aus dem Irak mit, war Knessetsprecher und Polizeiminister: Schlomo Hillel. Nun ist der Politiker und Mossad-Agent mit 97 Jahren verstorben.

RA'ANANA (inn) – Noch vor wenigen Tagen setzte der langjährige Abgeordnete Schlomo Hillel seinen Namen auf einen symbolischen Ehrenplatz der Liste der Arbeitspartei (Avoda) für die Knessetwahlen. Am Montagabend ist der aus dem Irak stammende Politiker und Mossad-Agent gestorben. Er wurde 97 Jahre alt.

Schlomo Hillel kam am 9. April 1923 in der irakischen Hauptstadt Bagdad zur Welt. 1934 machte er mit seiner Familie Alija und kam ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina. In den 1940er Jahren half er irakischen Juden bei der illegalen Einwanderung. 1949 gehörte er zu den Gründern des Kibbutz Ma'agen Michael. Er liegt in der Nähe von Sichron Ja'akov am Mittelmeer, südlich von Haifa.

Abgeordneter und Diplomat

Seine Laufbahn in der Knesset begann Hillel 1952 als Abgeordneter der Mapai von Staatsgründer David Ben-Gurion. Diese löste sich 1968 auf und bildete mit anderen Parteien die Avoda. Ab 1959 war der gebürtige Iraker Botschafter in Guinea, der Elfenbeinküste und Nigeria.

Als er 1969 für die Avoda wieder in die Knesset einzog, wurde er für acht Jahre Polizeiminister. Er hatte dieses Amt unter Golda Meir und Jitzchak Rabin inne, außerdem war er vorübergehend Innenminster. Von 1984 bis 1988 amtierte er als Knessetvorsitzender. Die Zeitung „Jerusalem Post“ merkt an, dass eine solche politische Karriere in jener Zeit für einen orientalischen Juden ungewöhnlich war: Die israelische Politik war geprägt von Juden aus Europa, die auf die Orientalen herabschauten.

Bis 1992 blieb Hillel Abgeordneter. Ein Jahr später verlor er die Wahl zum Staatspräsidenten gegen Eser Weizmann. Über seine Erfahrungen bei der illegalen Einwanderung schrieb er ein Buch. Auf Deutsch erschien es 1992 bei Hänssler unter dem Titel „Operation Babylon. Israels Geheimdienst im Irak“.

Seit 1952 war der Politiker mit Temima verheiratet, sie starb 2011. Die beiden bekamen einen Sohn mit Namen Aharon und eine Tochter namens Hagar, die 2005 verstarb. Schlomo Hillel hinterlässt neben seinem Sohn drei Enkelinnen. Er lebte zuletzt in Ra’anana, nördlich von Tel Aviv.

Präsident, Knessetsprecher und Avoda-Chefin würdigen Hillel

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin würdigte den Verstorbenen: „Er gehörte zur Generation der Riesen, einer Generation, die mit eigenen Händen um die Gründung des Staates Israel kämpfte, um seine Stärkung und seine Existenz als sichere Zuflucht für das jüdische Volk.“ Er sei aktiv gewesen, damit Einwanderer aus den Ländern des Ostens auf vielfältigen Wegen ins Land gebracht wurden – „offen und heimlich, und mit gewagten und weitsichtigen Aktionen der illegalen Einwanderung. Viele verdanken ihm ihre Alija und ihre Verwurzelung im Land“.

Auch der Knessetvorsitzende Jariv Levin (Likud) bekundete sein Beileid laut der Zeitung „Ma'ariv“: „Israel nimmt heute Abschied von einem seiner vornehmsten Anführer. Ein hingegebener Mann der Öffentlichkeit, der viel für die Entstehung und den Aufbau des Staates getan hat, und viel für die Ermutigung zur Einwanderung.“ Sein Führungsgeschick werde Israel fehlen.

Avoda-Chefin Merav Michaeli sagte: „Am Donnerstag schaffte es Schlomo Hillel noch, seinen Namen einzureichen, um die Liste der Partei für die nächste Knesset abzuschließen, und heute Abend ist er nicht mehr da. Hillel, ein beeindruckender Mann mit angenehmen Umgangsformen, gehörte zu den Hauptstützen der Avoda-Bewegung. Er hinterließ seinen Stempel durch seine verzweigte Tätigkeit in der Regierung und als beeindruckender Knessetvorsitzender.“

Von: eh