„Gerechte unter den Völkern“ in Berlin geehrt

Das Land Berlin veranstaltet eine Ehrenstunde für vier „Gerechte unter den Völkern“. Ausgezeichnet werden sie vom israelischen Botschafter in Deutschland.
Von Martin Schlorke
Yad-Vashem-Berlin

Foto: Israelnetz/Martin Schlorke

Ron Prosor übergibt gemeinsam mit Bürgermeisterin Bettina Jarasch (l.) an Enkelinnen der Ehepaare die Yad-Vashem-Medaillen und die Urkunden

BERLIN (inn) – Die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem hat am Mittwoch zwei Ehepaare aus Berlin und Potsdam posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde im Roten Rathaus in Berlin überreichte der israelische Botschafter Ron Prosor den Enkeln der Ehepaare die Yad-Vashem-Medaillen und die Urkunden.

Bruno und Anna Schwartze versteckten in Berlin ab Ende 1942 ihren jüdischen Nachbarn Moritz Mandelkern auf ihrem Dachboden. Dort musste er auch während der Luftangriffe der Alliierten auf Berlin ausharren. Mandelkerns Frau versteckte sich dagegen auf dem Bauernhof von Friedrich und Helene Hübner im brandenburgischen Groß-Schönebeck. Später fand auch ihr Mann dort Zuflucht.

Es waren sehr verschiedene, aber weitgehend normale Menschen, sagte Prosor über die „Gerechten unter den Völkern“. Sie zeichne allerdings aus, dass sie „von einem starken Glauben an moralische Prinzipien“ geleitet waren. Auch heute seien sie noch Vorbilder, weil „wir von ihnen mutige Taten lernen können“.

Bessere Welt

Prosor betonte außerdem die Notwendigkeit, diese „Helden“ aus der Zeit der Nazi-Herrschaft auszuzeichnen. „Wenn wir ihrem Beispiel folgen, machen wir die Welt zu einem besseren Ort.“ Jeder Mensch könne einen Unterschied machen. Das sei die Botschaft, die die „Gerechten unter den Völkern“ auch heute noch vermitteln.

Bürgermeisterin Bettina Jarasch (Grüne), die Berlins Senatschefin Franziska Giffey (SPD) vertrat, nannte die Geehrten „Menschen, die der Grausamkeit der Nazis und der Gleichgültigkeit breiter Bevölkerungsschichten ihre Humanität, Hilfsbereitschaft und Mut entgegengesetzt haben“. Sie sei für jeden Menschen dankbar, der Mut zum Widerstand im Nationalsozialismus aufgebracht habe.

Nach umfangreichen Recherchen auch durch Nachkommen der Mandelkerns, die in Australien leben, waren die Ehepaare Schwartze und Hübner bereits 2018 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt. Nun folgte die offizielle Ehrung.

Als „Gerechte unter den Völkern“ zeichnet Israel seit 1963 Menschen aus, die in der Zeit des Holocaust Juden gerettet haben. Es ist die höchste jüdische Auszeichnung, die einem Nichtjuden zuteil werden kann. 27.921 Menschen tragen diesen Titel, darunter 641 aus Deutschland. Die Namen der Ausgezeichneten stehen auf der Ehrenwand im Garten der Gerechten in Yad Vashem.

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6 Antworten

  1. “Gerechte unter den Völkern”
    Mutige Menschen auszuzeichnen finde ich eine gute Idee! Die Bezeichnung für diese “Ehrung – Gerechte unter den Völkern” ist einfach falsch! Der allmächtige Gott alleine ist heilig und gerecht. Gerecht werden Menschen nur durch das Blut Jesu, der alle Menschen “gerecht gewaschen” hat, die sein Liebesangebot angenommen haben!
    L. G.Martin

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    1. Gerecht unter den Völkern heißt hier schlecht weg, dass es Menschen gab, die es wagten jüdischen Menschen zu helfen.

      Wo dies doch – wenn man einen gewissen braunen antisemitischen Vortrag – in Würzburg gehalten – folgt, doch gegen den Willen Gottes stand. Denn lt. diesem Vortag musste Gott ja sein Volk strafen, weil sie ja seinen Sohn kreuzigten (was eine Irrlehre ist) und bis heute nicht bereit sind, umzukehren und Christen zu werden. Da tat Hitler doch nur das Werk Gottes.

      Dieser Vortrag ist an Gottlosigkeit kaum noch zu toppen.

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      1. Sissi sagt:
        wir sollten den Ausdruck “gerecht” nicht schmälern, wenn man bedenkt was mit diesem Verbergen riskiert wurde, und den jüdischen Menschen wurde Gerechtigkeit zuteil, die ihr von der “Gerichtsbarkeit” verwehrt wurde. Unser deutsches “gerecht” ist viel zu schwach für solchen Mut. Wenn Gott gerecht spricht, dann sieht es für uns Christen schlimm aus. S i e , die Juden, sind das Köngsvolk, und ihre Tränen werden abgewischt.
        Für die Juden damals und auch heute ist das Blut Jesu noch angstmachend. Am meisten verfolgt wurden die Juden seit es Christen gab. Dabei vergisst man, dass es Juden waren, die das Evangelium in die Welt brachten, sonst wüssten wir Christen gar nichts vom Blut, das Sünden reinwäscht.
        Ich freue mich jedenfalls, dass wenigstens die Enkel noch Anerkennung finden, wenn schon die Mutigen nicht mehr.

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    2. Das deutsche Wort “gerecht” und das hebräische Original zaddiq sind nicht auf eine bestimmte christliche Definition festzulegen. Man lese z.B. die Gegenüberstellung von Frevlern und Gerechten in Psalm 1!

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      1. Ja der Gerechte ist hier derjenige der mit Gott ist, im Gegensatz zum gottlosen und die NS-Ideologie war gottlos, pseudoreligiös. Der Staat Israel ehrt mit diesem Titel, denn etwas höheres gibt es nicht, als im Sinne Gottes zu handeln und diesen verfolgten Menschen zu helfen. Aber die Kritik von Untertan kennen wir auch seit Jahren, das gleiche Mantra wie bei Herrn Luley, verbittert.

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