Bei den Wahlen im März müssen sich die Israelis für eine von 39 Listen entscheiden (Archivbild)

Bei den Wahlen im März müssen sich die Israelis für eine von 39 Listen entscheiden (Archivbild)

Von Bündnissen und Alleingängen

Obwohl er dafür eine Partei gegründet hat, sieht der Tel Aviver Bürgermeister Huldai von einer Kandidatur bei den Knessetwahlen ab. Jamina erhält Unterstützung von der ehemaligen Partei ihrer Spitzenkandidaten. Das arabische Bündnis verliert ein Mitglied.

JERUSALEM (inn) – Der Tel Aviver Bürgermeister Ron Huldai kandidiert mit seiner neuen Partei „HaJissraelim“ (Die Israelis) nicht für die Knessetwahlen am 23. März. Der Grund: Er konnte sich mit seiner bisherigen Partei Avoda (Arbeitspartei) nicht auf ein Bündnis einigen. Am Donnerstagabend endete die Bewerbungsfrist für die Teilnahme an den Wahlen.

Für die 24. Knesset kandidieren 39 Listen. Von ihnen gelten 13 als aussichtsreiche Kandidaten für den Einzug ins israelische Parlament. Die Prozenthürde liegt bei 3,25. Insgesamt gibt es 120 Mandate.

Bei den Wahlen im März 2020 erhielt der Likud 36 Sitze. Er kandidiert mit Regierungschef Benjamin Netanjahu an der Spitze. Ihm folgen Gesundheitsminister Juli Edelstein, Finanzminister Israel Katz und Verkehrsministerin Miri Regev. Erstmals führt der Likud einen muslimischen Kandidaten auf einer Liste: den Schulleiter Nail Soabi. Er nimmt allerdings den 39. Platz ein und hat deshalb keine reellen Chancen auf einen Einzug in die Knesset, schreibt die Zeitung „Jerusalem Post“.

Den Likud herausfordern will Gideon Sa'ar mit seiner neugegründeten Partei Tikva Chadascha (Neue Hoffnung). Auch von Blau-Weiß hat sie Mitglieder zu sich gezogen.

Keine Kandidatur: Jüdisches Heim unterstützt Jamina

Die Partei Jamina (Nach rechts) tritt mit den früheren Ministern Naftali Bennett und Ajelet Schaked an. Derzeit hat sie 6 Sitze in der Knesset. Neu auf der Liste findet sich der Drittplatzierte: Der Bürgermeister der raketengeplagten Stadt Sderot nahe der Grenze zum Gazastreifen, Alon Davidi, war vorher Likud-Mitglied. Unterstützung erhält Jamina von HaBeit HaJehudi (Jüdisches Heim): Die ehemalige Partei der beiden Spitzenkandidaten tritt nicht an. Dafür erhält ihre Vorsitzende Hagit Mosche einen Ministerposten, falls sich Jamina an einer Regierung beteiligt.

Bezalel Smotritsch führt die Partei HaZionut HaDatit (Religiöser Zionismus) an. Nachdem HaBeit HaJehudi nicht zu einem Bündnis mit ihm bereit war, kandidiert er gemeinsam mit der Rechts-Außen-Partei Otzma Jehudit (Jüdische Stärke) und der religiös-zionistischen Noam (Milde).

Arabische Bündnis nur noch mit drei Parteien

Das arabische Bündnis Vereinigte Liste stellt aktuell 15 Abgeordnete. Allerdings besteht es aus vier Parteien, von denen diesmal nur noch drei miteinander kandidieren: Hadasch, Ta’al und Balad. Auf den ersten drei Listenplätzen finden sich Ajman Odeh (Hadasch), Ahmad Tibi (Ta’al) und Sami Abu Schahade (Balad).

Von dem Bündnis abgespalten hat sich Ra’am. Streit gab es unter anderem über die Forderung, dass die Liste sich für einen Kandidaten zur Regierungsbildung aussprechen sollte. Masur Abbas führt die Liste an. Ein Einzug in die Knesset ist wegen der Prozenthürde gefährdet, merkt die Zeitung „Yediot Aharonot“ an.

Die ultra-orthodoxe Schass konnte im vergangenen Jahr 9 Mandate für sich verbuchen. Innenminister Arje Deri nimmt den ersten Platz auf der Liste der sephardischen Partei ein.


Eine weitere religiöse Partei ist Jahadut HaTora (Vereinigtes Tora-Judentum) mit derzeit 7 Sitzen. Die Spitzenplätze ihrer Liste belegen Mosche Gafni und Wohnungsbauminister Ja’akov Litzman.

Blau-Weiß und Jesch Atid nicht mehr im Verbund

Ohne Bündnispartner tritt diesmal Blau-Weiß an. 2020 waren Jesch Atid und Telem, die überhaupt nicht antritt, mit im Boot. Gemeinsam erreichten sie 33 Mandate. Die Liste führen Verteidigungsminister Benny Gantz und Penina Tamanu-Schata an.

Als erste Partei hat Jesch Atid (Es gibt Zukunft) am Mittwochmittag eine Liste beim Zentralen Wahlausschuss eingereicht. Nach drei Wahlrunden mit anderen Parteien in Folge tritt sie diesmal allein an. Auf den beiden ersten Plätzen finden sich Jair Lapid und Orna Barbivaj, die bei den beiden Wahlgängen des Jahres 2019 noch für Blau-Weiß kandidierte.

Der frühere Außenminister Avigdor Lieberman führt erneut seine von russischen Einwanderen geprägte Partei Israel Beiteinu (Israel unser Zuhause) in den Wahlkampf. Sie kam 2020 auf 7 Sitze. Den sechsten Platz der Liste hat der Druse Hamad Amar inne.

Avoda und Meretz gehen getrennte Wege

Die Avoda (Arbeitspartei) versuchte ihr Glück zweimal hintereinander in einem Bündnis. Mit Gescher und Meretz erhielt sie im vergangenen Jahr 7 Mandate. Nun versucht sie es unter der neuen Vorsitzenden Merav Michaeli allein. Zuvor waren Verhandlungen mit dem Tel Aviver Bürgermeister Huldai ebenso gescheitert wie mit der Partei Tnufa (Schwung) von Ofer Schelah, der nun ebenfalls nicht kandidiert.

Nach dem vorigen Bündnis mit Avoda und Gescher bewirbt sich auch Meretz wieder allein. Nitzan Horowitz und Tamar Sandberg stehen oben auf der Liste.

Geringe Chancen werden der neuen Partei HaKalkalit (Die Wirtschaftliche) eingeräumt. Gegründet hat sie der Ökonom Jaron Selecha. Er strebt den Posten des Finanzministeriums an.

Von: eh