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Bas gedenkt mit Israel der Scho’ah

Beim Besuch von Bundestagspräsidentin Bas steht das Gedenken an die Scho'ah im Mittelpunkt. Bei einer Zeremonie in der Knesset würdigt sie ein Opfer aus ihrer Heimatstadt.
Von Israelnetz
Bärbel Bas am Jom HaScho'ah in der Knesset

JERUSALEM (inn) – Die deutsche Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat am Donnerstag im israelischen Parlament eine Gedenkkerze für ein Opfer des Holocaust entzündet. Knessetsprecher Mickey Levy (Jesch Atid) hatte die SPD-Politikerin eingeladen, Israel am Gedenktag Jom HaScho’ah zu besuchen. Dieser begann am Mittwochabend.

Bas entzündete die Kerze für eine Jüdin aus ihrer Heimatstadt Duisburg: Irma Nathan. Diese leitete die Wohlfahrtskommission der dortigen jüdischen Gemeinde, bis sie 1942 mit ihrem Mann ins Transitlager Izbica in Polen deportiert wurde. Dort wurde das Ehepaar ermordet.

„Enkel oder Urenkel saßen nie auf Irmas Schoß; sie hätten heute zurückdenken und Familiengeschichten erzählen können“, sagte Bas laut einer Mitteilung der Knesset bei der Zeremonie. „Eine ganze Familie wurde ausgelöscht, und eine jahrhundertealte Kultur ebenfalls. Meine Nation trägt die Verantwortung dafür.“

„Historische Schuld bringt Verpflichtungen mit sich“

Die Bundestagspräsidentin betonte: „Wir dürfen nicht vergessen, und wir werden nicht vergessen. Unsere historische Schuld bringt Verpflichtungen mit sich. Wir müssen entschieden gegen Antisemitismus in allen seinen Formen kämpfen und die Erinnerung am Leben erhalten und sie an die jüngeren Generationen weitergeben.“

Knessetpräsident Levy entzündete eine Kerze für Joseph (Peppo) Varouh. Der jüdische Offizier in der griechischen Armee gehörte zu den Anführern des Aufstandes in Auschwitz. 1944 starb er in dem Vernichtungslager.

Persönliches Gedenken mit dem ehemaligen Oberrabbiner

Bereits am Mittwoch hatte Bas die Knesset besucht. Dort nahm sie auch an einer Veranstaltung zu „Sikaron BaSalon“ (Erinnerung im Wohnzimmer) teil. Dabei erzählen Überlebende der Scho’ah von ihren Erlebnissen. Zu Gast war der frühere aschkenasische Oberrabbiner Israel Meir Lau.

Foto: Knesset
Rabbi Lau (l.) mit Knessetsprecher Levy und Bundestagspräsidentin Bas

Bei der Veranstaltung in Jerusalem waren landesweit israelische Schüler per Videokonferenz zugeschaltet. Auf Levys Frage, welche Botschaft er den Jugendlichen mitgeben wolle, sagte der Überlebende: „Wir dürfen nicht vergessen, und wir dürfen nicht den Glauben verlieren. Wir existieren trotz Auschwitz und trotz Majdanek. Wir sind nach 2.000 Jahren Exil und Verfolgung nach Israel zurückgekehrt.“

Rabbi Lau fügte hinzu: „Die Tradition hält uns zusammen.“ Dazu gehörten die Matze – also das ungesäuerte Brot vom Pessachfest –, die Bitterkräuter und der siebenarmige Leuchter (Menora). Wunder und Erinnerungen seien wichtig. „Die Tradition hat es uns ermöglicht, nach Hause zurückzukehren und Jeremias Prophetie zu erfüllen: ‚Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen‘.“ Das Zitat stammt aus Jeremia 31,37.

Besuch in Yad Vashem

Bei einem Arbeitstreffen mit Levy bezeichnete Bas die deutsch-israelische Freundschaft als „ein Wunder und einen Segen“. Die beiden Parlamentspräsidenten besuchten auch die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Levy sagte: „Ich danke Israels Freundin, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, die meine Einladung angenommen hat, in diesen besonderen Tagen nach Israel und Jerusalem zu kommen.“

Die Teilnahme der deutschen Politikerin an den Zeremonien zum Jom HaScho’ah sei ein wichtiger Ausdruck der besonderen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Sie zeige die „historische Verantwortung, die Deutschland für die Verbrechen des Holocaust übernommen hat“, ergänzte der Knessetsprecher. Das gelte auch für die Verpflichtung gegenüber der Sicherheit des Staates Israel. In Yad Vashem nahm Bas am Mittwochabend an der Auftaktzeremonie zum israelischen Gedenktag teil. (eh)

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3 Antworten

  1. Wäre schön, wenn man der vollmundigen Erinnerungskultur Taten folgen läßt und endlich Gesetze zum Verbot der BDS Bewegung folgen läßt. Wie Henryk Broder einmal sinngemäß gesagt hat, den toten Juden erinnert man sich gern.

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  2. Schöne Heuchelei für die Leitmedien. Die Deutsch-Israelische Freundschaft werden die Linken und Grünen eher als Fluch sehen, denn als Segen. Sind sie doch Sympathisanten derer, die Israel von der Weltkarte getilgt haben möchten.

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  3. Vollmundige Reden kosten nichts – wer ein paar NS „Entschädigungsakten“ aus Landesarchiven liest und sich den Umgang mit Opfern von Massakkern und die Forderung der Anerkennung z.B in Griechenland und Italien ansieht, weiß wie es mit der politischen deutschen „Verantwortung“ bestellt ist.

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