Friedenspreisträger: Deutschland muss Verbrechen in Gaza benennen

Philippe Sands nimmt in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen. In seiner Dankesrede lobt der Jurist und Autor die deutsche Aufarbeitung des Nationalsozialismus, gleichzeitig kritisiert er das Schweigen zum Verhalten Israels.
Von epd

FRANKFURT/MAIN (epd) – Der französisch-britische Völkerrechtler und Schriftsteller Philippe Sands hat Deutschland dazu aufgefordert, seine Haltung gegenüber Israel mit Blick auf den Krieg im Gazastreifen zu überdenken. Völkerrechts-Straftaten müssten unabhängig davon benannt werden, wer sie begehe, sagte der 65-jährige Sohn von Holocaust-Überlebenden am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche. Dort nahm er den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen.

Die Bundesregierung prangere Menschenrechtsverletzungen in zahlreichen Ländern an, schweige jedoch zu Israel, Gaza und dem Westjordanland. Die Benennung möglicher Verbrechen dürfe nicht mit Antisemitismus gleichgesetzt werden. Deutschland habe sich wie kein anderes Land mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit beschäftigt und müsse universelle Rechtsgrundsätze auch gegenüber befreundeten Staaten konsequent anwenden.

Auch Freunde könnten Unrecht benennen

Auch Freunde Israels könnten Unrecht benennen, sagte der Jurist, der sich ebenfalls als Freund Israels versteht. Das Land habe das Recht, sich nach dem entsetzlichen Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 zu verteidigen, müsse sich aber an die Grenzen des internationalen Völkerrechts halten.

„Frieden braucht Gerechtigkeit“, sagte Sands. Gerechtigkeit brauche Regeln und Regeln brauchten universell gültige Gesetze. „Eine Welt ohne Regel ist unsinnig“, ergänzte der Völkerrechtler. Er drückte seinen Respekt aus für unabhängige Richter in den USA und anderen Ländern, die standhaft blieben auch gegen Angriffe von Regierungen.

Laudatorin Zadoff ehrt klare Haltung

Die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Mirjam Zadoff, würdigte Sands in ihrer Laudatio als einen Juristen, der internationales Recht mit Klarheit und Haltung in einer Zeit vertrete, in der dieses immer stärker unter Druck gerate. Sie erinnerte an sein großes Engagement für die Aufarbeitung der Verbrechen des Pinochet-Regimes in Chile ebenso wie für seine Verteidigung der Rechte der Rohingya und die Unabhängigkeit der Ukraine.

Die Historikerin beschrieb den Friedenspreisträger als einen Autor, der historische Präzision mit literarischer Kraft verbinde. Er bleibe jedoch immer Anwalt und werde niemals Richter. Sands scheue „nicht den Blick in die Abgründe menschlicher Existenz und Grausamkeit“, reagiere aber niemals mit Bitterkeit und Zynismus, sondern „einer fast rastlosen Suche nach der, wie er es nennt, verlorenen Fähigkeit zu hoffen“. Zadoff lobte die „zukunftsfähige Kraft“ seines Schreibens.

Hubig: „Unerschütterlicher Glaube an Stärke des Rechts“

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) nannte Sands in einer Mitteilung des Ministeriums einen der großen Völkerrechtler unserer Zeit. Aus seinem schriftstellerischen Werk und aus seiner Tätigkeit als Anwalt für das Völkerrecht spreche „eine tiefe Humanität – und ein unerschütterlicher Glaube an eine Welt, in der die Stärke des Rechts zählen muss, nicht das Recht des Stärkeren“.

Der Friedenspreis ist einer der bedeutendsten Kulturpreise Deutschlands. Er wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wird traditionell am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen. Im vergangenen Jahr wurde der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel ausgezeichnet.

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16 Kommentare

    1. @Blub
      Friedenspreisträger Philippe Sands kritisiert das Schweigen Deutschlands zum Verhalten Israels. Warum?
      Friedenspreis abschaffen? Ja.

  1. @Blub: Philip Sands ein Mann genau wie Du Blub – mit stark verzerrter Wahrnehmung der Realität und mit Messen von zweierlei Maß. Auf Israel und seine Fehler wird das Elektronenmikroskop gerichtet, die Taten der Hamas und ihrer Kollegen werden totgeschwiegen und ignoriert. Und das machst Du auch.

    Wie sieht denn Deine Lösung des Krieges im Gazastreifen aus ? Bedingungsloser Rückzug Israels, um in 2 Jahren ein neues Terror-Massaker zu bekommen ?
    Und – würde Israel wirklich einen Genozid im Gazastreifen wollen, würden sie ihn wahllos zusammenbomben und nicht derart viel Rücksicht nehmen.

    1. @Martin
      Vergiss es. Das bringt nichts. Ich lese oft im Internet „rbb news“,Berlin. Und dort gibt es hin und wieder ein Forum zu bestimmten Themen. Ich hatte mal bei den Pali-Demos von Samstag/Sonntag hier in Berlin gelesen. Was die Leute dort von sich geben,ist unterste Schublade. Wenn dort ein Forist einen anderen fragt,was er denn dazu sagt,das Juden verprügelt werden,keinen Davidstern als Kette öffentlich tragen können. Von der Kippa ganz zu schweigen. Da kommt die Antwort: so schlimm ist es doch gar nicht. Haste wieder in der Nazi-Kiste gebuddelt? Na,so sind halt Faschisten. Ich schreibe ja dort nicht mit. Aber daran kann man sehen,wie tief wir gesunken sind. Und Berlin ist nur der Anfang. Glaube es mir. Ich hab dann nicht weiter gelesen. Da schämt man sich. Da ist ein Blub ein Waisenknabe gegen. Aber wahrscheinlich würde IN solche Sprüche hier nicht durchstellen. Das wäre auch so etwas von Niveaulos. Nur Stress machen. Da schreiben dann natürlich auch kaum noch Andersdenkende mit. Wenn man nur beschimpft wird.

      1. Manu, nicht nur bei rbb news, ich habe das bei Zeit Online und im Tagesspiegel erlebt, wo ich früher häufig kommentiert habe: Früher konnte ich problemlos differenzierte Diskussionen über Israel mit anderen Foristen führen, doch mit der Zeit nahm der Hass auf Israel immer stärker zu. Es herrschte ein enormer Druck, sich von Israel zu distanzieren, es als koloniales Projekt zu betrachten und all den ganzen Wahnsinn.
        Gemäßigte Stimmen wie meine bildeten plötzlich nur noch eine winzige Minderheit, während die Radikalen den Ton angaben. Deshalb poste ich mittlerweile nur noch auf IN; dort gibt es nach wie vor Foristen, die für Israel eintreten – und mit denen tatsächlich ein differenzierter Austausch über Israel möglich ist.

        1. @Sarah C
          Rbb ist für mich immer erste Informationsquelle gewesen. Eben weil ich in Berlin lebe. Und der Sender war bis dato auch immer anders als die üblichen Sender. Aber in letzter Zeit wandelt sich da auch das Blatt. Und was da im Forum abgeht ist nicht mehr nachzuvollziehen. Der pure Hass in einer Ausdrucksweise,das einem schwindlig wird. Wie kann man so etwas senden? Ich frage mich dann immer: was ist mit der sogenannten Netiquette? Nur weil jemand nicht der Meinung der anderen ist,ist er Nazi? Ich poste ja auch nicht woanders. Aber lesen tu ich das ab und an. Und langsam mache ich mir da so meine Gedanken. Erschreckend, ehrlich.

  2. Weder der Buchpreis Philipp Sands noch der Friedensnobelpreis Pillays beweisen eine Schuld Israels. Und die ist juristisch noch lange nicht geklärt. Aber wer ein Mikrofon in die Hand bekommt, fühlt sich dazu berufen, Israel vor Mill. Publikum anzuklagen. Von einem Enkel eines Holocaust-Opfers hätte ich zumindest erwartet, dass der Terror der Hamas als der wirklich Schuldige benannt wird.
    Frage an Sands: Wieso ist Ihr Schweigen zu Hamas, die das Völkerrecht mit Füßen tritt, so laut, Mr. Sands? Ach so, Sie sagten ja auch mal, dass Sie nicht als Jude wahrgenommen werden wollen. Das wird jetzt verständlich.

    1. Es gibt sie also doch, Menschen mit gesundem Menschenverstand, die in der Lage sind, universelle Prinzipien universell anzuwenden.
      „Philippe Sands bester Mann“!!!

      1. Also die, die wie Ella schrieb, das Massaker der Hamas als nicht verurteilungswürdig ansehen. Das stehen Sie mit Sands, Pillay wohl auf der gleichen Ebene, Ludovico?

        Wo ist das Völkerrecht, wenn die Hamas die eigene Bevölkerung drangsaliert, der Iran seine eigene Bevölkerung abschlachtet. Wo war Pillay, als im Sudan 400.000 Menschen abgeschlachtet wurde? Wenn keine Juden beteiligt sind, ist das Völkerrecht doch vollkommen egal. Oder ist die ganze Welt friedlich?

  3. Gerade als Nachkomme von Holocaust Überlebenden müsste er nach Massaker pro IL stehen. Na ja, kennt man ja schon von Friedensnobelpreis Trägerin. Purer IL Hass und bestialische Länderführer und Terrorführer kritisieren sie nicht. Ich prangere seit Jahren China an wegen den Uiguren, Tibet besetzt. Erdogan wegen Kurden ermorden usw., auch wegen Zypern. Nichts von denen.

  4. Verteidigte er in der Vergangenheit auch die Rechte von Christen in Nigeria, Saudi Arabien, Iran, Afghanistan, Nordkorea usw.?

  5. …schon seit längerem ein politischer Preis. Deutschland, seine Politiker, Medien und seine Bürger kritisieren Israel laufend. Ich meine, gerade Deutschland stände es an sich an Kritik an Israel zurückzuhalten.

  6. Die jüdischen Alibis werden bei den Antisemiten immer beliebter. Hier in Frankreich sind es derzeit Alain Finkielkraut und Delphine Horvilleur, die Vorzeigerabinerin. Was diese Leute aus dem 7. Oktober 2023 nicht gelernt haben, ist, dass es den Islamisten/Linksfaschisten/Rechtsfaschisten völlig wurscht (halal natürlich) ist, was ein Jude/Israeli denkt, wünscht, meint, vertritt, ob er/sie links ist oder rechts, Likud oder Shalom achav. Ich kann immer nur an Vivien Silver erinnern. Als einziges Land der Welt muss Israel seine Existenz rechtfertigen.

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