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Fachmagazin „Lancet“: Irritationen um Leserbeitrag

Seit Kriegsbeginn kommt es immer wieder zum Streit um die Angabe von Todesopfern im Gazastreifen. Ein neuer Beitrag im „Lancet“ stiftet Verwirrung und lädt manche zu Fehldeutungen ein.
Von Israelnetz
Die Armee kämpft nach wie vor im Gazastreifen gegen die Terroristen der Hamas

LONDON (inn) – Die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ hat mit einer abgedruckten Leserzuschrift zu den Todeszahlen im Gazastreifen für Wirbel gesorgt. In dem Beitrag vom 5. Juli hieß es, dass die Zahl der direkten und indirekten Todesopfer im Zusammenhang mit dem Krieg bei 186.000 und mehr liegen könnte.

Zu den indirekten Todesopfern zählen etwa Menschen, die sich tödliche Krankheiten zuziehen oder die infolge von Krankheiten die Möglichkeit verlieren, Kinder zu kriegen. Als Basis für die Schätzung nennt der Beitrag die Zahl der Todesopfer, die die Terror-Organisation Hamas verbreitet; diese lag am 19. Juni bei knapp 37.400. Die Autoren bewerten die Angabe als zuverlässig, Zweifel daran weisen sie zurück. Diese Zahl multiplizieren sie mit dem Faktor 4; damit gehen sie von 149.600 indirekten Todesfällen aus, die zu der Zahl der direkt Getöteten hinzukommt.

Ein Zahlenwerk und seine Deutung

Verschiedene Medien haben den Beitrag aufgegriffen – und sind dabei nicht immer wahrheitsgetreu geblieben. So behauptete das katarische Medium „Al-Dschasira“, die angebene Zahl sei einer „Lancet-Studie“ entnommen.

Auch in Sozialen Medien hat der Beitrag Verbreitung gefunden. Die äußerst israelkritische UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese behauptete in einem Beitrag auf X, die Zahl beziehe sich auf die Todesopfer in den bisherigen neun Monaten des Krieges.

Mehrere Einwände

Der Leiter der Organisation UN Watch, Hillel Neuer, erhob gegen den Beitrag von Albanese mehrere Kritikpunkte. So behaupteten die Autoren an keiner Stelle, dass sich die Zahl auf die Monate seit Kriegsbeginn beziehe. „The Lancet“ bestätigte außerdem gegenüber der britischen Nachrichtenseite „Jewish News“, dass die Autoren auch von noch nicht eingetretenen Todesfällen sprachen.

Neuer kritisierte auch die Behauptung von Albanese, „The Lancet“ stelle die genannte These auf. Doch es handele sich nicht um einen Fachartikel, betonte Neuer. Den Autoren gehe es indes „nicht um Medizin, sondern um Politik“.

Er wies in diesem Zusammenhang auf einen weiteren problematischen Aspekt bei den Autoren hin: Die Palästinenserin Rasha Khatib sei eine „anti-israelische Aktivisten“. So habe sie die palästinensische Gewalt als Reaktion auf die „neo-kolonialistische Besatzung“ und das „Apartheid-System“ Israels gerechtfertigt.

Neuer verlinkte auf einen entsprechenden Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2014. Khatib bezog sich dort auf einen Artikel mit dem berühmten Bild eines Palästinensers, der seine blutverschmierten Hände nach einem Lynchmord an Juden hochhält.

„Honest Reporting“: Teils falsche Zitate

Die Organisation „Honest Reporting“ empfiehlt, sich bei solchen Artikeln auch die Fußnoten anzusehen. Sie weist darauf hin, dass die Quellen teils falsch zitiert wurden. So behaupten die Autoren, laut Angaben der Vereinigten Nationen sei ein Drittel des Gazastreifens „zerstört“; im Original sei aber von „Beschädigungen“ die Rede.

Autor: Fehldeutung in großem Stil

Einer der Autoren des Beitrags, der Brite Martin McKee, meldete sich angesichts der Reaktionen zu Wort. Er gestand zu, dass der Beitrag im großen Stil falsch zitiert und fehlgedeutet worden sei. Die genannten Zahlen seien aber „glaubhaft“, wenn auch „rein illustrativ“.

In den neuesten Zahlen vom Montag nennen die UN 38.193 seit dem 7. Oktober getötete Palästinenser. Die Zahl stamme vom Gesundheitsministerium im Gazastreifen – also von der Hamas. Die Angabe unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Terroristen. (df)

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17 Responses

  1. Kurz zusammengefasst : die Zahlen von Toten enthalten auch Tote, die noch nicht tot sind oder noch nicht geboren sind. Darüber hinaus erfahren wir, dass die Zahlen „glaubhaft“ seien, wenngleich „rein illustrativ“. Kurz, reines Propaganda Geschwätz.

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  2. Verstehe ich das richtig, dass es eine Leserzuschrift gewesen ist? Also kann irgendein Leser einen Artikel in der ansonsten seriösen medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlichen, ohne das diese auf wissenschaftlichen Fakten beruht?

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  3. Der Teufel ist ein Meister der Lüge sowie dessen Anhänger auch. Verleumdnungen, Anschuldigungen, Falschmeldungen uvm. wird in die Welt hinausposaunt – nur um Israel und die Juden weltweit zu einem unerwünschten Volk zu erkären.
    Der Teufel agiert gegen alles und jeden was Gott gehört (Juden & Christen). Er, der Verwüster und Zerstörer hasst die Erde, das Universum und jeden einzelnen Menschen, weil Gott der Schöpfer es zu Seiner Ehre geschaffen hat.
    Wir lesen es fast jeden Tag was alles behauptet und ‚falsch interpretiert‘ wird. Es wird von Tag zu Tag schlimmer.

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  4. Wahrheit + Lüge = Lüge! Genau das passiert hier und an so vielen weiteren Stellen in den Medien, wenn es um Israel und seine Feinde geht. Auch eine halbe Wahrheit ist eine Lüge, weil sie den Rest der zum Verstehen notwendigen Wahrheit verschweigt.

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  5. Dies ist ein weiteres Zeugnis, dass in dieser Welt etliches schief läuft und mit falschen Zahlen gearbeitet wird.
    Wir brauchen die Wahrheit, es muss endlich in den Medien ein Pro-Israelisches Brainstorming geben !

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  6. Seid mir nicht böse, WIR CHRISTEN haben in der Vergangenheit auch Kreuzzüge gemacht, dabei Juden, Araber und andere Christen (z. B. in Byzanz) gelyncht und ermordet?! Zahlen im Krieg sind immer schwierig, doch hätte Israel nur 17.000 Palästinenser getötet (also die Hälfte der Zahlen der Hamas) und davon seien die Hälfte Terroristen, so verblieben noch 8500 tote Zivilisten – das ist aber genau genommen fast 8 x so viel Tote wie Tote vom 7. Oktober 2023. Die Frage ist bekommt Israel so seine Geiseln? Israel hat als Grund für seinen Krieg den Umstand, dass die Geiseln menschenunwürdig fehlen und Raketen im Übermaß aus Gaza und Libanon kommen. Es muss aber mit dem Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit der Opfer leben? – Ich bete lieber – das ist leichter als zu politisieren. Que les cieux bénissent Israel et le reste du monde! *SHALOM

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    1. @Nicole Jeanne
      Nein. Gott wird nicht einfach den Rest der Welt segnen…
      Sie machen einige Denkfehler bei Ihrer Argumentation, die dann leider im Ergebnis zu der antisemitischen Schlussfolgerung führt, „Äpfel mit Birnen“ oder wie gerade geschehen Netanjaju mit Sinwar und seinem Hamas-Pack zu vergleichen.
      Wenn Sie als Christin Ihre Bibel gelesen haben, wissen Sie, dass Gott befiehlt, Amalek (einen Enkel von Esau) und seine Nachkommen rückstandslos zu bekämpfen. Iran (Hamas, Hisballah, Huthi) hat die Vernichtung Israels zur Staatsraison erklärt und in verschiedener Form schriftlich festgehalten. Was Israel tut ist, Gottes Land und Sein Volk zu beschützen. Der 2.Denkfehler besteht darin, dass sie Hamas und „Zivilisten“ unterscheiden. Das ist aber in Gaza nicht wirklich zu trennen. Hamas ist von Zivilisten mit über 70% gewählt und findet nach neuesten Befragungen über 80% Zustimmung in der „zivilen Bevölkerung“. Sog. Zivilusten waren nachweisluch an den Massakern vom 07.10. beteiligt.
      Zu behauoten, dass sich Israel dem Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit aussetzt, zeigt viel Unkenntnis und Ignoranz. Letztlich versucht Israel nach bestem Vermögen (als meines Wissens nach ethischste Armee der Welt) zivile Bevölkerung zu schützen. Dazu könnte ich – zig konkrete Beispiele nennen. Wenn Sie sagen, dass Sie es leichter finden zu beten, als zu politisieren, hoffe ich sehr dass Sie bzgl. der Ziels und der Inhalte Ihrer Gebete genau auf Gott hören. Der Himmlische Vater steht immer aus der Seite Israels! Menschlich gesehen ist Gott komplett einseitig. Er ist Pro Israel. Immer.

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      1. Danke für ihr böses Nicht Verstehen wollen! Ich muss eigentlich NUR und AUSSCHLIEßLICH FÜR FRIEDEN im Heiligen Land beten – sonst nichts! Und ja NUR GOTT ALLEIN weiß wie viele der Palästinenser mit der Hamas sympathisieren! * SHALOM * Gott liebt nicht nur Israel – er möchte JEDEN LIEBEN! Wenn Israel so stark und ethisch ist, wieso verbietet es seinen eigenen Chassidim den Kriegsdienst zu verweigern – überhaupt warum verbietet es grundsäzlich israelischen Soldaten den Kriegsdienst zu verweigern und einen zivilen Ersatzdienst zu machen??? * Wie viel VERTRAUEN hat so ein Land in seinen Gott??? Warum muss ich so ein Land für eine vorbildliche Demokratie halten? Das tue ich DESWEGEN nicht mehr. *SHALOM!

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    2. Es geht bei der Auseinandersetzung mit der Hamas nicht darum nur die Geißeln frei zu bekommen,sondern der Angriff der Hammas sollte den Anfang dess Endes von Israel markieren und dagen darf sich Israel auch nach dem Völkerrecht verteidigen. Zu den zivielen Opfern muss man sagen dass es kaum eine militärische Auseinandersetzung gab, wo die Zivielbevölkerung so geschont wurde wie in Gaza, es ist keine Unverhältnismäßigkeit der Opfer. Man denke an die zerbombten Städte in Deutschland, Dresden, Würzburg, Nürnberg, historische Kulturdenkmähler,oder die Edertalsperre,Angriff auf die wasserversorgung usw. Oder Zahlen aus Vietnam, oder was die Russen in Syrien alles zerstörten, oder Erdogan hat Kurden in Syrien vertrieben usw. Wir als Christen sollten uns eine realistische Sicht der Dinge zu eigen machen und uns nicht von dieser Gehirnwäsche die momentan durch die Welt geht, bestimmen lassen.

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    3. @Nicole Jeanne
      Mit Ihrem Kommentar springen Sie auf das Pferd derer, die Israel seit Kriegsbeginn Unverhältnismäßigkeit vorwerfen. Aber man kann in einem Krieg doch nicht die Toten beider Seiten aufwiegen. Israel hätte den Krieg schon lange beendet, wenn Hamas die Geiseln freigelassen hätte und die Waffen niedergelegt hätte. Nun sind in vielen Gebieten Gazas die Soldaten schob abgezogen. Schluss, haben sich die Terroristen wieder gruppiert und die IDF muss genau da wieder hin, wo es zuvor schon war. Die Kritiker scheinen zu meinen, den Israelis macht der Krieg Spaß. Es geht nun nicht mehr darum, wieviele Menschen in den Kibuzzinen getötet wurden. Es geht darum, dass Hamas und Hisbollah im Libanon Israel vernichten wollen, dazu Syrien und Iran. Es geht nicht mehr um Zahlen, sondern um Existenz des Landes, das am meisten von der Welt gehasst wird. Und es geht darum, dass so etwas nicht mehr geschehen darf. Beten ist auf jeden Fall gut und sinnvoll. Auch da gilt ein gutes Verhältnis zwischen Reden und Hören. Wenn wir ihm zuhören schenkt er uns Erkenntnis.

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      1. @Ella
        Ach Ella,du kannst immer so schön erklären. Und vor allem so schön schreiben. Ich werde mal bei dir in die „Lehre“ gehen.😆 Auch wenn ich demnächst 60 werde. L. G.

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        1. @Manu
          Danke. Mit 66 hat man mehr Zeit zum Nachdenken und formulieren. 🙈😅
          Herzliche Grüße an dich und Shabat Shalom!

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          1. @Ella
            Dann hab ich noch Hoffnung für mich!😉 Man lernt ja nie aus. Hier ist gerade wieder ein Wahnsinnsunwetter!😱😱
            Shabat Shalom

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      2. Schön gesagt, ich wollte Israel nichts vorwerfen – nur zu bedenken geben – und habe ich die absurden Zahlen geglaubt? NEIN ! Ja tatsächlich geht es mir am besten mit Beten, dabei kann ich mich auf etwas Schönes konzentrieren, auf Wunder der Bewahrung, der Inspiration usw. Israel wurde angegriffen und es verteidigt sich, das ist ein Grundrecht, und ich wünschte es wäre einfacher für den jüdischen Staat also bete ich. Ich darf auch Fluchpsalmen ! beten auf die, die Israel hassen, deshalb gibt es sie. Habe ich ein Problem mit Militär – nein es gibt gerechte Soldaten – hätte ich zwei Kinder, die Soldaten der IDF wären und der andere wäre im Zivildienst würde ich beide lieben und ständig beten und den einen ermutigen , dem anderen zu helfen … *SHALOM

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  7. Egal was die Schmutzfinger schreiben. Israel muss alles zu Ende bringen und Hamas so schwächen das sie nicht mehr in Gasa regieren kann. Alless andere ist gefährlich. Sonnst ist 7 Oktober wiederholbar. Das Israel immer an allen schuld ist nicht neues. Der ewige Jude Last Grüssen.

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